Soul-Legende Aretha Franklin ist tot

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„Es ist nicht der Nabel der Welt“, sagt Drehbuchautor Christian Jeltsch über die Filmbranche. Das Foto zeigt den 59-Jährigen an seinem Arbeitsplatz zu Hause in Reichertshausen. 

Drehbuchautor Christian Jeltsch im Porträt

„Das, was ich tue, ist ein Geschenk“

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„Schreiben ist zuhören und hinschauen, mit allen Sinnen“, sagt Christian Jeltsch. Er weiß aus Erfahrung, dass jeder Mensch seine Geschichte hat, die ein Drehbuch wert wäre. Jeltsch ist ein erfolgreicher Schriftsteller, der vorwiegend Krimis für den „Tatort“ und den „Polizeiruf 110“ schreibt, aber auch Komödien fürs Deutsche Fernsehen. 

Egling – Jeltsch hat für seine Arbeit unter anderem den Deutschen Fernsehpreis und den Adolf-Grimme-Preis bekommen. Das Drehbuch zur ZDF-Komödie „Wenn Frauen ausziehen“ ist aus seiner Feder, gedreht wurde 2016 im Eglinger Ortsteil Harmating.

Jeltsch lebt mit seiner Familie in dem ehemaligen Kramerladen in Reichertshausen – dort, wo im Winter der erste Schnee liegt, wie er sagt. Jeltsch liebt es, wenn im Sommer die Kühe an seiner Terrassentür vorbei in den Stall marschieren und wenn im Winter sein Nachbar, der Bauer, ihm den Schnee mit dem Traktor vor der Einfahrt wegschiebt. Die Überspanntheit der Medienwelt ist nicht sein Ding. „Es ist nicht der Nabel der Welt, wie viele denken“, findet Jeltsch.

Seine Frau Ruth Gassner ist eine gebürtige Eglingerin. Deshalb zog die Familie mit den beiden Kindern dorthin. Sie renovierte das alte Haus eigenständig. Die Frage „Wo gehört man hin?“ beschäftigt den Autor. „Heimat“ ist auch das Kernthema im ZDF-Film „Wenn Frauen ausziehen“. Was passiert, wenn ein ganzes Dorf an einen Investor verkauft wird, um eine elitäre Spa-Welt zu eröffnen? Was passiert mit den Menschen, die seit Generationen dort leben? Jeltsch hat in dieser Komödie die Familiengeschichten beleuchtet. Die Einheimischen, die zuerst von der Wandlung profitieren wollten und dann einsehen mussten, dass „ihre kleine Welt nicht mehr stimmig ist“.

„Stimmig“ ist ein Begriff den der heute 59-Jährige gerne benutzt für etwas, was seiner Meinung nach authentisch ist. Auch die Figuren in seinen Drehbüchern müssen adäquate Rollen spielen, erst dann würde eine Story lebendig und emotional werden, sagt er. Das war vermutlich auch Karl Mays Anspruch in seinen unsterblichen Abenteuerromanen. Diese Bücher hat Jeltsch als Bub verschlungen. Damals wurde ihm klar: „Ich will schreiben.“

Jeltsch studierte Psychologie, Germanistik, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte. Nebenbei verdiente er sich Geld als Journalist. Mit einem Freund war er 1981 für eine Reisereportage in Kanada und den USA unterwegs. Sie hatten eine dreiste Idee: „Wir wollten Billy Wilder besuchen.“ Der berühmte Filmproduzent und Drehbuchautor war für die beiden unerreichbar. Doch ihre Beharrlichkeit, ihn immer wieder zu kontaktieren, zahlte sich aus. Wilder lud sie schließlich zu sich ein. „Er war ein entspannter alter Herr“, erinnert sich Jeltsch.

Diese Begegnung beeindruckte den jungen Journalisten nachhaltig. Er lernte, investigativ zu recherchieren. Er lernte mutig und geduldig „tiefer in die Themen einzusteigen“. Mit dem Drehbuch über den Widerstands-Filmclub „Cinemateca Uruguaya“ in Südamerika begann seine Karriere als erfolgreicher Drehbuchautor. Heute kann er sagen: „Das, was ich tue, ist ein Geschenk.“

Jeltschs Krimis und Komödien haben stets einen politischen und gesellschaftskritischen Anspruch. „Was gibt es besseres, als mit Spannung wichtige Themen zu beleuchten, um die Zuschauer zum Nachdenken zu bringen.“

Auszeichnungen

2001: Adolf-Grimme-Preis für „Einer geht noch“

2001: Bayerischer Fernsehpreis für „Rote Glut“

2001: Marler Fernsehpreis für Menschenrechte für „Gelobtes Land“

2004: Hessischer Drehbuchpreis, Adolf-Grimme-Preis- Nominierung für „Auf ewig und einen Tag“

2006: Deutscher Fernsehpreis, Deutscher Fernsehkrimipreis für „Bella Block – Das Glück der Anderen“

2007: Deutscher Fernsehkrimipreis, Nominierung für „Vom Ende der Eiszeit“

2009: Goldener Gong für „Klick gemacht“

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