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Sind Verwechslungen gewöhnt: Hans (li.) und Jakob Pertold.  

Jakob! Oder doch Hans?

Darum sorgen diese Brüder immer wieder für Verwirrung

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Die Brüder Hans und Jakob Pertold sind zwei Deininger Originale. Sie schauen sich ähnlich, haben denselben Job und werden immer wieder verwechselt. Das nehmen sie mit Humor – wie vieles andere auch.

Egling – Neulich ist es wieder passiert. Da ist in der Eglinger Bürgerversammlung Hans Pertold aufgestanden und hat sich zum Thema Bauen in Deining geäußert. Seine Meinung: Alles halb so schlimm, Bautätigkeit hat es immer gegeben. Unsere Zeitung schrieb das Zitat aber versehentlich seinem Bruder Jakob zu. Und der hat eine entgegengesetzte Meinung, die er dann in einem Leserbrief erläuterte. Ein Problem? Kein Problem! „Ach, das sind wir doch gewöhnt“, sagt Hans und lacht sein markerschütterndes Pertold-Lachen. Es handelt sich halt um Originale mit akuter Verwechslungsgefahr.

Wer die beiden vor sich sieht, für den ist die Familienähnlichkeit unverkennbar. Gestik, Mimik, Sprache gleichen sich extrem. „Früher war ich ein Spargeltarzan, und er auch“, sagt Jakob und deutet mit dem Finger auf den Bruder. Das hat sich im Lauf der Jahrzehnte erkennbar geändert, bei beiden. Hans ist inzwischen 71 und Jakob 67 Jahre alt. „Wenn er jetzt noch einen Bart tragen würde, dann könnte man uns glatt für Zwillinge halten“, sagt Hans über seinen Bruder.

Hans und Jakob sind nicht die erste Generation, wo hin und wieder Verwirrung herrscht. „Bei den Pertolds waren oft zwei Söhne da, und die haben praktisch immer Hans und Jakob geheißen“, erzählt Hans. Ganz am Anfang war da der Ururgroßvater, ein Maurer aus Südtirol, der nach Arget eingewandert ist. Der Urgroßvater hat dann 1874 nach Deining geheiratet, ins Sprenger-Anwesen. So lautet auch der Hausname, unter dem die beiden mindestens genau so bekannt sind wie unter ihrem bürgerlichen Namen. Und dann kamen immer wieder Hans und Jakob, Hans und Jakob, Hans und Jakob.

So geht das schon sehr lange mit den Pertolds in Deining. Sie waren größtenteils Handwerker, meist Maurer. „Wir sind stolze Kleinhäusler“, sagt Hans. Und notwendigen Auseinandersetzungen geht die Familie traditionell nicht aus dem Weg. „Diplomatie hat mir noch nie was gebracht“, berichtet Hans. „Er ist da vielleicht ein bisserl anders“, sagt er und deutet auf seinen Bruder.

Ihre an Anekdoten reiche Familiengeschichte ist den Brüdern ausgesprochen wichtig. Gerne erzählen sie, wie ihre Großmutter, Maria Noderer aus Oberherrnhausen, ihrem Mann – ebenfalls ein Jakob – einmal wütend eine Pfanne über den Kopf gehauen hat. Der blieb erst mal reglos liegen. In der Meinung, sie hätte ihren Gatten umgebracht, wollte sie anschließend zur Polizeistation gehen und sich stellen. In diesem Augenblick sah sie ihn am Fenster vorbeigehen, als ob nichts gewesen wäre. „Mei, war die froh, dass nix passiert ist“, erzählt Hans.

Der Tradition der Namensgebung sind die beiden übrigens treu geblieben, wenn auch mit kleinen Abstrichen. Jakob hat drei Söhne. Ihre Namen: Hans, Jakob und Michael. Hans, in zweiter Ehe mit einer Bauerstochter aus Ascholding verheiratet, hat zwei Söhne, einen Hans und einen Klaus. „Es war einer der Fälle, wo ich mich einmal nicht durchsetzen konnte“, sagt er und lacht. „Es geht halt nicht immer.“

Erschwerend kommt bei den beiden hinzu, dass sie denselben Beruf ausüben – Heizungsbauer. Angefangen hat damit der Ältere, Hans. Jakob war bei der Berufswahl etwas zögerlicher, bis die Mutter ein Machtwort sprach. „Du machst das jetzt auch“, hat sie gesagt. Der identische Job brachte natürlich einige kuriose Situationen mit sich. Etwa, wenn ein Kunde bei dem einen Rabatt wollte, weil er beim anderen angeblich Stammkunde war.

Nicht zu verwechseln ist die politische Einstellung der beiden. Sie ist extrem unterschiedlich. Hans gehört dem Vorstand der Eglinger CSU an, Jakob stand und steht der SPD nahe. Allerdings war das nicht immer so. Einst war Hans im Geist der 68er-Bewegung ein richtiger Revoluzzer. „Ich hab’ mich über die ganzen alten Nazis bei uns fürchterlich geärgert“, sagt er. Erst in späteren Jahren neigte er der CSU zu, wegen des „C“ für „christlich“ und des „S“ für sozial.

Die genau gegenläufige Entwicklung nahm sein Bruder Jakob. „Ich habe früher CSU gewählt, aber was die treiben, ist überhaupt nicht nach meinem Geschmack“, sagt er. Das „C“ und das „S“, so seine Meinung, bedeutet der Partei in Wahrheit gar nichts. „Das ist doch bloß ein Plakat, das sie hochhalten.“ Streiten sie darüber? „Ach, Schmarrn“, sagt Hans. „Ich finde es immer gut, wenn jemand seine Meinung frei heraus sagt.“

Und dann erzählen sie eine Geschichte aus der Zeit, als Deining noch eine Gastwirtschaft hatte, die Angerstuben. Da saß der Jakob und hatte eine Auseinandersetzung mit einem Fan von 1860 München. Der sagte irgendwann genervt: „Du redest genauso blöd daher wie dein Vater.“ Dieser angebliche Vater war Bruder Hans, der genau in diesem Moment sein Haus gegenüber der Angerstuben betrat. Dass sie oft miteinander verwechselt werden, war ihnen bekannt. Aber Vater und Sohn? Das war sogar den Pertolds neu.

Volker Ufertinger

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