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Doppelt hält besser: Damit die von Peter Fröstl maßgeschneiderte Lederhose mehrere Jahrzehnte stabil bleibt, näht er alle Nähte zweimal. „Eine Hirschlederne kann man vererben“, sagt der Säckler aus Egling.

Stich für Stich zum Erbstück

Lederhosen-Liebe: Dieser Eglinger führt ein altes bayerisches Handwerk fort 

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„Für diesen Moment geben wir alles“: Das Motto, unter dem der Tag des Handwerks steht, gilt auch für Säckler Peter Fröstl aus Egling. Tradition lebt er nicht nur – er näht sie.

Egling – In der Werkstatt stellt Peter Fröstl die Haferlschuhe auf den Holzschemel, beugt sich über das Stück Leder auf seinem Schoß und legt los. Stich für Stich entstehen auf dem schwarzen Grund Eichenlaub und ein Hirsch aus hellgrünem Faden. Die Nadel führt er zügig, aber präzise. Die rechte Hand greift schnell nach dem Töpfchen mit Bienenwachs auf dem Arbeitstisch. „So lässt sich die Nadel besser halten“, sagt Fröstl und beugt sich wieder über das Beinteil der Lederhose.

Peter Fröstl, 21, ist ausgebildeter Säckler, in Handarbeit fertigt er maßgeschneiderte Lederhosen. Vor zwei Jahren hat er seine Lehre als Deutschlands bester Säckler abgeschlossen. Seither beherrscht der Eglinger ein Handwerk mit langer Tradition, das heute nur noch wenige ausüben. „In der Berufsschulklasse in Mainburg, die wir zusammen mit den Feintäschnern besucht haben, waren wir Säckler zu viert. Und das war viel“, sagt Fröstl. Heute stellt er jedoch fest, dass sich langsam wieder mehr junge Leute für die Arbeit begeistern. Ihn selbst traf nie die Qual der Wahl. Fröstl stammt aus dem gleichnamigen Trachtengeschäft in Egling, das sein Großvater aufgebaut hat. Das Säcklerhandwerk gehört zur Familie.

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Schon als kleiner Bub war Fröstl immer dabei. „Es war klar, dass ich einsteige.“ Mittlerweile ist er Junior-Chef, hilft im Verkauf und in der Verwaltung. Und er schneidert Lederhosen. Doch bis das Herzstück der bayerischen Tracht fertig ist, dauert es. Wer heute wegen einer maßgeschneiderten Hose anruft, muss Geduld mitbringen. Bis zu zwei Jahre kann es dauern, bis Fröstl in der hauseigenen Werkstatt Maß nimmt. Länge, Passform, Farbe und Stickerei kann sich der Kunde selbst aussuchen. Als Material bevorzugt der Säckler Hirschleder. Sämisch gegerbt mit Fischfett sei es das Beste, was Qualität und Stabilität angeht. „Eine Hirschlederne kann man vererben, heißt’s immer“, sagt Fröstl in schönstem Oberbairisch.

Detailarbeit: Auf dem schwarzen Leder entsteht ein stolzer Hirsch aus grünem Garn.

Das Leder wird zugeschnitten, eine Hose besteht aus etwa 40 Einzelteilen. Die Stickereien, die Latz, Messerlauf und Beinteile zieren, sind der aufwendigste Teil. Mit Kreidestaub wird das Muster auf den Stoff gepaust. Eichenlaub ist meist dabei, eine Gams oder ein Hirsch im Sprung, oft die Initialen des Trägers. Das Sticken ist Detailarbeit: Rund 25 Stunden dauert es, bis der von Hand vernähte Faden in beige, grün oder gelb das gewünschte Motiv zeigt. „Das kann man nicht den ganzen Tag machen“, sagt Fröstl und grinst.

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Doch irgendwann ist auch die anstrengendste Arbeit beendet. Fröstl setzt sich an die Nähmaschine und fertigt aus den Teilen nach und nach eine Lederhose. Die Stellen wie Schritt und Gesäß, die stärker strapaziert werden, werden doppelt gefüttert. Diese Besetzungen klebt Fröstl zuerst von Hand. „Grundsätzlich nähen wir alles doppelt“, sagt der Säckler. „Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Industrie.“ Dass die Industrie generell beliebter ist als traditionelle Handwerksberufe, kann Fröstl zum Teil nachvollziehen. Die Bezahlung spiele eben eine große Rolle. „Aber ich bin mir sicher, dass sich da einiges ändert“, sagt der 21-Jährige. „Denn ohne Bäcker, Metzger und Handwerker funktioniert es halt nicht.“

Das gilt auch für die Trachtenbranche: Um eine gescheite Lederhose zu schneidern, die 40, 50 Jahre und länger hält, braucht es jemanden, der sein Handwerk beherrscht. Jemanden wie Peter Fröstl. An die 40 Hosen hat der 21-Jährige schon geschneidert. Spaß macht’s ihm immer noch. „Es ist einfach schön zu sehen, wie die Hose Schritt für Schritt entsteht.“ Wenn sich der Kunde das maßgeschneiderte Stück über die Wadl zieht, sich im Spiegel betrachtet und mit dem Ergebnis zufrieden ist – für diesen Moment gibt Peter Fröstl alles. mh

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