Schloss Harmating
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Alter Stammsitz der Familie von Barth: Das Harmatinger Schloss liegt heute ziemlich versteckt hinter Bäumen und Büschen.

Hier ging der berühmte Bergsteiger ein und aus

Hermann von Barth und sein Harmatinger Stammsitz

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Hermann von Barth gilt als Entdecker des Karwendel. Im Stammsitz seiner Familie im Eglinger Ortsteil war er häufig zu Besuch. Dort erinnert noch manches an ihn.

  • Hermann von Barth wurde vor genau 175 Jahren geboren.
  • Er ist wohl einer der wichtigsten Alpinisten des 19. Jahrhunderts.
  • Auf Schloss Harmating in Egling war ständiger Gast.

Eurasburg/Egling – Hermann von Barth: Unter diesem Namen ist der Mann bekannt, der vor 175 Jahren auf Schloss Eurasburg geboren wurde und als Entdecker des Karwendel in die Geschichte des Alpinismus einging. Sein vollständiger und korrekter Name lautet jedoch: Hermann von Barth-Harmating. Daran sieht man: Es gibt noch einen zweiten Bezug Barths zur Gegend zwischen Loisach und Isar, denn Harmating ist der Name eines kleinen Weilers in Egling samt einem alten Schloss, dem Stammsitz der von Barths. Und genau dort lebt und schreibt heute ein Verwandter des großen Bergsteigers und Autors, nämlich Albert von Schirnding (85). Ein wichtiger Erzählter und Lyriker der Gegenwartsliteratur, der unter anderem 2016 mit dem Kulturehrenpreis des Landkreises ausgezeichnet wurde.

Blutsverwandt sind beide nicht. „Eine Großtante mütterlicherseits hat einen Bruder Hermann von Barths geheiratet“, erzählt der Altphilologe. Im Schloss hat sich Hermann von Barth noch oft aufgehalten, nachdem die Familie 1858 Schloss Eurasburg verkauft hatte. „Es sind noch ein paar Sachen von ihm da“, erzählt der Schlossbesitzer. Dessen Passion, das Bergsteigen, teilt von Schirnding. „Wenn auch lange nicht in demselben Maße“, erzählt er mit einem Lächeln.

Die Barths bauten die alte Kesselbergstraße

1874 erschien Hermann von Barths „Aus den Nördlichen Kalkalpen“, das seinen Autor schlagartig berühmt machte. In dem – heute vergriffenen – Nachdruck des Werks aus dem Jahr 1984 hat sich von Schirnding mit seinem berühmten Verwandten intensiv befasst. Darin erzählt er vom Werdegang des Alpinisten und Schriftstellers, der einerseits als Sologänger im Gebirge zu „atemberaubenden Kühnheiten“ neigte, auf der anderen Seite mit der wissenschaftlichen Erkundung auch eine „bedächtig-kühle“ Seite zeigte.

Hermann von Barth-Harmating gilt als Entdecker des Karwendel.

Die Barths sind, das ruft das Vorwort in Erinnerung, ein uraltes Münchner Patriziergeschlecht, woran noch heute gemalte Medaillons im Schloss erinnern. Die Gräber der Barths mit dem „sprechenden Wappen des bärtigen Kahlkopfs“ sind noch heute in der Münchner Peterskirche und im Frauendom zu finden. Im Jahr 1492 ließ Heinrich von Barth auf seine Kosten die alte Kesselbergstraße zwischen Kochel- und Walchensee errichten, freilich im eigenen Interesse: Die Familie war durch Salzhandel und Silberbergbau zu Reichtum gelangt. Der letzte männliche Nachkomme starb 1917 in Rumänien, auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs. Der Harmatinger Stammsitz gelangte 1941 durch Erbfolge an die Familie von Schirnding.

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Der letzte Sproß der Familie starb im Ersten Weltkrieg

In die bedeutende Münchner Partizierfamilie von Barth wurde Hermann von Barth 1845 hineingeboren. Nach dem Verkauf von Schloss Eurasburg lebte die Familie in München und auf dem Stammsitz. 1863 absolvierte Hermann von Barth das Münchner Ludwigsgymnasium, wo – eine weitere Parallele – Albert von Schirnding Jahrzehnte lange unterrichtete. Dann kam ein Jurastudium. Und dann die Berge.

Der Schriftsteller und Pädagoge Albert von Schirnding ist der heutige Schlossherr.

Von Schirnding bezeichnet es als das „Erstaunlichste dieses an Erstaunlichkeiten reichen Lebens, dass die beispiellose Leistung Hermann von Barths das Werk von nur vier Sommern war.“ Seit 1868 erklomm der Alpinist Gipfel um Gipfel, stets allein und mit genagelten Schuhen, die ihm ein Berchtesgadener Schuster angefertigt hatte. „Jedem Kletter-Sommer entsprach ein Schreib-Winter, in dem die Erfahrungen minutiös nachgezeichnet wurden.“ Die Prosa, die dabei entstand, lässt an die Zeitgenossen Karl May und Friedrich Nietzsche denken: „Etwas vom Geist und Ungeist des Übermenschentums findet sich auch hier.“ Es geht viel um die Lust am Bezwingen, den Kampf mit der Natur. Doch es gibt auch ruhige Passagen.

Im Werk des Alpinisten steckt ein Widerspruch

In einem ebenfalls 1984 erschienenen Zeitungsartikel, dem Bergjournal vom 21. September, kommt von Schirnding zu dem Schluss, dass im Lebenswerk Hermann von Barths ein „unaufhebbarer Widerspruch“ steckt. Was er suchte, war der Reiz der unberührten Natur. „Aber indem er das Gebiet in doppelter Hinsicht – kletternd und schreibend – erschloss, bereitete ausgerechnet er, der Anwalt der Alleingeher, dem massenhaften Alpentourismus unserer Tage den Weg.“

2015 erschien Albert von Schirndings Gedichtsammlung „Höhersteigen“ in der Edition Toni Pongratz. In dem Gedicht, das der Sammlung den Namen gegeben hat, wird der Moment des Aufbruchs beschworen: „Wirf ab, wirf ab / was dich beschwert / Lass los, lass los / Was dir gehört / Gib her, gib her/ dein Haus deine Herden / Vergiss vergiss / deinen Namen dein Werden / Entzweie dich / mit deinem Ich / Geh fort geh fort / Zum Niemandsort.“ Wer will, kann dabei an Hermann von Barth denken.

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