Tag des offenen Denkmals, Guido W. Weber mit Besuchern vor dem Thanninger Schulhaus
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So war das damals: Im Schulhaus lernten Generationen von Thanningern das Schreiben und das Lesen. Durch den Neubau der Schule in Egling verlor es seine Funktion und diente fortan häufig als Filmkulisse.

Peter und Paul, Hecklhaus, Ungelder und anderes

Rundgang zu den wichtigsten Thanninger Denkmälern

  • Volker Ufertinger
    VonVolker Ufertinger
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Beim Tag des offenen Denkmals führte Guido W. Weber Besucher zu geschichtsträchtigen Thanninger Häusern. Sie zeugen von einer reichen Geschichte des Eglinger Ortsteils.

Egling – Die Geschichte Thannings und seiner Baudenkmäler hat großes Interesse geweckt: Zu den historischen Rundgängen mit Dr. Guido W. Weber anlässlich des Tags des offenen Denkmals kamen insgesamt 150 Bürger. Weber freut sich über den Zuspruch: „Denkmäler sind Heimat und Identität. Es geht darum, ihre Schönheit und ihren Wert zu erkennen.“ Zu diesem Zweck erläuterte er den Besuchern viele der zwölf Baudenkmäler auf Thanninger Grund, von denen immerhin acht Holzhäuser sind.

Ortsprägend für Thanning ist die Kirche St. Peter und Paul, 799 erstmals urkundlich erwähnt. Ihr heutiges, markantes Aussehen mit Tuffsteinquadern erhielt sie in der Zeit der Romanik. Am 12. August 1754 vernichtete ein Feuer das Kirchenschiff, der Wiederaufbau gestaltete sich langwierig. Kuriosität am Rande: Im Turm oberhalb der Sakristei hausten über einen längeren Zeitraum Einsiedler. Was viele nicht wissen: An der Ostseite des Turms finden sich große Bilder aus dem Jahr 1896, „Abendmahl“ und „Jesus am Ölberg“. Heute sind sie komplett von Efeu überwuchert.

Gräfin Justitia, eine Frau mit großem Einfluss

Bei dieser Gelegenheit wies Weber auf die Ortsheilige Gräfin Justitia hin, von der es heißt, dass sie in der Kirche begraben ist – was allerdings nicht belegt ist. Justitia wird urkundlich im Jahr 1070 erwähnt und trat als Wohltäterin auf, etwa durch Armenspeisungen. Zusammen mit ihrem Mann Otto II., Graf von Dießen, bildete sie ein mächtiges Grafenpaar, das unter anderem den Handel zwischen Deutschland und Italien kontrollierte. „Das war kein Dorfadel“, versicherte Weber seinen Zuhörern. Ihr Sohn Heinrich ließ in seiner Eigenschaft als Fürstbischof von Regensburg die berühmte steinerne Brücke bauen.

Tragisch liest sich die Geschichte eines anderen Thanningers: Johann Georg Kidler, Rädelsführer des bayerischen Volksaufstands von 1705 gegen die österreichischen Besatzer. Er war Sohn des Thanninger Dorfhirten, einst ein so wichtiger Beruf, dass ihm die Gemeinde ein eigenes Haus zur Verfügung stellte, das „Gemeinhütthaus“. Heute trägt es die Bezeichnung „Hecklhaus“, nach einem späteren Bewohner, dem Schuhmacher Blasius Heckl. Vor diesem Haus an der Amtmannstraße – derzeit eine Baustelle – erzählte Weber die Geschichte des Revoluzzers, der von Thanning aus nach München ging, um sich im Tal als Wirt niederzulassen.

Johann Georg Kidler, ein Revoluzzer von 1705

Kidler - eine andere Schreibweise: Khidler - stieg zu einem angesehenen Mitglied der Münchner Gesellschaft auf und spielte eine Schlüsselrolle beim Aufstand von 1705. Dabei begehrte die von den Besatzern brutal geknechtete Landbevölkerung auf. Doch der Plan, dass sympathisierende Städter wie Kidler die Aufständischen Weihnachten 1705 heimlich in die Stadt lassen sollten, wurde verraten. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen („Sendlinger Mordweihnacht“), der flüchtige Kidler wurde in einem Franziskanerkloster ergriffen und bald darauf hingerichtet. In dem Haus, in dem der Revoluzzer aufwuchs, gründeten sich 1919 die „lustigen Wendlstoana“. Die Gemeinde verkaufte das Haus im Jahr 2017.

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Eine wichtige Station war auch das Schulhaus. Was viele nicht wissen: Die Schulpflicht in Bayern kam relativ spät, 1803. Zuvor waren es die Eremiten von St. Peter und Paul, die den Thanninger Kindern das Notwendigste beibrachten. Erster Lehrer im heutigen Sinne scheint Xaver Wiedmann aus Aubing gewesen zu sein, der die Mesnertochter von Thanning heiratete. Folglich fand der Unterricht zunächst im Haus des Mesners statt. 1825 wurde die erste Thanninger Schule eingeweiht, die aber bald zu eng wurde. Das heutige Schulhaus stammt aus dem Jahr 1912. Da die Thanninger Kinder heute auf die Eglinger Schule gehen, verlor es seine Funktion. Seither diente es häufig als Filmkulisse.

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Eine weitere Station bildete das Denkmal mit dem sonderbaren Namen „Ungelder“ an der Hauptstraße. Dabei handelte es sich um eine Art Finanzamt. Der Begriff verweist auf eine Steuer, die in alten Zeiten auf die Dinge des täglichen Bedarfs erhoben wurde – besonders auf Bier. Diese Abgabe war für die Staatsfinanzen extrem wichtig: 1913 machte die Biersteuer 35 Prozent der gesamten bayerischen Steuern aus. Bei den Bürgern war sie aber so unbeliebt, dass nur von „Ungeld“ die Rede war. Der Mann, der die Steuer eintrieb, hieß folglich der „Ungelder“. Wie Weber erzählte, setzten die Thanninger sogar noch eins drauf. Hier wurde zur Finanzierung der 1903 erworbenen Turmuhr der „Bierpfennig“ eingeführt. Pro Mass Bier war ein Aufschlag von einem Pfennig fällig.

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