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Klein, aber oho: Gidon Vogt mit seiner Tochter vor einem seiner Tiny Houses. 

Neuer Trend zu Tiny Houses

Mit kleinen Häusern in die Zukunft 

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Kulissenbauer Gidon baut leidenschaftlich Tiny Houses, sprich: mobile, kleine Häuser aus Holz. Seine Modelle sind aus verschiedenen Gründen besonders. 

Egling – Gidon Vogt (40) verzeichnet auf seiner Homepage derzeit so viele Zugriffe wie nie zuvor. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der derzeitigen Krise beschäftigen sich die Leute mit alternativen Wohnformen, speziell Tiny Houses. „Ich habe viele Anfragen“, erzählt er. Die fahrbaren Häuser aus Holz, die Vogt entwickelt und baut, werden offenbar für immer mehr Menschen quer durch alle Gesellschaftsschichten eine ernsthafte Option. Früher galten sie als Sache von Hippies und Aussteigern. Diese Zeiten sind vorbei.

Eine Erfindung aus Amerika - ursprünglich 

Tiny Houses, winzige Häuser: Das ist ein Trend aus Amerika, der selbst in einer Krisenzeit entstanden ist. Als 2008 das Bankensystem kollabierte und viele US-Bürger ihre Häuser verloren, entdeckten sie die minimalistische und mobile Art des Wohnens. Den Umständen entsprechend, waren die Tiny Houses der ersten Generation notdürftige Behausungen für Menschen, die um ihre Existenz zu retten suchten. „Die waren teilweise schon ein bisschen windig“, erzählt Vogt. Bei ihm schaut das schon ganz anders aus, seine Fabrikate sind ebenso schön wie solide. So erklärt sich auch sein Slogan: „Wir haben Tiny Houses zwar nicht erfunden, aber zu Ende gedacht.“

Vogt baute für Heidi Klum die Kulissen

Der gebürtige Rheinland-Pfälzer, der kurz vor der Jahrtausendwende nach Bayern kam, hat in seinem Leben schon viel gebaut: Als gelernter Flugzeugmechaniker werkelte er an Tornados, als Kulissenbauer für Film und Fernsehen schuf er Set um Set, unter anderem für Edgar Reitz’ „Die andere Heimat“ oder Heidi Klums „Germanys Next Top Model“. Irgendwann bekam er die Sinnkrise. „Alles was ich gebaut habe, ist oft am nächsten Tag nach Drehschluss schon wieder Müll“, erzählt er. Er wollte etwas Dauerhaftes bauen. Etwas, in dem sich Menschen wohlfühlen. Etwas, das sie sich auch leisten können. Und so kam er auf den ungewöhnlichen Job eines Tiny House-Bauers.

Das Besondere an seinen Produkten: Sie stehen auf einer verzinkten Wechselbrücke. Das heißt: Im Unterschied zu anderen beweglichen Holzhäusern sind sie mit keinem fahrbaren Untersatz verbunden. „Ein Anhänger macht im Lauf der Jahre nur Probleme, die Bremsen rosten, die Mechanik leidet, der TÜV läuft ab“, so Vogt. Bewegt werden sie von einem Spediteur, was kein großer Akt ist.

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Weitere Besonderheit: Vogt bietet seine Häuser im Bausatz-Prinzip an. Der Kunde kann sich aussuchen, ob er sich das Haus fertig hinstellen lässt oder es nach Lust und Laune selbst montiert. „Das läuft ein bisschen wie bei Ikea“, sagt er. Besonders stolz ist er auf die verschiedenen Dachformen. „Für ein Haus, das länger an einem Ort steht, ist es sogar möglich, ein höheres Dach mit einem zweiten Stock aufzusetzen.“

Ebenso stolz ist Vogt, gemeinsam mit einer Architektin die juristischen Probleme gelöst zu haben. „Ich dachte lange, dass man das Baugesetz ändern muss, um dauerhaft legal in Tiny Houses wohnen zu können“, erzählt er. Doch das ist nicht unbedingt der Fall, seine fahrbaren Häuser genügen den gesetzlichen Ansprüchen wie der Energieeinsparverordnung (EnEV). „Mit Architektenpaket: Wir erledigen den Bauantrag“, heißt es auf der Homepage.

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Den Reiz und den Charme des mobilen Wohnens kennt Vogt aus eigener Erfahrung. Vor etwa zwei Jahren baute er sich ein kleines Häuschen auf Rollen, mit dem er bis heute an den Wochenenden mit seiner Lebensgefährtin umherzieht. „Ich genieße das sehr“, erzählt er. Der Trend zum Tiny House: Er wird sich wohl nicht aufhalten lassen.

Infos im Internet:

www.die-tiny-house-profis.de

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