16 Drogenkranke schüren Ängste

- Suchthilfeeinrichtung: Info-Abend der Anwohnerinitiative

VON VERONIKA WENZEL Geretsried - Die Diskussion über den Einzug der Suchthilfeeinrichtung in die Verwaltungsschule versachlichen - das ist eines der Ziele der Anwohnerinitiative. Am Samstagabend kamen rund 80 Interessierte in den Gasthof Geiger. René de Visser, Vertreter der Suchthilfe des Deutschen Ordens (DO) und Heimleiter von Haus Buchenwinkel, bemühte sich, auf alle Sorgen und Ängste einzugehen. Ein Ergebnis der vierstündigen Debatte: Mit dem Einzug der Alkoholkranken aus Buchenwinkel könnte ein Großteil der Anwohner leben. Angst machen ihnen die 16 Drogenkranken aus Emmering und die zehn Bewohner der geplanten geschlossenen Abteilung.

Suchthilfe ist wichtig, das stellte Anwohner Michael Josifescu gleich zu Beginn klar. "Wir haben alle große Achtung vor den Menschen, die in diesem Bereich tätig sind." Wie seine Mitstreiter stört sich Josifescu aber am Standort in einem Wohngebiet und am Konzept, Alkohol- und Drogenkranke gemeinsam zu betreuen. "Das ist ein Versuch. Weniger prosaisch ausgedrückt nennt man das ein Experiment." Hier widersprach ihm Visser. In der Rehabilitation sei das Zusammenlegen der beiden Gruppen "ganz normal". Auch gebe es eine Langzeiteinrichtung des DO - die Laufer Mühle im mittelfränkischen Adelsdorf -, die dieses Konzept bereits umsetze.

Das konnte den Anwohnern die Angst vor den Drogenkranken nicht nehmen - genauso wenig wie Vissers Ausführungen über Ausgangsbeschränkungen und regelmäßige Kontrollen der Bewohner auf Alkohol- und Drogenkonsum. "Wie oft werden die Leute auf HIV untersucht", wollte ein Geretsrieder wissen. Visser berichtete von einem Gesundheitscheck bevor sie in die Therapieeinrichtung kommen. Im Emmeringer Haus Eichenhain gebe es momentan eine Bewohnerin, die mit HIV infiziert ist, sagte Visser offen.

"65 ist unsere maximale Belegungszahl"

Eine Frau befürchtete, dass die Anzahl der Plätze weiter erhöht wird. "65 ist unsere maximale Belegungszahl", betonte Visser. "Wir sind aber sogar bereit, darüber zu sprechen, die Zahl runterzufahren." Die Frage nach den Rückfallquoten konnte der DO-Vertreter diesmal beantworten. In Buchenwinkel betrage sie drei, in Eichenhain acht Prozent. Er bat darum, nicht zu vergessen, dass die Menschen chronisch abhängig sind. "Und ein Rückfall gehört zur chronischen Abhängigkeit dazu." In erster Linie aber gelte: "Die Leute, die zu uns kommen, wollen abstinent leben."

Dr. Benno Schäfer will die Einrichtung dennoch nicht in der Stadt haben. "Die Leute, die Sie uns bringen, helfen uns nicht", griff er Visser an. "Geretsried braucht sie nicht." Auch Wilhelm Lebens fühlt sich bedroht. Er erwägt sogar die Installation "einer Selbstschussanlage".

Ein Großteil der Redebeiträge in der Diskussion, die Manfred Tupaj leitete, war jedoch sachlich. Die Informationen von Visser wurden gerne angenommen. Die Angst vor den Drogenkranken aus Emmering blieb aber. "Mit Buchenwinkel sind wir einverstanden, aber mit den anderen haben wir ein Problem", meinte eine Frau. Einige der Anwohner wollen sich nun in der Emmeringer Einrichtung ein Bild machen.

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