Kraftakt: Als Gewichtheber war Florian Sperl zwar nie in Olympia. Als Funktionär aber schon.
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Kraftakt: Als Gewichtheber war Florian Sperl zwar nie in Olympia. Als Funktionär aber schon.

Ein Eglinger bei Olympia

So kämpft Florian Sperl in Tokio für das Gewichtheben

  • Volker Ufertinger
    VonVolker Ufertinger
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Das Gewichtheben war lange von Doping und Korruption bestimmt. Der Eglinger Florian Sperl kämpft in Tokio vor Ort dafür, dass die Sportart endlich sauber wird.

Egling/Tokio – Das Gewichtheben ist nicht nur eine der ältesten, sondern auch eine der spektakulärsten Sportarten. Wenn starke Männer und Frauen unfassbare Gewichte in die Höhe stemmen respektive reißen, ist das immer ein Höhepunkt bei Olympia. Dieses Mal findet der Wettbewerb vom 24. Juli bis 4. August im „Tokyo International Forum“ statt. Wird es das letzte Mal sein, dass Gewichtheben olympisch ist? Die Gefahr besteht. Und genau dieses Szenario will Florian Sperl aus Neufahrn verhindern.

Der Bautechniker, zugleich CSU-Vorsitzender in Egling, ist seit einiger Zeit Chef der Deutschen Gewichtheber. In dieser Eigenschaft kämpft der 33-Jährige dafür, dass sich die Disziplin, in der sich jahrzehntelang Doping und Korruption breit gemacht haben, glaubhaft erneuert. „Das IOC beobachtet uns genau“, erklärt er. „Wenn sich nicht bald Dinge ändern, verlieren wir den Status als Olympische Disziplin.“ IOC-Präsident Thomas Bach hat angekündigt, dass er sich auf der ersten Pressekonferenz nach Olympia Mitte September zur Situation des Gewichthebens äußern wird. Die Lage ist ernst.

Daher nimmt der Vater zweier Kinder die Strapaze auf sich und begibt sich nach Tokio. An diesem Freitag, 23. Juli, fliegt er nach Japan (elf Stunden ab Frankfurt), am 1. August geht es zurück in die Heimat. Es werden Spiele sein, wie es sie noch nie gegeben hat, pandemiebedingt ohne Zuschauer und unter strengsten Sicherheitsauflagen. So muss der Eglinger 96 und 72 Stunden vor Abflug am Münchner Flughafen einen PCR-Test machen. Und in Tokio selbst darf er lediglich zwischen der Wettkampfstätte und dem Hotel des Deutschen Olympischen Sportbunds pendeln. Dennoch findet er es vertretbar, dass die Spiele stattfinden. „Ich finde es zwingend, dass den Athleten, die jahrelang auf dieses Ziel hingearbeitet haben, die Chance gegeben wird“, sagt er. Und: „Das deutsche Team ist komplett geimpft.“

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In jedem Fall sind es erschwerte Bedingungen, unter denen Sperl das Gespräch mit Kollegen aus der ganzen Welt suchen wird. In erster Linie geht es darum, eine Mehrheit für die neue Satzung des Internationalen Gewichtheberverbands zu organisieren, der Ende August in Doha (Katar) verabschiedet werden soll. Darin sind scheinbare Selbstverständlichkeiten festgehalten, darunter die Forderung, dass kein Bewerber mit Doping- oder gar krimineller Vergangenheit ins Führungsgremien einziehen darf. Oder dass eine unabhängige Instanz – konkret die International Testing Agency (ITA) – die Überwachung von Doping und dessen Sanktionierung übernimmt. Es sagt viel aus, dass darüber überhaupt diskutiert werden muss. Ende des Jahres wird dann eine neue Führungsriege des Internationalen Verbandes gewählt, Sperl kandidiert als Vizepräsident.

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In diese missliche Lage hat das Gewichtheben vor allem Tamás Aján geführt. Der Rumäne hatte den Weltverband 20 Jahre lang geleitet. In dieser dunklen Zeit waren Korruption, Doping sowie schwarze Konten trotz anderslautender Beteuerungen gang und gäbe. Anfang des Jahres stolperte Aján über die ARD-Dokumentation „Der Herr der Heber“, doch seine Gefolgsleute besetzen immer noch Schlüsselpositionen. „Wir werden die alte Garde bearbeiten müssen“, sagt Sperl. Das IOC wartet derweil ab, ob es gelingt, die neue Verfassung durchzusetzen. Mit Präsident Thomas Bach ist Sperl in Tokio bereits verabredet.

Mit ein bisschen Glück wird der Eglinger auch andere Sportarten live erleben können. Am liebsten wäre ihm Tischtennis. Vor allem, weil Thomas Weikert, Präsident des Weltverbands, ihn bei seinen Reformbemühungen unterstützt. Es wäre eine schöne Abwechslung von dem Kraftakt, dem Gewichtheben eine Zukunft zu geben.

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