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Tatort München mit zwei Größen des Bayerischen Fernsehens: Gustl Bayerhammer (re.) als Kriminaloberinspektor Veigl mit seinem Assistenten Ludwig Lenz (Helmut Fischer) in der Tatort-Folge „Münchner Kindl“ (1972).

Im Interview

Ein „Drohbrief“ an den Monaco Franze

Für die BR-Reihe „Unter unserem Himmel“ hat die Autorin und Filmemacherin Dr. Sybille Krafft die große alte Garde der bayerischen Volksschauspieler portraitiert.

Daraus ist das Buch „Bayerische Volksschauspieler“ entstanden. Es ist ein Wiedersehen mit beliebten Fernsehgrößen, die manchen Zuschauern so vertraut sind wie alte Familienmitglieder – von Gustl Bayrhammer und Ruth Drexel bis zu Helmut Fischer.

Frau Dr. Krafft, wie ist die Idee zu dem Buch entstanden?
Ich habe ja bereits ein Buch über Helmut Fischer geschrieben, über den Monaco Franze, den „ewigen Stenz“. Da lag es nahe, an diesen Erfolg anzuknüpfen.
Haben Sie einen Lieblings-Volksschauspieler?
Alle zwölf im Buch porträtierten Künstler sind auf ihre jeweils sehr eigene Art unverwechselbar. Neben Ruth Drexel und Gustl Bayrhammer mag ich besonders die Elfie Pertramer. Sie war ein Wahnsinnsweib, unglaublich vielseitig, kreativ und vital. Sie wechselte die Rollen wie andere Leute die Kleider. Außerdem schrieb sie ihre Texte selbst, sang und tanzte dazu – und alles unter eigener Regie. In den 1950/60er Jahren war sie eine Entertainerin der Spitzenklasse, aber leider ohne die Spitzengagen, die heute im Showgeschäft gezahlt werden. Sie war auch privat eine starke Frau, die leider viele Schicksalsschläge hinnehmen musste.
Für wen ist dieses Buch?
Für Menschen, die neugierig auf die Geschichten hinter den Fernsehgeschichten sind, und für alle, die mit dem „Komödienstadel“ aufgewachsen sind oder die bayerische Kultserien wie „Münchner Gschichten“, „Monaco Franze“, „Die Hausmeisterin“, „Zur Freiheit“, „Cafe Meineid“ und „Irgendwie und sowieso“ lieben. Es sind Erinnerungen an frühere Fernsehjahre.
Waren die Interviews genau vorgeplant oder war vieles davon spontan?
Ich überlege ich mir schon sehr genau, was ich meine Protagonisten fragen will, aber die Fragen werden mit den Interviewpartnern natürlich nicht abgesprochen. Das ist journalistische Ehrensache, eine Frage der Glaubwürdigkeit und Authentizität beim Dokumentarfilm. Und so gibt es immer wieder Überraschungen und unvorhergesehene Situationen, in denen man spontan reagieren muss. Wenn man Glück hat, sind gerade die ungeplanten Szenen manchmal die besten wie eine zufällige Begegnung mit Moritz Bleibtreu, bei der er ganz offen über seine schwierige Beziehung zu seinem Vater Hans Brenner gesprochen hat.
War es schwer, die Schauspieler davon zu überzeugen, Ihnen für diese Interviews zur Verfügung zu stehen?
Viele Stars sind im Privaten sehr zurückhaltend und pressescheu. Helmut Fischer etwa hasste Interviews und hat stets alle Anfragen meiner Kollegen abgelehnt. Auch mir hat er zunächst einen Korb gegeben. Das konnte ich aber unmöglich auf mir sitzen lassen. Ich schrieb ihm dann einen humorvollen „Drohbrief“ in Form eines Drehbuchdialogs zwischen dem „Monaco Franze“ und seinem Kriminaler-Freund Manni Kopfeck, den der unvergessene Karl Obermayer so großartig gespielt hatte. Helmut Fischer hat mit seinem echten „Spatzl“ über diese fiktive Szene sehr gelacht, wie er mir später erzählt hat, und damit war das Eis gebrochen. Bis zu seinem Tod waren wir freundschaftlich verbunden und haben uns regelmäßig mit seiner Ehefrau Utta und der Fernsehkritikerin Ponkie bei einem Künstlerstammtisch in Schwabing getroffen. Mein Film blieb das einzige Porträt über den Menschen hinter dem Monaco Franze.

Rückblickend betrachtet: Welches Interview war das, bei dem am meisten gelacht und philosophiert wurde und bei welchem Gegenüber war es am schwersten, etwas aus ihm herauszulocken?

Gelacht habe ich am meisten mit Erni Singerl, als Heidi Kabel, ihr norddeutsches Pendant vom Ohnsorg Theater, bei ihr zu Gast war und beide mit verteilten Rollen von einer Wattwanderung mit Stöckelschuhen erzählt haben. Philosophieren konnte man am besten mit Helmut Fischer, der ein sehr sozialkritischer Zeitgenosse war. Am schwierigsten waren die Porträts, die ich postum erstellen musste, weil diese Volksschauspieler schon verstorben waren wie Maxl Graf und Ludwig Schmid-Wildy.

Wie war es für Sie, all diese bekannten Größen zu treffen, die man sonst nur vom Bildschirm kennt – mitunter in deren persönlichem Lebensumfeld?

Natürlich ist es interessant, hinter die Kulissen zu schauen, aber ich bin keine Klatschkolumnistin. So genannte Homestorys und Blicke durchs Schlüsselloch sind mir ein Graus. Mich reizen eher unerwartete Themen wie ein Gespräch über die Nazi-Zeit mit Helmut Fischer oder über die wilden 60er Jahre mit Ruth Drexel.

Schauen Sie sich noch manchmal Filme und Serien mit den bayerischen Volksschauspielern an?

Gezielt eher selten, denn ich habe für all diese Porträts viele Monate meines Lebens im Fernseharchiv verbracht, um altes Filmmaterial zu sichten. Aber wenn ich durch Zufall in eine Wiederholung vom „Königlich Bayerischen Amtsgericht“ oder vom „Brandner Kaspar“ gerate, dann bleibe ich natürlich dabei ebenso hängen wie bei „Kir Royal“ oder bei meiner Lieblingsserie „Der ganz normale Wahnsinn“.

Was halten Sie von „Dahoam is dahoam“ und die darin mitwirkenden „Volksschauspieler“?

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