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19-Jähriger bedrängt Mädchen im Liebeswahn und ritzt sich ihre Initialen in den Arm

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Aus Liebeskummer verletzte sich ein junger Mann selbst. Das Mädchen bekam immer mehr Angst vor ihm. (Symbolbild)
Aus Liebeskummer verletzte sich ein junger Mann selbst. Das Mädchen bekam immer mehr Angst vor ihm. (Symbolbild) © pixabay.com/TBIT

Zu einem blutigen Liebesbeweis griff ein 19-Jähriger, der sich nicht mehr anders zu helfen wusste. Er hat sich so schwer verliebt, dass er seiner Angebeteten unangemessen nachstellte.

Egling/Wolfratshausen Um der Angebeteten seine Liebe zu bezeugen, griff ein junger Mann aus der Gemeinde Egling zu außergewöhnlichen Maßnahmen. Nun musste sich der 19-Jährige wegen Nachstellung vor Gericht verantworten.

Amors Pfeil traf den jungen Mann im Bus nach Bad Tölz. Auf der Fahrt zur Schule verguckte er sich in ein Mädel ein paar Reihen vor ihm. Einige Wochen ging das so. Er genoss innerlich die gemeinsamen Fahrten, sie ahnte nichts von den Gefühlen des Burschen hinter ihr. Sie anzusprechen traute er sich nicht. Stattdessen begann er in sozialen Medien nach dem Mädchen zu suchen und hatte schnell Erfolg. Er schickte ihr eine Freundschaftsanfrage, sie lehnte ab. Er wechselte den Online-Dienst, deckte die Angehimmelte fortan via Instagram mit Liebesschwüren ein. „Ich liebe dich, ich muss dich sehen. Love you so much. Du bist mein Alles.“

Doch wie sehr sich der 19-Jährige auch ins Zeug legte, wie flehentlich seine Nachrichten formuliert waren, was er sich auch einfallen ließ: Die junge Frau wollte davon nichts wissen. Das gab sie ihm deutlich zu verstehen, indem sie jeden neuen Account, den er einrichtete, gleich wieder blockte.

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Fast ein Jahr lang bombardierte der 19-Jährige die Auserwählte mit Nachrichten. Um dem Mann nicht begegnen zu müssen, wechselte die Schülerin die Buslinie. Sie ließ sich zu anderen, entfernten Haltestellen bringen, um nicht mit ihm in einem Bus sitzen zu müssen. Freundinnen holten sie vom Bus ab. Das Maß war voll, als sich der 19-Jährige die Initialen seiner Angebeteten in den Arm ritzte und ihr ein Bild sandte, das den blutüberströmten Unterarm zeigte. Die junge Frau erstattete Anzeige.

„So etwas sprengt den Rahmen völlig“, machte Richter Urs Wäckerlin deutlich, dass dieser Fall auch für ihn „außergewöhnlich“ war. Der 19-jährige Asylbewerber konnte sein Verhalten nicht erklären. „Ich war dumm. Und ich war sehr verliebt. Ich habe einen Fehler gemacht“, ließ er den Dolmetscher übersetzen. Richtig klar war ihm jedoch selber nicht, warum er „im Liebeskummer alle Grenzen überschritten“ hatte, wie Andreas Dlugosch es formulierte. „Aber das ist hier nicht fehlender Respekt vor Frauen“, so die Überzeugung des Jugendgerichtshelfers. „Der erste Liebeskummer hat ihn völlig überfordert.“

„Das ist Stalking“

„Es ist nicht ungewöhnlich, das man sich umsieht, wenn man einen Partner sucht. Aber ungewöhnlich ist es, wie es hier abgelaufen ist. Das ist Stalking“, stellte Richter Wäckerlin in seiner Urteilsbegründung fest. Er verurteilte den jungen Mann zu 64 Stunden Sozialdienst und folgte damit dem Antrag der Staatsanwältin, die dem 19-Jährigen strafmildernd zubilligte, er habe wohl „verstanden, dass das nicht der richtige Weg ist, um mit Frauen zu kommunizieren“. Andernfalls drohen ihm härtere Strafen, wie das Gericht mit einer Arrestandrohung für den Wiederholungsfall deutlich machte. rst

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