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Seit kurzem finden am Winzerer Denkmal in Bad Tölz Mahnwachen statt, die angeblich dem Weltfrieden dienen sollen. Daran gibt es erhebliche Zweifel.

Friedensinitiative

Auf Distanz zu den Mahnwachen

Wolfratshausen - In kriegerischen Zeiten wie jetzt scheinen Mahnwachen eine gute Sache zu sein. Doch so einfach ist die Sache nicht: Die Friedensinitiative hat sich bei einem Treffen in der Wolfratshauser Flößerei von den Tölzer Mahnwachen distanziert.

Entlarvt hat der Geretsrieder Andreas Wagner (Mitte) von der Friedensinitiative die Tölzer Mahnwachen für den Frieden. Vor Ort hat er sich davon überzeugt, dass ausschließlich Infomatriel einer Schweizer Sekte angeboten wird.

Für „Etikettenschwindel“ hält Andreas Wagner die seit kurzem in Bad Tölz stattfindenden „Montags-Mahnwachen für den Frieden“. Der Sprecher der Friedensinitiative Bad Tölz-Wolfratshausen befürchtet, dass hinter der Mahnwache die Schweizer Sekte „Organische Christus-Generation“ (OCG) steckt. Auf diesen Verdacht kam er nach einem Besuch der Mahnwache am Winzerer-Denkmal: „Stoßweise lagen dort die Flugblätter „Stimme und Gegenstimme“ und Hochglanzprospekte des Internetsenders „Klagemauer.tv“ aus.“ Infomaterial bekannter Friedensbewegungs-Organisationen suchte er dagegen vergebens.

Wagner recherchierte und fand als verantwortlichen Redakteur der Flugblätter den Schweizer Ivo Sasek. „Der ist Laienprediger und Führer einer internationalen Sekte mit rund 3000 Anhängern.“ Auch „Klagemauer.tv“ und andere Medienunternehmen gehören zu seinem Imperium. Die von ihm gegründete „Anti-Zensur-Koalition“ (AZK) veranstaltet jährlich Konferenzen mit bis zu 2500 Besuchern. Dort werde bekennenden Nationalsozialisten eine Plattform geboten, so Wagner: „Als Redner lädt Sasek zum Beispiel Rechtsextremisten und Holocaust-Leugner ein.“

Auch der Chef der Schweizer Scientology-Bewegung, durfte vor geneigtem Publikum erläutern, was Scientology wirklich ist.

„Die bei der Montags-Mahnwache in Bad Tölz angesprochenen Themen haben großenteils nichts mit den Thema Frieden zu tun“, betont Helmut Groß, Vorsitzender des Vereins zur Förderung von Friedensarbeit im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Stattdessen fänden sich alle Themen auch auf „Klagemauer.tv“, die mit hochmanipulativen Methoden Propaganda betreibe – zum Beispiel gegen Homosexualität oder Sexualaufklärung in Schulen. Auffällig sei die „hochaggressive Sprache“, derer sich diese Schriften bedienten, sagte Wagner. Häufig ist zum Beispiel die Rede von „Killerstrategien“, „Satanismus“ und „Medienverblödung“.

Im Gegensatz dazu finde man in der klassischen politischen Friedensbewegung „klare Ansagen und sachliche Kritik, aber keinerlei Aggressivität“. Wagner fürchtet, dass „berechtigte Systemkritik durch abstruse Argumente unterwandert und die politische Friedensbewegung durch solche Pseudo-Friedensaktionen diskreditiert wird“. Denn die Kritik an der konflikteskalierenden Politik des Westens gegenüber Russland im Ukraine-Konflikt teile die Friedensinitiative durchaus. Man dürfe aber diese nicht „ausschließlich aus einer so gefährlichen Quelle beziehen und diese auch noch bewerben.“

von Clara Wildenrath

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