Hagelflieger
+
Hagelflieger in Aktion: Um Hagelschlag zu verhindern, bringen die Flieger Silberjodid in die Wolken ein. Im besten Fall regnet es dann lediglich.

In Miesbach sind sie bereits im Einsatz

Zur Katastrophenabwehr: Eglinger CSU setzt auf Hagelflieger

  • Volker Ufertinger
    VonVolker Ufertinger
    schließen

Was kann man tun, um künftige Unwetterkatastrophen verhindern? Die CSU fordert den Einsatz von Hagelfliegern. Bürgermeister Hubert Oberhauser will das Thema aufgreifen.

Egling – Bürgermeister Hubert Oberhauser wird in seiner Kreistagsfraktion (Freie Wähler) und bei Bürgermeisterdienstbesprechungen das Thema Hagelabwehr zur Diskussion stellen. Das ist das Ergebnis der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Den Antrag, eine Debatte über eine mögliche Beteiligung an der Rosenheimer Hagelabwehr zu starten, kam von der örtlichen CSU. Damit hatte Fraktionschef Michael Neubauer einen Nerv getroffen, es gab einige Wortbeiträge.

Neubauer begründete seinen Antrag mit den heftigen Unwettern, die Wolfratshausen und am Rande auch Egling Ende Juni heimgesucht hatten. Damals gab es schwere Verwüstungen an Häusern, Autos (die Rede war von 50 000 Pkw) und Landwirtschaft. Die Hagelabwehr biete eine Möglichkeit, solches Unheil zu verhindern.

Die Rosenheimer verfügen nach Neubauers Recherchen über zwei Flieger, die unter anderem im Landkreis Miesbach tätig sind. Eine Ausdehnung des Zuständigkeitsbereichs sei also leicht denkbar. Technisch betrachtet geht es darum, dass die Flieger in der sich zusammenbrauenden Gewitterzelle – genauer im sogenannten Auftriebsturm – Silberjodid verbrennen. Dies führt dazu, dass sich statt Hagel nur Regen bildet. Das Silberjodid sei im Boden nicht mehr nachweisbar, die Umweltbelastung also gering bis nicht vorhanden. Die Kosten für die beiden Flieger liegen bei 300 000 Euro pro Jahr. „Wenn das zwischen verschiedenen Landkreisen geteilt wird, geht es also um einen überschaubaren Betrag.“

Bürgermeister Oberhauser begrüßte den Antrag. Es sei gut, wenn diskutiert werde, „was möglich ist“. Deshalb habe er im Landratsamt nachgefragt, was von der Hagelabwehr zu halten ist. Die Antwort aus dem Sachgebiet Katastrophenschutz war skeptisch: „Es hat geheißen, dass das nichts so gut funktioniert.“ Grund sei, dass die Gewitterzellen extrem schwer zu lokalisieren sind. Zudem habe es einen ähnlichen Antrag bereits 2012 gegeben, ohne Ergebnis. Er werde aber gerne das Thema „in die Kreisgremien einspeisen“.

Lesen Sie auch: Riesen-Hagel hinterlässt Millionenschäden

Peter Lichtenegger (CSU) hatte Zweifel. „Ob das wirkt, ist wissenschaftlich nicht beweisbar, weil man nicht weiß, was ohne Flieger passiert wäre“, erklärte er. Überhaupt doktere man wieder einmal nur an Symptomen herum. Die wahre Ursache für solche Unwetter sei der Klimawandel, „und da ist es doch wichtiger, was wir als Gemeinde machen“. Ein Punkt, dem Oberhauser zustimmte. Er verwies darauf, dass Egling in puncto Energiewende sehr rührig ist. Erst vor wenigen Tagen ist die Gemeinde dem Energie-Effizienz-Netzwerk der Energiewende Oberland beigetreten.

Lesen Sie auch: Der Corona-Maibaum von Egling

Heiko Arndt (CSU) fand die Initiative seiner Fraktion absolut richtig. Allerdings wünschte er sich, dass vor der Entscheidungsfindung „vertieft diskutiert“ wird. Die wahren Profiteure der Hagelabwehr seien nämlich die Gebäude- und Autoversicherungen, die sich auf diese Weise viel Geld sparen. Jakob Bernlochner (Freie Wähler) meldete Zweifel an. „Der Mensch versucht eh schon, so viel zu steuern.“ Ihm fehle die wissenschaftliche Basis für eine solche Entscheidung. Diese zu erstellen, sei wichtiger, als sich „aktionistisch um Hagelflieger zu kümmern“. An diesem Punkt bremste der Bürgermeister die Diskussion. „Klimapolitik ist nicht explizit unsere Zuständigkeit“, erklärte er. Er versprach aber, seine Funktionen auf Kreisebene zu nutzen, um die Diskussion in Gang zu setzen. Auch wenn dies möglicherweise einige Zeit in Anspruch nehmen werde.

Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare