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Global Player: Im Foyer der Result Group in Seeshaupt werden die Uhrzeiten vieler großer Städte rund um den Globus angezeigt. Überall auf dem Planeten bietet der Eglinger Unternehmer Walfried O. Sauer seine Dienstleistungen an – und das rund um die Uhr. 

Ehemaliger SEK-Mann leitet Sicherheitsunternehmen 

Schutz vor Terror und Piraterie

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Die Sicherheitskonferenz in München ruft es wieder ins Bewusstsein: Der Terror ist eines der größten Probleme unserer Zeit. Der Eglinger Walfried O. Sauer, ein ehemaliger SEK-Mann, versucht, Verbrechen zu verhindern, bevor sie passieren. Oder wenigstens gefährliche Situationen zu entschärfen.

Seeshaupt/Egling – Walfried O. Sauer (55) mag es beschaulich. Sowohl sein Wohnort Dettenhausen in Egling als auch sein Firmensitz Seeshaupt verdienen das Prädikat idyllisch. Doch niemand weiß so gut wie er, dass die Sicherheit in unserer Gegend die absolute Ausnahme darstellt. Schon an den Rändern Europas ist brutale Gewalt ein selbstverständlicher Teil des Alltags. „Man sollte nie vergessen, in welchem Paradies wir eigentlich leben“, sagt Sauer.

Er erlebt es jeden Tag. Aus aller Welt melden sich Kunden in den Räumen der Result Group am Starnberger See, um sich zu erkundigen, wie sie sich gegen Gewalt schützen oder aus einer bedrohlichen Situation wieder herausfinden können. Eine Hotline ist rund um die Uhr besetzt. In dringenden Fällen wie Entführungen klingelt das Telefon des Chefs persönlich, vielleicht drei oder vier Mal im Jahr.

Sauer hat sein Handwerk so gründlich gelernt, wie man es nur lernen kann, nämlich beim Spezialeinsatzkommando (SEK), dem bayerischen Pendant zur GSG 9. Sein persönliches Schlüsselerlebnis war die spektakuläre Befreiung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ im Jahr 1977. Damals versuchten palästinensische Terroristen in Mogadischu, in Deutschland inhaftierte RAF-Terroristen freizupressen. Vergeblich – die GSG 9 griff zu und befreite sämtliche Geiseln unverletzt. „Die Professionalität hat mich so beeindruckt, dass mein Berufswunsch seitdem feststand.“ Also schloss sich der junge Mann aus Hösbach (Landkreis Aschaffenburg) der Polizei an. 22 Jahre diente er dem Staat, davon viele Jahre beim SEK. Die Bekämpfung von Gewalt war sein Geschäft. Tag für Tag.

Dabei fiel ihm etwas auf. „Es gab offensichtlich Defizite, was die Sicherheit von Firmen, speziell im Ausland, angeht.“ In Ländern wie Kolumbien waren deutsche Unternehmen dem organisierten Verbrechen mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert. Von der nächsten Polizeistation war keine Hilfe zu erwarten, und bevor deutsche Behörden etwas unternehmen konnten, war alles zu spät. Also reifte in Sauer die Idee, sein Know-How der freien Wirtschaft anzubieten. Anfangs wurde er gewarnt, er werde scheitern, in Deutschland sei das staatliche Gewaltmonopol zu stark ausgeprägt. „Das hat mich nur noch mehr angespornt.“

So gründete der dreifache Vater 1996 die Firma Result Group, anfangs mit Sitz in Grünwald, später in Seeshaupt. Der Name „Result“ war ein Versprechen, es besagte: Wir werden das gewünschte Ergebnis liefern. Die können sich tatsächlich sehen lassen. So trieben vor einigen Jahren Piraten im Golf von Aden zwischen Afrika und Arabien ihr Unwesen, sie kaperten Kreuzfahrtschiffe, nahmen Geiseln. Die Öffentlichkeit erfuhr davon nur am Rande, die betroffenen Reeder hingegen fürchteten um ihre Existenz. Sauer war der erste, dem erlaubt wurde, die Schiffe mit einer bewaffneten Mannschaft auszustatten. Das hat sich unter den Gewalttätern rasch herumgesprochen, die Piraterie kam zum Erliegen. „Der Nato-Einsatz, von dem so viel die Rede war, hat eher eine untergeordnete Rolle gespielt“, so Sauer.

Inzwischen ist die Result Group auf ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern angewachsen, mit Niederlassungen in Hamburg und Brüsssel. Sauer hat sich auf drei Geschäftsfelder spezialisiert. Da wäre einmal „Corporate“, also die Betreuung meist deutschsprachiger Mittelständler, die ins Ausland expandieren. „Unsere Aufgabe ist es, sie davor zu bewahren, blind und rein produktfokussiert in gefährliche Länder zu gehen.“ Da wäre außerdem „Private“, also die Sicherheit von Persönlichkeiten, die wegen ihres enormen Reichtums latent gefährdet sind. Und da wäre „Goverment“. „Damit verfügen wir über ein Alleinstellungsmerkmal bei Sicherheitsunternehmen“, so Sauer. Keine andere berät Regierungen in Entwicklungs- und Schwellenländern bei Reformen im Sicherheitssektor. Aus genau diesem Grund war der passionierte Jäger oft im Tross des ehemaligen Außenministers Guido Westerwelle und des Entwicklungsministers Dirk Niebel rund um den Erdball unterwegs. „Niebel hat immer gesagt: Ohne Sicherheit keine Entwicklung. Damit hatte er Recht.“

Was die Zukunft angeht, ist Sauer nicht optimistisch. „Das Problem des Terrors wird sich verschärfen.“ Deutschland, so seine Prognose, werde sich nicht länger aus den globalen Konflikten heraushalten können. Die Folge: Das Land wird mehr denn je in den Fokus der Terroristen rücken. „Leider“, sagt Sauer. Auch wenn er als Unternehmer davon profitieren mag.

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