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Amtsgericht Wolfratshausen

Durch Herde gedrängt und Bäuerin umgerissen: Strafe für Kradfahrer

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Dietramszell – Weil er sich durch eine Kuhherde drängelte und dabei eine Bäuerin umriss, trafen sich ein Motorradfahrer und die Landwirtin vor Gericht. Das musste entscheiden - wer Schuld an dem Unfall hat.

Wer auf dem Land unterwegs ist, kennt es: Plötzlich tummelt sich auf der Straße eine Kuhherde, die auf dem Weg zur Weide ist. Ein Motorradfahrer (67) aus Münsing (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) hatte am 4. August vorigen Jahres rein gar keine Geduld und drängelte sich bei Dietramszell (gleicher Landkreis) durch eine 25-köpfige Herde. Und zwar so dicht an der Bäuerin (53) vorbei, dass er sich mit dem Vorderrad in einer Zaunschnur verfing, die die Frau in der Hand hielt. Dadurch riss er die Bäuerin zu Boden. Vor Gericht ging es nun um die Frage, wer Schuld ist an diesem Unfall.

Das Amtsgericht Wolfratshausen verurteilte den 67-Jährigen wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht zu einer Geldstrafe von 40 à 55 Euro (2200 Euro) und zwei Monaten Fahrverbot.

Doch dieser legte Berufung ein und kämpfte nun vor dem Landgericht München II um Freispruch. „Ich habe mich nicht durchgeschlängelt“, sagte er, „ich bin im Kuhtempo durch verschiedene Gruppen von Kühen gefahren.“ Die Bäuerin habe etwa drei Viertel der Straße mit einer Drahtschnur versperrt; er sei durch das freie Stück Straße gefahren, „nicht so dicht an der Bäuerin“. Plötzlich sei er durch den Draht ins Schlingern gekommen und habe alle Fahrkünste aufbieten müssen, um nicht zu stürzen. „Ich war etwas geschockt.“ Als er sich umschaute, habe die Frau den Draht aufgewickelt. Er rauschte davon. „Ich bin ja der Geschädigte gewesen.“

Die Landwirtin schilderte den Vorfall ganz anders. Beim Vorbeischlängeln habe der Motorradfahrer schon geschrien: „Lass mich durch, geh weg!“ Dann sei er keine zehn Zentimeter dicht an ihr vorbeigefahren und müsse wohl an ihrem Weidezaun hängengeblieben sein. „Es hat mich umgerissen. Ich bin nach hinten umgefallen.“ Sie erlitt Prellungen, Schürfwunden und Blutergüsse. Eine Verletzung an der Schulter macht ihr bis heute Probleme.

Das Gericht glaubte der Landwirtin und ihrem Mann – und verurteilte den Motorradfahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 20 Tagessätzen à 50 Euro (1000 Euro) und einem Monat Fahrverbot. Nur von der Unfallflucht wurde er freigesprochen, weil man nicht sicher sein könne, ob er den Sturz gesehen hat. Klar sei: „Er ist in einer gefährlichen Situation mit deutlich zu geringem Abstand vorbeigefahren.“ Man könne das Verhalten „durchaus als rücksichtslos bezeichnen“.

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