Ist Meghans Baby schon da? Krankenwagen vor Harrys und Meghans Anwesen gesichtet

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Sie müssen ihre Wohnungen im alten Eglinger Gewerbegebiet räumen: Die Mieter und Vermieter (v. li.) Michael Seidel, Tamara Wildmann-Szepuolgyi, Martina Maier, Valentin Höger, Angela Hasch, Joseph Maier und Marlies Maier sowie Julia Hamberger.

Frist läuft aus

Hat Gemeinde so entschieden: Mieter müssen nach 20 Jahren aus ihren Wohnungen raus

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Ende April läuft die Übergangsfrist aus. Dann ist im Eglinger Gewerbegebiet keine Wohnnutzung mehr erlaubt. Der Bürgermeister verteidigt die Entscheidung. 

Egling – Tamara Wildmann-Szepuolgyi, Köchin im Eglinger Gasthof Oberhauser und Mutter von drei Kindern, muss sich mit ihrem Mann eine neue Bleibe suchen. „Finden Sie hier mal was Bezahlbares“, sagt sie verzweifelt. Valentin Höger soll die letzten beiden seiner einst sechs – günstig – vermieteten Wohnungen räumen lassen – im Ruhestand „ein Teil meines Lebensunterhalts“. 

Martina Hasch muss ihr Eigentum verlassen und sich für rund 750 Euro in Fraßhausen eine Wohnung mieten. Drei Schicksale, die stellvertretend stehen für gut 20 Parteien, die bis 30. April aus dem alten Eglinger Gewerbegebiet wegziehen müssen. „Tun wir das nicht, drohen enorm hohe Strafen“, sagt Haschs Mutter Angela.

Die Geschichte ist ebenso kompliziert wie verfahren. Anfang der 1980er Jahre entstand gegenüber dem Eglinger Sportplatz ein Gewerbegebiet. Ab 1983 wohnten dort auch Menschen. Darauf wies vier Jahre später erstmals der damalige Rathauschef Manfred Nagler das Landratsamt hin. Passiert ist danach nichts – gut 20 Jahre lang. Niemand störte sich an den Leuten, die dort nicht nur arbeiteten, sondern mittlerweile auch lebten – und die Menschen störten sich nicht an den ansässigen Betrieben: „Niemals hat sich auch nur ein Mieter über Lärm oder Schmutz beschwert“, sagt Marlies Maier, Seniorchefin des Kia-Autohauses. Im Gegenteil: „Alle genießen hier die Ruhe am Wochenende.“

Alles änderte sich 2011, als ein Autohändler am westlichen Rand des Areals in seinen stattlichen Neubau, ursprünglich für Lager, Büros und Praxen vorgesehen, zahlreiche Wohnungen integrieren wollte. Der Gemeinderat spielte nicht mit – und hatte bald eine Klage des Händlers am Hals. Die begründete er mit der Wohnnutzung in der Nachbarschaft. Das Verwaltungsgericht gab ihm Recht. Die Richter hatten bei einem Ortstermin konstatiert, dass es sich um ein Mischgebiet handle. Das Landratsamt legte – auch aus Sorge vor einem Präzedenzfall – gegen den Beschluss Berufung ein. In einer zweiten Verhandlung gewannen Behörde und Gemeinde. Das Verfahren zog sich über drei Jahre und endete mit individuellen Vergleichen – und einer Räumungsfrist für alle bis Ende April 2019.

Obwohl sie seither wissen, was auf sie zukommt, schlagen die Emotionen unter den verbliebenen Mietern – einige sind bereits weggezogen – hoch, jetzt da die Frist näher rückt. Während eines Ortstermins mit unserer Zeitung äußern sie Ärger, Frust und Enttäuschung über „eine himmelschreiende Ungerechtigkeit“. Konsequent sei die Entscheidung nämlich nicht, meint Valentin Höger.

Angela Hasch, deren Tochter gerade auszieht, lebt seit 20 Jahren im Gewerbegebiet. Ihr als ehemalige Betriebsinhaberin erlaubt man beispielsweise in ihrem Haus zu bleiben. Es steht übrigens auf Grund, der einst der Familie ihrer Schwiegermutter gehört hatte. Bleiben darf sie „aufgrund meines fortgeschrittenen Alters“, wie die 75-Jährige sagt. Högers sechs Wohnungen über den Geschäftsräumen seiner Heizungs- und Sanitärfirma – sie führt längst sein jüngster Sohn Matthias – werden hingegen ab Mai leer stehen. Gewerbliche Mieter findet der 74-Jährige nicht: „Über ein Jahr hatte ich Anzeigen geschaltet, gemeldet hat sich keiner. Büros im ersten Stock will niemand.“ Höger kündigt, obwohl mit den Haschs seit Jahrzehnten befreundet, seinen Protest an: „Entweder man darf hier wohnen – dann alle. Oder man darf hier nicht wohnen – dann keiner.“

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Marlies Maier führt ein weiteres Argument ins Feld: Man sollte die Quadratmeter des künftigen Leerstands mal zusammenzählen, „zumal die große Politik doch immer davon redet, dass man möglichst wenig Fläche versiegeln und Gewerbegebäude aufstocken soll. Bei uns aber müssen sie leer stehen. Das ist so ein Widerspruch.“ Für Hasch passt das Vorgehen der Gemeinde nicht mit der brisanten Wohnungsnot im Münchner Großraum zusammen: Die Politik spreche von der Schaffung bezahlbaren Wohnraums, „und der hier ist bezahlbar“.

Höger zum Beispiel verlangt nur knapp sieben Euro für den Quadratmeter kalt. „Trotzdem müssen die Leute hier raus“, echauffiert sich Hasch, „das entbehrt jeglicher Logik.“ Ihre Tochter habe sich mit 93 Konkurrenten um eine neue Wohnung beworben, erzählt sie, „und ihre eigene steht jetzt leer. Das ist doch irre.“

Hubert Oberhauser,Eglinger Bürgermeister

Überdies solle die Allgemeinheit ruhig erfahren, wie es wirklich war, in den frühen Achtzigern, ergänzt Höger. „Viele meinen vielleicht, wir alle haben hier damals Baugrund billig bekommen, und möchten ihn jetzt für Wohnungen nutzen.“ So sei es aber nicht. „Der Grund war nicht günstig und ging damals zäh weg“, erinnert sich der 74-Jährige. Ihn habe man regelrecht gedrängt, seinen Betrieb von seinem Privatgrundstück an der Tölzer Straße ins neue Gewerbegebiet zu verlegen. Dort sollte er groß bauen, also tat er es – nicht im Stil eines nüchternen Industriegebäudes, sondern eines Bauernhauses. Die Gemeinde hatte nichts gegen diese alpenländische Rustikalität. Högers Unternehmen war damals noch größer, viele Österreicher arbeiteten für ihn. Sie wohnten über den Geschäftsräumen. „Gestört“, sagt er, „hat es keinen.“

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Nach dem letzten Richterspruch habe das Rathaus ein Jahr Zeit gehabt, eine für alle verträgliche Lösung zu finden, moniert Marlies Maier. Jetzt, da die Gemeinde den neuen Bebauungsplan für das sich nach Norden ausweitende Gewerbegebiet aufstellt, hätte sie die Möglichkeit gehabt, den alten, südlichen Bereich davon auszugrenzen, „ihn als Mischgebiet auszuweisen oder die Angelegenheit wenigstens über den Bestandsschutz zu regeln“. Die Gemeinde aber blieb kategorisch bei ihrem Nein.

Warum, das erklärt Hubert Oberhauser. „Wir, und da spreche ich für alle Gemeinderäte, haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt der Bürgermeister und bekräftigt, „auf alle Fälle Verständnis“ für die schwierige Situation der Mieter und Vermieter zu haben. „Deshalb haben wir uns ja sehr bemüht, möglichst großzügige Übergangsfristen im Zuge der Vergleiche auszuhandeln.“ Rechtlich sei der Gemeinde jedoch nichts anderes übrig geblieben, als auf den rein gewerblichen Charakter des Gebiets zu pochen. „Glauben Sie mir“, sagt Oberhauser, „wir haben uns juristisch eingehend beraten lassen. Es ging nicht anders, um die gewerbliche Struktur dort zu wahren.“ Der Gemeinderat müsse verantwortlich für die gesamte Kommune handeln, Einzelinteressen stünden in diesem Fall hinten an.

Die konsequente Haltung der Gemeinde habe auch schon einen ersten Erfolg gezeitigt, berichtet der Rathauschef: Die SR Erodiertechnik Repert und Leppmeier mit Firmensitz in Ergertshausen hat das Anwesen des ehemaligen Autohauses Loth gekauft und wird dort künftig Präzisionsteile für Luft- und Raumfahrtunternehmen, Automobilhersteller und Medizintechnik produzieren. Oberhauser ist sich „sicher, dass der frühere Besitzer sonst einen Dreispänner hingestellt hätte, wäre es ein Mischgebiet geworden“.

peb

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