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Im Pflegeheim Riedhof sind die Einzelzimmer zu klein geworden. Deswegen muss die Senioreneinrichtung in Egling nach über 30 Jahren schließen.

„Leute werden in Pflegefabriken gedrängt“

Pflegeheim Riedhof schließt

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Egling - Das Pflegeheim Riedhof schließt, 28 Bewohner verlieren ihr Zuhause. Schuld sind neue gesetzliche Vorschriften zur Größe der Zimmer. Der Verein, der das Heim in Egling seit über 30 Jahren betreibt, löst sich auf.

Kleiderschränke, Tische und eine komplette Edelstahlküche stehen zum Verkauf. „Wegen Betriebsschließung Mobiliar günstig abzugeben“, steht in einem Inserat. Zum Monatsende schließt das Pflegeheim Riedhof bei Ergertshausen. 28 Senioren verlieren ihr Zuhause, die Gemeinde Egling verliert ihr einziges Pflegeheim. Der Verkauf des Mobiliars steht für das unfreiwillige Ende der Einrichtung mit langer Geschichte.

„Es ist eine Schweinerei, dass ein blühender Betrieb zum Aufhören gezwungen wird“, sagt Dr. Heribert Plonner aus Lenggries. Über 30 Jahre lang leitete er den gemeinnützigen Verein, der das Pflegeheim betreibt. „Wir wollen nicht schließen, wir müssen.“ Grund ist eine Verordnung, in der unter anderem die baulichen Mindestanforderungen an Heime geregelt werden. Vor fünf Jahren erhöhte der Gesetzgeber unter anderem die Mindestgröße für Einzelzimmer von zwölf auf 14 Quadratmeter. Auf dem Papier ist das einfach, baulich aber ein riesen Problem. „Räume lassen sich nicht einfach aufblasen“, sagt Plonner. „Kleine Heime müssten ein Drittel ihrer Zimmer aufgeben. Das ist nicht machbar.“

Der Lenggrieser glaubt, dass die Lobby großer Pflegeketten bei der Änderung der Vorschriften die Finger im Spiel hatte. Die Schließung seines Heims sei kein Einzelfall. Viele Einrichtungen stünden vor denselben Problemen. „Die Leute haben dadurch nicht mehr die Wahl, ob sie in ein kleines, recht ortsnahes Heim gehen. Sie werden in Pflegefabriken gedrängt, die noch dazu 20 Prozent teurer sind.“

Heribert Plonner ärgert das Aus – „durch ein Gesetz ohne Handhabe“. Der Psychologe war vor 33 Jahren zufällig in das Projekt hineingeraten. Zunächst war ein Hochstapler am Ruder, sagt Plonner, dann gründeten zwei Mitarbeiter den heutigen Verein. Als ein unabhängiger Vereinsvorstand gesucht wurde, engagierte er sich.

Das Eglinger Pflegeheim warb im Internet mit seiner familiären Umgebung. In dem alten, aber recht modern ausgestatteten Gutsherrenhaus gibt es 18 Einzel- und Doppelzimmer, einen Aufenthaltsraum, eine überdachte Veranda und rund herum einen 10 000 Quadratmeter großen Park. Kräuter fürs Essen wuchsen im eigenen Garten. Die Heimaufsicht des Landratsamts lobte die Einrichtung in ihrem jüngsten Prüfbericht vom März für die „angenehme und ruhige Atmosphäre“. Das Personal sei „höflich und respektvoll“, die Zimmeratmosphäre „angenehm und warm“. Es wird der letzte Prüfbericht gewesen sein.

Die gute Nachricht: Laut Plonner haben alle Heimbewohner eine neue Bleibe gefunden, auch die rund 30 Mitarbeiter haben neue Arbeitsverträge unterschrieben. Es wird also niemand arbeitslos. Der ehrenamtliche Trägerverein, in dem sich zuletzt acht Personen engagiert haben, löst sich demnächst auf. Der Eigentümer des Gutsherrenhauses – der Verein war nur Mieter – sondiert gerade Möglichkeiten zur Nachnutzung. Es gibt Pläne, sechs Einheiten für betreutes Wohnen unterzubringen. Der Eglinger Gemeinderat befasst sich damit, einen Bauantrag gibt es aber noch nicht.

„Es ist sehr schade, dass das Pflegeheim schließt“, sagt Eglings Bürgermeister Hubert Oberhauser. „Wir schauen jetzt, wie es weitergeht.“

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