Richter glaubt „Unsinn“ nicht

Betrug in 18 Fällen: Eglinger Paketfahrer (38) vor Gericht

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Auf seiner Auslieferungsroute verschwanden im vergangenen Sommer 18 Mobiltelefone im Wert von rund 11 000 Euro. Nun präsentierte das Amtsgericht Wolfratshausen dem 38 Jahre alten Fahrer die Rechnung.

Egling/Wolfratshausen Der Eglinger wurde wegen Betrugs, Fälschung beweiserheblicher Daten und Unterschlagung zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Zudem muss er für den finanziellen Schaden aufkommen.

„So dumm kann man auch in Ihrer Heimat nicht sein, dass man jeden Mist glaubt“, ließ der Richter die Dolmetscherin übersetzen, nachdem der Angeklagte sich geäußert hatte. Der Mann verschränkte die Arme und wiederholte, was er bereits einige Male erklärt hatte: „Ich habe davon nichts gewusst. Ich habe nur geholfen, weil ich um Hilfe gebeten wurde.“

Richter fragt: „Wer soll denn den Unsinn glauben?“

Der Fahrer eines Paketzustellers im Geltinger Industriegebiet hatte in mindestens 18 Fällen hochwertige Smartphones nicht an die angegebenen Empfänger ausgeliefert. Das räumte er vor Gericht ein. Die Handys habe er „Abholern“ ausgehändigt, die ihm von einem ihm nur vom Telefon bekannten Mann geschickt worden seien. Dieser habe die vielen unterschiedlichen Namen auf den Sendungen so begründet, dass es sich dabei um Freunde handle, die für ihn die Ware im Internet bestellt hätten. Weil die dabei angegebenen Post-Ident-Nummern der Sendungen immer gestimmt hätten, habe er keinen Verdacht geschöpft.

„Das ist sowas von hanebüchen, was er uns hier für eine Räuberpistole erzählen will. Wer soll denn den Unsinn glauben?“, fragte der Richter. Tatsächlich handelte es sich um eine ausgeklügelte Betrugsmasche. Jemand schloss unter dem Namen einer real existierenden Person und mit deren echter Adresse einen Mobilfunkvertrag ab. Bevor Telefon und Karte ausgeliefert wurden, änderte der Besteller die Lieferanschrift.

Handscanner manipuliert

Im vorliegenden Fall ging es um immer neue Adressen in Unterhaching – auf der Route des Angeklagten. Die Masche funktionierte nur, weil der Auslieferer bei Herausgabe der Pakete die Handscanner entsprechend manipulierte. „Er darf die Ware nicht aushändigen, wenn er die Person nicht antrifft“, erklärte ein ermittelnder Beamter der Post.

Die Vermutung liegt nahe, dass der 38-Jährige nicht allein gehandelt hatte. Weitere Hintermänner konnten von der Polizei jedoch nicht ermittelt werden. „Er wurde gezielt von der Tätergruppe ausgesucht und ist ihr mit unglaublicher Naivität auf den Leim gegangen“, sagte Verteidigerin Michaela Schmidt-Eberth, die ihren Mandanten in dem Geflecht als „bedeutsames, aber klitzekleines Werkzeug“ einstufte.

Richter Helmut Berger blieb mit seinem Urteil deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Vollzugsstrafe von einem Jahr und acht Monaten gefordert hatte. Die Verteidigung hatte eine Geldstrafe beantragt. Zur Einlassung des Angeklagten sagte Berger: „Dass er nicht gewusst hat, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, muss ich im Reich der Märchen ansiedeln.“ 

Rubriklistenbild: © dpa

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