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Frisch wie eine Frühlingswiese: Hanni Münzer zuhause in Ascholding mit ihrem neuen Buch „Heimat ist ein Sehnsuchtsort“ und der frisch gedruckten Ausgabe ihres Bestsellers „Honigtot“. 

„Heimat ist ein Sehnsuchtsort“

Eine zierliche Blondine setzt sich durch: Erfolgsautorin Hanni Münzer präsentiert neuen Roman

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Erfolgsautorin Hanni Münzer aus Ascholding hat einen neuen Roman veröffentlicht. Ihre Bücher wurden bereits millionenfach gelesen.

Ascholding– Wenn man mit der Erfolgsautorin Hanni Münzer über ihren neuen Roman „Heimat ist ein Sehnsuchtsort“ spricht, ist es gar nicht so leicht, beim Thema zu bleiben. Die gebürtige Wolfratshauserin mit Wurzeln in Schlesien und auf dem Balkan schöpfte gerade für diesen Roman aus ihrer bewegten Familiengeschichte und hat – über ihre Bücher hinaus – viel zu erzählen.

Gewidmet ist ihr neuer Roman ihrem Großvater Josef, seiner Emma „und allen, die ihre Heimat verloren haben“. Münzer vermischt echte Familienvergangenheit mit dem fiktiven dramatischen Schicksal der schlesischen Familie Sadler. Im Auftaktband der zweibändigen Saga lernt man die Familienmitglieder und ihr näheres Umfeld kennen – und lieben. Den jungen Komponisten Laurenz, der nach einem familiären Schicksalsschlag den elterlichen Hof übernehmen muss. Seine Frau Annemarie, die ein schreckliches Geheimnis zu bewahren versucht. Und die zwei außergewöhnlichen Töchter: die mathematisch hochbegabte Kathi sowie ihre schwerstkranke Schwester Franzi. Münzer verrät im Gespräch: „Das Geheimnis der Mutter lüftet sich im ersten Band der Saga nur zum Teil.“ Doch mit ihrem Versuch, ihre Töchter zu schützen, würde Annemarie eine Lawine tödlicher Ereignisse lostreten, die das Schicksal ihrer Töchter über Jahrzehnte bestimmen werde. Es ist nicht eine Seite langweilig. So viel zum Buch.

Münzers Erzähltalent ist auch im Interview deutlich spürbar. Mühelos verbindet sie Anekdoten aus ihrer Kindheit mit Hintergrundinformationen zu ihrem außergewöhnlichen Werdegang. Von der Vorstandssekretärin zur Bestsellerautorin. Dabei bildhübsch, zierlich und blond: Das klingt ein bisschen nach Hollywood. Dabei ist die sympathische Schriftstellerin ganz bodenständig bayerisch – mit den schon erwähnten weitreichenden Wurzeln.

„Schon als Schulkind in Thanning an der Grundschule habe ich gelesen, gelesen und gelesen“, verrät sie mit einem Lächeln. Sicher zur Freude ihres damaligen Lehrers, dem späteren Landrat Manfred Nagler. „Ich war wirklich lesesüchtig und habe alle Bücher verschlungen, die ich in die Finger bekommen habe. Als hätte ich Angst, ich verpasse sonst etwas.“ Aus der Sehnsucht zu lesen, entwickelte die 55-jährige ihre Leidenschaft zum Schreiben.

Angefangen hat sie damit schon zu Zeiten, als sie noch im Vorzimmer des Unternehmers Erich Sixt in Pullach saß. Eine Schule fürs Leben, wie sie immer wieder feststellen durfte. In ihrer Freizeit schrieb sie am ersten Band ihrer Reihe „Seelenfischer“. Die angeschriebenen Verlage lehnten eine Veröffentlichung ab. „Die üblichen Standardabsagen“, sagt sie und schmunzelt. Weil ihr Mann damals sehr krank war, sah sie sich gezwungen, bei ihrem geschätzten Arbeitgeber zu kündigen, trotz ungewisser Zukunft. Sixt-Cousine Andrea Sixt („Eine ganz heiße Nummer“) ermutigte die passionierte Schreiberin zur Eigenveröffentlichung.

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Die zweifache Mutter und inzwischen auch Großmutter Hanni Münzer erinnert sich: „Noch in der Nacht nach meinem Abschied bei Sixt habe ich mein erstes Buch hochgeladen.“ Das war im Januar 2013. Es kletterte schnell auf die Kindle-Bestseller-Liste. Nach ein paar Monaten lud sie den zweiten Band hoch. Auch der ging steil nach oben. Wochenlang war sie auf Platz eins. Das beeindruckte die Verlage dann doch. Damals schrieb Münzer schon an „Honigtot“. Zunächst lehnte sie die eingehenden Angebote ab und stellte auch „Honigtot“ online. Nach einem Jahr habe sie sich dann doch von den Vorzügen eines Verlags überzeugen lassen. „Der Marktanteil von E-Books liegt ja bei nur ungefähr sechs Prozent“, sagt Münzer und gibt zu: „Als Autor möchte man vor allem eins: gelesen werden.“ Das ist ihr inzwischen millionenfach geglückt. Zwölf Romane hat sie bereits veröffentlicht. Ihre Bücher erscheinen in 17 Ländern, darunter Italien, Spanien, Frankreich, Polen und Holland. Seit ein paar Tagen hat sie auch die chinesische Ausgabe von „Honigtot“ daheim in ihrem gemütlich eingerichteten Elternhaus in Ascholding, das sie mit Ehemann und Hündin „Puppi“ bewohnt. „Schon komisch, wenn man sein eigenes Buch nicht lesen kann“, sagt sie und schmunzelt.

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Vor zwei Jahren hat Hanni Münzer übrigens einen Roman geschrieben, der von der jungen Klimaaktivistin Emily handelt, die die Welt aufrütteln möchte. „Quasi eine Vorreiterin der jungen Greta Thunberg“, sagt Münzer und lacht – auch wenn ihr das vom Verlag ausgesuchte Cover von „Unter Wasser kann man nicht weinen“ nicht wirklich zusagt und ihrer Meinung nach die Zielgruppe nicht ganz treffe. Geschenkt. Über die Irrungen und Wirrungen der Verlagsbranche könnte sie inzwischen vermutlich auch ein Buch schreiben – und dann online stellen. So wie ihre Politsatire „Unterzuckert“, mit der sie „gerne auch mal politisch unkorrekt für die Demokratie kämpfen möchte“. Unverkennbar: Diese vordergründig zarte Person hat eine unglaubliche Power und sicher noch viel zu erzählen.

Info

„Heimat ist ein Sehnsuchtsort“ ist als Hardcover im Piper Verlag im Oktober 2019 erschienen, hat 576 Seiten und kostet 20 Euro. Infos im Internet unter www.hannimuenzer.com.

(Bettina Seewald)

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