+
Bis an den Rand der Erschöpfung haben 130 Helfer am Mittwoch in den Isarauen einen Brand bekämpft. Die Ursache ist noch unklar, die Kripo hat die Ermittlungen übernommen.

Nach dem Waldbrand in den Isarauen

„Eine Störung, aber nichts Dramatisches“

  • schließen

6,5 Hektar zerstörte Vegetation, ein Sachschaden in Höhe von mehreren 10.000 Euro: Der Brand am Mittwoch in den Isarauen war schlimm, aber die Natur wird sich bald wieder erholen. 

Egling – Wenn es gelingt, einen Brand frühzeitig einzudämmen, hat meist jemand eine Beobachtung aus der Luft gemacht. So heben in sommerlichen Trockenperioden vom Königsdorfer Segelflugzentrum Flieger ab, um Glutnester zu erspähen. Am Mittwoch war es ein in Geretsried arbeitender Kranführer, der kurz nach Mittag mit Argusaugen Rauchwolken über dem Naturschutzgebiet in den Isarauen entdeckte und geistesgegenwärtig die Polizei verständigte. Niemand weiß, was passiert wäre, wenn sich der Mann nicht gemeldet hätte. Waldbrände haben eine berüchtigte Dynamik, zumal bei Wind, wie am Mittwoch.

Polizei tappt noch im Dunkeln

Doch auch so liest sich die Bilanz des Einsatztages, die das Polizeipräsidium Oberbayern am Donnerstag vorgelegt hat, schlimm. 130 Helfer, die bis an den Rand der Erschöpfung hinaus gegen die Flammen gekämpft haben, 6,5 Hektar zerstörte Vegetation, Sachschaden in Höhe von mehreren 10.000 Euro. Verletzte gab es keine. Was die Ursache angeht, tappt die Polizei noch im Dunkeln. Die Kripo, die den Fall übernommen hat, bittet Zeugen, sich unter der Rufnummer 08 81/64 00 oder bei der Polizei Wolfratshausen unter Ruf 0 81 71/4 21 10 zu melden.

Jungkiefern dürften Brand großteils überstanden haben

Der für Egling zuständige Revierförster Robert Nörr kennt das Gebiet in- und auswendig. Er weiß, wie anfällig der dortige Boden für Brände ist. Das hängt mit der Geologie der Isarauen zusammen. Der Fluss ist umgeben von Schotter, auf dem nur eine dünne Schicht Humus liegt, die bei Wind und unter Sonneneinstrahlung sehr schnell austrocknet. Folglich kann sich dort auch nur Vegetation halten, die mit trockenen Böden bestens zurecht kommt. „Es hat vor allem Kiefern, Wacholder und Büsche erwischt“, sagt er. Wobei die Flammen nicht sehr hochgeschlagen haben, es hat sich um einen typischen Bodenbrand gehandelt. Die Jungkiefern dürften dank ihrer dicken Rinde den Brand großteils überstanden haben.

Nörr weist daraufhin, dass jetzt die eigentlich gefährliche Zeit beginnt. „Bei Waldbrand denken die Leute immer an Sommer“, sagt er. Dabei ist die Bedrohung im März und April viel akuter. „Der Schnee ist weg, aber die Begrünung ist noch nicht sehr weit fortgeschritten.“ Wenn dann eine Trockenphase kommt, genügt eine Zigarettenkippe oder ein unvorsichtigerweise entzündetes Lagerfeuer – und es geht los.

Erster Großeinsatz für Eglinger Bürgermeister

Eglings Bürgermeister Hubert Oberhauser war nah dran am Geschehen. Es war sein erster Großeinsatz, seit er im Amt ist – und er war schwer beeindruckt davon, wie professionell und schnell dort innerhalb von Stunden der Brand eingedämmt wurde. „Da müssen unter Hochdruck viele Entscheidungen getroffen werden, und hier waren alle Entscheidungen richtig“, sagt er. Er ist froh, dass die Gemeinde in den vergangenen Jahren die Feuerwehren gut ausgestattet hat. „Gestern war so ein Tag, wo sich das ausgezahlt hat“, erzählt. Kosten werden auf die Gemeinde Egling für den Einsatz nicht zukommen. Wie sich im Laufe des Einsatzes herausgestellt hat, handelt es sich komplett um Staatswald in der Zuständigkeit des Forstbetriebs München.

Dessen Chef, Wilhelm Seerieder, ist erleichtert, dass der Brand innerhalb weniger Stunden eingedämmt werden konnte – so ist der Schaden vergleichsweise gering geblieben. Wobei über den finanziellen Verlust schwer Aussagen zu machen sind, schließlich handelt es sich nicht um eine wirtschaftliche Fläche, sondern um Naturschutzgebiet. Seerieder tröstet sich damit, dass die verbrannte Fläche von 6,5 Hektar von vielen hundert Hektar gesundem Wald umgeben ist. Die Vegetation, sagt er, wird sich bald erholen. Sein Fazit: „Es ist eine Störung, aber nichts Dramatisches.“

Was verboten ist

In dem 1663 Hektar großen Naturschutzgebiet Isarauen zwischen Schäftlarn und Bad Tölz verboten ist alles verboten, was die einzigartige Wildfluss-Landschaft beeinträchtigen könnte. Dazu zählt: 

- Feuer entzünden - Grillen - Zelten und Übernachten - Biotope stören - Pflanzen entnehmen - Sachen lagern - Hunde frei laufen lassen - Lärm machen - Das Gelände verunreinigen - Tiere jagen oder töten.

Unabhängig vom Naturschutzgebiet ist es laut Bayerischem Waldgesetz verboten, im Wald und und 100 Meter um jedem Wald Feuer zu machen. Außerdem ist es strikt untersagt, in der Zeit von 1. März bis 31. Oktober zu rauchen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

A95: Sieben Unfälle in acht Stunden
Sieben Verkehrsunfälle haben sich am Samstag zwischen 12 und 20 Uhr auf der Autobahn A95 ereignet. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Der Sachschaden beläuft sich …
A95: Sieben Unfälle in acht Stunden
Eigene Spur für Linksabbieger
Auf eine eigene Linksabbiegerspur an der Friedhofskreuzung wurde vor drei Jahren noch verzichtet. Jetzt kommt sie doch – samt neuer Ampel. Am Montag beginnen die …
Eigene Spur für Linksabbieger
76.392 Autos und 580 Kilo Müll: So umweltbewusst ist unser Landkreis
In Cafés stehen immer öfter Schilder, auf denen um mitgebrachte Thermobecher gebeten wird. Geschäfte versuchen, Einkaufstüten zu vermeiden. Ein Blick auf die Statistik …
76.392 Autos und 580 Kilo Müll: So umweltbewusst ist unser Landkreis
Gedenkstein zu Ehren von Pfarrer Franz Seraph Bierprigl
„Er war ein Unikum“, sagt Josef Neumeier über Pfarrer Franz Seraph Bierprigl. Neumeier war Ministrant bei dem überaus beliebten Seelsorger und ist heute Mitglied des …
Gedenkstein zu Ehren von Pfarrer Franz Seraph Bierprigl

Kommentare