Nikolaus Spindler (re.) zeigte Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber seinen Hof in Deining. Im Hintergrund (v.li.) CSU-Ortsvorsitzender Florian Sperl, Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber und Bundestags-Direktkandidat Alexander Radwan.
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Rundgang über den Deininger Vorzeigehof: Nikolaus Spindler (re.) zeigte Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber seinen Hof in Deining. Im Hintergrund (v.li.) CSU-Ortsvorsitzender Florian Sperl, Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber und Bundestags-Direktkandidat Alexander Radwan.

Bauern als „Problemlöser“

Die Landwirtschaftministerin besucht den Klasbauernhof in Deining

  • Volker Ufertinger
    VonVolker Ufertinger
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Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hörte sich in Deining die Sorgen der Bauern an. Deren Image ist nicht das beste. Dabei haben sie Grund zu Selbstbewusstsein.

Egling – Der Klasbauernhof am Alten Flößerweg in Deining ist das, was man einen „Vorzeigehof“ nennt. Er ist 100 Jahre alt und wird in der vierten Generation im Vollerwerb bewirtschaftet. Diesen Hof besuchte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, um sich auf Einladung von CSU-Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber die Sorgen der Bauern anzuhören. Vom Verbraucher kritisiert, von der großen Politik gegängelt: Ein wichtiger Berufsstand leidet. Die Ministerin machte sich gleich stark für ihre Leute: „Unsere Landwirte sind nicht die Subventionseinstreicher und Tierquäler, als die sie teilweise hingestellt werden.“

Aus seinem Alltag und von seinen Erfahrungen erzählte Nikolaus Spindler. Sein Selbstverständnis: „Ich möchte ein Landwirt sein, der etwas anbietet.“ Unter anderem tut er das mit einem Milchautomaten, wo Kunden rund um die Uhr Rohmilch abzapfen können. Das Interesse ist groß – aber die Verunsicherung auch. „Je städtischer die Leute sind, desto vorsichtiger sind sie“, erklärte er. Dabei ist unbehandelte Milch ein hochwertiges Lebensmittel, die Qualität wird durch die Andechser Molkerei überprüft, sie ist mindestens drei Tage haltbar, und man weiß sogar von Fällen, wo Menschen die unbehandelte Milch besser vertragen haben als die homogenisierte.

Weiter ging es beim Rundgang zum Stall. Spindler ist froh, dass sein Vater Anfang der 1990er Jahre stur blieb. „Er ist von den Behörden damals auf Anbindehaltung beraten worden“, erzählte er. Das aber wollte der Landwirt nicht – jetzt ist das ganzjährige Anbinden von Kühen ein Auslaufmodell. Mit Blick auf das freie Feld vor der Stalltür erklärte er: „Durchaus möglich, dass ich irgendwann aussiedeln möchte.“ Er weiß aber jetzt schon, welche Kommentare es geben wird. „Schon wieder so ein Riesending.“ Landwirte finden momentan für ihre Belange eben wenig bis kein Verständnis. Obwohl sie es sind, die Lebensmittel für eine wachsende Anzahl von Menschen produzieren.

Beim Gang in den Heustall schwärmte Spindler vom Wissen einstiger Generationen. „Früher ist viel mehr auf Bestand und Nachhaltigkeit geachtet worden.“ So sind etwa die Holzbalken nach dem Mond geschnitten und von Hand gehackt worden. Und der junge Landwirt präsentierte noch eine Zahl, die bei den Besuchern – CSU-Funktionären aus dem Wahlkreis 224 – Eindruck machte. „Ich verbrauche pro Jahr für meinen Betrieb 8000 Liter Diesel – das ist so viel wie ein startender Urlaubsflieger.“ Ja, die Landwirte würden sogar als einziger Berufszweig überhaupt durch ihren Aufbau von Humus und die Bewirtschaftung der Wälder CO2 binden. „Wir sind die Problemlöser, nicht die Problemmacher“, sagte er.

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Die Gäste stimmten voll und ganz zu. Michael Häsch, Bertenbauer aus Dietramszell, wies darauf hin, dass auch die ständig steigenden Auflagen der Politik den Landwirten zu schaffen machen. „Dann muss immer neu investiert werden. Das bricht vielen das Genick“, so der Gemeinde- und Kreisrat. Im Jahr 2023 steht die GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) der EU an, mit neuen Herausforderungen. Peter Lichtenegger aus Thanning blickte aufs große Ganze: „Es kann doch nicht sein, dass in Brasilien Wälder abgeholzt werden, damit von dort Lebensmittel zu uns reinkommen.“ Ein Punkt, dem die Ministerin nicht widersprach: „Da bin ich tausendprozentig bei Ihnen.“

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Und dann war da noch das Thema Wolf. Bundestagskandidat Alexander Radwan erzählte von einer Diskussion, wo Vertreter des Bund Naturschutz den Einsatz von Zäunen und Hunden forderten. Und wenn das nicht funktioniert? „Dann wird es Almwirtschaft in dieser Form eben nicht mehr geben“, habe die Antwort gelautet. Radwan zeigte sich fassungslos. „Es ist erschreckend, wie da Fundamentalpositionen vertreten werden“, sagte der Bundestagskandidat. Die Ministerin stimmte zu: „Das Tierwohl wird immer mehr verabsolutiert, ohne an den Menschen zu denken.“ Und was passiert mit dem Wolf? Die trockene Antwort von Peter Lichtenegger: „Im Englischen Garten hätte er doch gut Platz.“

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