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Bürgermeister ärgert sich über Schwarzbauten an der Ludwigshöhe

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Auslöser des Streits: An der Ludwigshöhe herrscht nicht nur ein beträchtliches Durcheinander. Die Gemeinde Egling beanstandet auch einige Schwarzbauten. Unser Bild zeigt den aktuellen Blick von der Ludwigshöhe. © Foto: Sabine Hermsdorf-Hiss

Die Ludwigshöhe ist einer der schönsten Plätze im Landkreis. Umso ärgerlicher, dass dort ein Landwirt sein Anwesen erkennbar nicht in Ordnung hält - Schwarzbauten inklusive.

Egling – Bürgermeister Hubert Oberhauser ist eigentlich kein Mann großer Gesten. Deshalb war es etwas Besonderes, dass er am Dienstag unter dem Tisch demonstrativ einen dicken Leitzordner hervorzug. „Das ist schon ein ungewöhnlicher Umfang“, sagte er. Der Fall des landwirtschaftlichen Anwesens an der Ludwigshöhe 30 zwischen Deining und Straßlach hat die Verwaltung offenbar intensiv beschäftigt.

Es ging, wie es hin und wieder der Fall ist, um eine „nachträgliche Legalisierung“, sprich die Absegnung von Schwarzbauten. Doch dieser Fall war aus mehreren brisant. Erstens ist die Ludwigshöhe ein besonders „sensibles Gebiet“, wie Oberhauser erläuterte. Zweitens ging es um keine Kleinigkeit, sondern um eine ganze Reihe von Verfehlungen: angefangen von Verstößen gegen die Ortsgestaltungssatzung über eigenmächtige Nutzungsänderungen bis hin zum Bau von Hallen, Anlagen und Remisen, alles ohne das Wissen der Behörden. „Da sind halt einfach Fakten geschaffen worden“, so der Rathauschef erkennbar unwillig. Aufgeflogen ist der Fall, als Baukontrolleure vorbeischauten.

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Der Eglinger Bürgermeister Hubert Oberhauser © Foto: Archiv

Drittens – und das spielte eine große Rolle – war es im Vorfeld offenbar zu keiner Art der Verständigung zwischen den Parteien gekommen. Im Gegenteil, die Gemeinderäte hatten kurz zuvor noch einen geharnischten Brief des Anwalts des Betreibers, Jakob Grasl, erhalten, der in Kleindingharting wohnt, gleich hinter der Kuppe. Es folgte darüber hinaus der Brief eines Sachverständigen – kurioserweise namens Oberhauser, allerdings weder verwandt noch verschwägert mit dem Bürgermeister. Der behauptete, das Ganze sei landwirtschaftlich privilegiert. „Das sehen wir ganz und gar nicht so“, erklärte der Rathauschef. „Für uns ist es immer noch das Amt für Landwirtschaft, das darüber entscheidet.“

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Der in der Sitzung anwesende Jakob Grasl, der Straßlacher Bürger ist, konterte die Vorwürfe energisch. Er wies darauf hin, dass es in Deining viele Schwarzbauten gebe. Warum man sich ausgerechnet mit ihm so intensiv beschäftige, sei ihm rätselhaft. „Wenn ich runterschaue, sehe ich viele Stadel, um die sich kein Mensch kümmert.“ Außerdem behauptete er, dass Egling von der Gemeinde Straßlach „aufgehetzt“ worden sei. Wozu man wissen muss, dass zwei der beanstandeten Schwarzbauten auf Straßlacher Grund stehen. Im dortigen Gemeinderat wurde die nachträgliche Legalisierung mit Hinweis auf einen bestehenden Bebauungsplan im Januar abgelehnt.

Auch der Ton von Bürgermeister Oberhauser wurde nun schärfer: „Da ist vogelwild irgendetwas in die Landschaft gebaut worden, dazu können wir doch nicht Ja und Amen sagen, da machen wir uns ja lächerlich.“ Gemeinderat Hans Spindler (parteifrei) versuchte zu vermitteln. „Das da oben ist ja ein rechtes Sammelsurium“, sagte er mit Blick auf das offensichtliche Durcheinander, das an der Ludwigshöhe 30 herrscht. „Ich täte mir leichter mit der Zustimmung, wenn das Gesamtbild nicht beeinträchtigt wäre.“

Landwirt Grasl jedoch schimpfte weiter. „Ihr macht’s meinem Buben die Zukunft kaputt“, zeterte er. Worauf Spindler konsterniert anmerkte: „Ich wollte eigentlich eine Brücke bauen.“ Rathauschef Oberhauser winkte nur ab: „Ich hätte Dir gleich sagen können, dass das keinen Sinn hat.“

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So gingen schließlich die Gemeinderäte Punkt für Punkt durch, wobei Michael Neubauer (CSU) für die Mehrheit zu sprechen schien, als er sagte: „Ich tue mir mit so etwas immer hart, wir machen die Ehrlichen zu den Dummen.“ Für manches (etwa Dachüberstände) wurde das gemeindliche Einvernehmen erteilt, für vieles andere (eine Lagerhalle) aber nicht. Als Jakob Grasl den Saal verließ, merkte Oberhauser noch an: „Für konstruktive Gespräche steht meine Tür immer offen.“

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„Und wie geht es jetzt weiter?“, fragte Gemeinderat Peter Lichtenegger (CSU), selbst Landwirt. Oberhauser erwiderte, dass jetzt alles seinen vorgeschriebenen Gang gehe. Sollte es dem Landwirt gelingen, die landwirtschaftliche Privilegierung zu erreichen, werde das Landratsamt in Tölz das fehlende gemeindliche Einvernehmen ersetzen. Doch genau das will man im Eglinger Rathaus erst einmal prüfen lassen.

Stellungnahme von Landwirt Jakob Grasl

Wenige Tage nach der turbulenten Debatte im Gemeinderat zeigt sich Jakob Grasl (52) deutlich milder als bei seinem Auftritt im Gemeinderat. Er gibt frank und frei zu, dass sich auf seinem Gelände auf der Ludwigshöhe Schwarzbauten befinden. „Ich werde das in Ordnung bringen“, verspricht er. „Das habe ich beiden Bürgermeistern auch schon mitgeteilt.“ Außerdem werde er das Durcheinander auf seinem Betrieb beseitigen – „auch wenn ich dazu rechtlich nicht verpflichtet bin“. Dass viele Maschinen derzeit draußen stehen, erklärt der Landwirt damit, dass er die Hallen im Moment für die Produktion von Kleintierfutter braucht – auf diesen Betriebszweig hat er sich spezialisiert. Seine Auseinandersetzungen mit der Gemeinde Egling und den Behörden reiche weit in die Vergangenheit: Schon den Bau der großen Lagerhalle (durch die übrigens die Grenze zwischen Egling und Straßlach verläuft) habe er vor dem Verwaltungsgericht 1998 erkämpfen müssen. Dass das Amt für Landwirtschaft ihm die landwirtschaftliche Privilegierung zuspricht, steht für ihn außer Zweifel: „Mein Gutachter hat einen Ruf zu verlieren, der erzählt keinen Schmarrn.“ Darüber hinaus bleibt Grasl dabei, dass es in der näheren Umgebung allerhand und viele schlimmere Schwarzbauten gebe. Bei vielen Eglingern würde nicht so genau hingeschaut, bei ihm als Straßlacher schon. „Ich will einfach nur in Ruhe meine Landwirtschaft betreiben“, sagt er. Der Wind, der um seine relativ geringen Verfehlungen gemacht werde, sei „völlig übertrieben“.

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