Dr. Jakob Bernlochner (2. v. re.) beim Dreh der Komödie „Die Drei von der Müllabfuhr“ mit (v.li.) Jörn Hentschel (in der Rolle von Ralle Schieber), Aram Arami (Tarik Büyüktürk), Frank Kessler (Specker) und Uwe Ochsenknecht (Käpt’n Werner Träsch).
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Mittendrin: Dr. Jakob Bernlochner (2. v. re.) beim Dreh der Komödie „Die Drei von der Müllabfuhr“ mit (v.li.) Jörn Hentschel (in der Rolle von Ralle Schieber), Aram Arami (Tarik Büyüktürk), Frank Kessler (Specker) und Uwe Ochsenknecht (Käpt’n Werner Träsch).

Sturm der Liebe, Inga Lindström und anderes

Dieser Deininger hat das Hygienekonzept für die Bavaria Filmstudios entwickelt

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Ohne Hygienekonzept geht heute gar nichts mehr. Das für die Bavaria Filmstudios hat Dr. Jakob Bernlochner entwickelt. Ihm ist zu verdanken, dass die Show weitergeht.

  • Die Bavaria Filmstudios gehören zu den renommiertesten in Europa.
  • In Grünwald werden nationale und internationale Produktionen gedreht.
  • Das Hygienekonzept für die Drehs stammt von Dr. Jakob Bernlochner.

Egling – Seit dem Beginn der Corona-Pandemie ist die Welt nicht mehr so, wie sie mal war. Auch nicht in den Bavaria-Filmstudios in Grünwald. Dort werden zwar weiterhin all die Serien, Krimis und Komödien gedreht, auf die Millionen Zuschauer warten. Doch die Abläufe sind wegen eines obligatorischen Hygienekonzepts längst. Entwickelt hat es der Betriebsarzt der Bavaria, Dr. Jakob Bernlochner (56) aus der Gemeinde Egling. „Alle sind sehr diszipliniert und tolerieren die besonderen Umstände. Ich bin sehr froh darüber“, sagt er.

Die Telenovela „Sturm der Liebe“ stand auf der Kippe

Für den Deininger war der Job des Betriebsarztes, den er seit 2010 für die Bavaria Film GmbH ausübt, lange Jahre eine „eher ruhige Angelegenheit“. Arbeitsplatzbegehungen, Impfaktionen, Vorsorgeuntersuchungen und allgemeiner Arbeitsschutz: Das war sein Alltag. Doch dann kam Corona und drohte das Drehen von Filmen schlagartig unmöglich zu machen. Besonderer Leidensdruck herrschte bei der Bavaria-Produktion „Sturm der Liebe“, eine Telenovela, die von Montag bis Freitag jeden Nachmittag läuft und stets ein Millionenpublikum findet. Das Problem: Hier geht es im Kern darum, dass sich Menschen näher kommen. Wie sollte das noch funktionieren?

Regelmäßige Fiebermessungen am Set

Plötzlich war der Betriebsarzt gefragt wie nie. Bernlochner – der übrigens auch Firmen wie Amazon, Sport Scheck oder die WWK-Versicherung in Fragen der Gesundheit berät – entwickelte einen Plan, der verhindern soll, dass sich das Virus am Set ausbreitet. Es umfasste Eckpunkte wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes hinter der Kamera, Handdesinfektionen, die Erhöhung von Reinigungsintervallen, Einbahnstraßenregelung beim Catering sowie regelmäßige Fiebermessungen am Set. „In Abstimmung mit der Geschäftsleitung haben wir uns frühzeitig auf eine Leitlinie für das Studiogelände verständigt: Dort, wo es behördlich zulässig ist, arbeiten wir – insofern wir den Gesundheitsschutz für alle Mitwirkenden gewährleisten können.“ Natürlich sei die Verunsicherung unter den Schauspielern und im gesamten Team groß gewesen, so Bernlochner. „Da war es vor allem wichtig, das Grundvertrauen in die Gesundheit mit vernünftigen und angepassten Maßnahmen zu stärken.“

Hundertprozentige Sicherheit kann es nie geben

Dr. Jakob Bernlochner, Betriebsarzt aus Deining

So kam es, dass die Produktion von „Sturm der Liebe“ fortgeführt werden konnte. Wenn auch unter erschwerten Umständen. Das Drehbuch wurde für die ersten Folgen noch umgeschrieben, um zu verhindern, dass sich Protagonisten näher kommen als unbedingt nötig. Die Kameras wurden so eingestellt, dass die Bilder eine Nähe vortäuschten, die es am Set in Wirklichkeit gar nicht gab. Und das Hygienekonzept tat sein Übriges, um die Künstler vor einer Gefährdung durch das Virus zu schützen. „Natürlich kann es wie im Fußball nie hundertprozentige Sicherheit geben, trotz aller Vorsicht. Wir sind darauf vorbereitet, dass es zu positiven Covid-19-Fällen auch auf dem Bavaria-Film-Gelände kommen kann. Unser Konzept erlaubt uns in solchen Fällen, angemessen und differenziert zu reagieren“, sagt Bernlochner und klopft auf Holz.

Quarantäne wie bei den Fußballern gibt es nicht

Dass er mit seinem Konzept richtig lag, bekam er kurz darauf bestätigt. Die Berufsgenossenschaft legte im Mai ihr eigenes Papier vor, das mit dem Bernlochnerschen in vielen Punkten identisch ist. Hinzu kam nur, dass nach dem Willen der Berufsgenossenschaft sich alle Beteiligten für die Dauer des Drehs in Quarantäne begeben sollten – ein Punkt, der von der Deutschen Fußball Liga (DFL) und ihrem Umgang mit Profifußballern übernommen wurde. Das aber wurde kurz darauf wieder zurückgenommen. „Es wäre auch übertrieben“, findet der Mediziner.

Apropos Übertreibung: Manchmal erreichen Jakob Bernlochner in seiner Eigenschaft als Betriebsarzt Anfragen, über die er sich nur noch wundern kann. So erkundigte sich kürzlich die persönliche Assistentin eines berühmten Schauspielers, ob es in Ordnung ist, wenn sie seine Wäsche privat mitwäscht. Hintergrund: Eine Reinigung hatte genau das abgelehnt, mit dem Hinweis auf Corona. „Natürlich durfte sie. Alles andere ist ein völliger Schmarrn“, erklärt er.

Sympathie für den schwedischen Weg

Ein wichtiger Teil seines Jobs besteht inzwischen darin, dass er zum Auftakt einer Produktion vor versammeltem Team das Konzept erläutert. „Das schafft Vertrauen.“ Auch vermittelt er die Grundkenntnisse über die Krankheit, über die ja viele widersprüchliche Gerüchte kursieren. So kommt der Deininger zu vielen Drehorten der aktuellen Bavaria-Produktionen, etwa Köln („Die Rentnercops“ oder „Falk“), nach Berlin („Die Drei von der Müllabfuhr“ sowie „Käthe und ich“), oder nach Schweden („Inga Lindström“). Dort war er im Lauf des Sommers vier Mal. Aus seiner Sympathie für den schwedischen Weg im Umgang mit der Pandemie – den weitgehenden Verzicht auf staatliche Maßnahmen und den Appell an die Eigenverantwortung der Bürger – macht er übrigens keinen Hehl.

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Bernlochner selbst ist keiner, der viel Zeit vor dem Fernseher verbringt. Nur den „Tatort“ im Ersten am Sonntag schaut er gerne an. Insofern war es für ihn etwas Besonderes, als er sein Hygienekonzept vor einigen Tatortkommissaren erläuterte – nämlich den Münchnern (Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec) und den Dortmundern (Jörg Faber, Anna Schudt, Aylin Tezel und Rick Okon) aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums-„Tatorts“.

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„Es war sehr nett und auch spannend, sie alle kennen zu lernen“, erzählt der Deininger Mediziner. „Es war und ist für mich einfach toll, einen Einblick in diese Welt zu bekommen.“ Eine Welt, die (sich) auch dank seiner Hilfe weiterdrehen kann.

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