Eingang Amtsgericht Wolfratshausen
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Wegen Gefährdung des Straßenverkehrs musste sich ein Münchner vor dem Amtsgericht verantworten.

Junger Mann hatte sich völlig falsch eingeschätzt

Verkehrsunfall unter Restalkohol landet vor dem Amtsgericht

  • vonRudi Stallein
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Ein junger Münchner hatte den 340 Ps starken BMW seines Vaters gegen einen Baum gefahren. Dies hatte ein Nachspiel vor dem Amtsgericht.

Egling – Der Angeklagte hatte einen realistischen Blick auf die Dinge. „Ich weiß, es ist ein Wunder, dass ich noch hier sitze“, erklärte der 19-Jährige, der sich wegen Gefährdung des Straßenverkehrs vor dem Jugendgericht am Amtsgericht Wolfratshausen verantworten musste.

Am 24. Mai vorigen Jahres gegen 8.30 Uhr war der junge Mann mit einem Freund im Auto auf der Staatsstraße 2071 von Deining in Richtung Schäftlarn unterwegs. Offenbar, so hatte er es später gegenüber der Polizei eingeräumt, „ein bisschen gepusht“ von den Möglichkeiten, die ihm der 340 PS-starke BMW seines Vaters bot, hatte der Schüler ordentlich aufs Gaspedal getreten und war deshalb viel zu schnell in eine Kurve gerast, in der nur Tempo 30 erlaubt war. Der Wagen rauschte nach links von der Straße, touchierte einen Baumstamm, wobei das linke Vorderrad abriss, überschlug sich und blieb schließlich im Wald auf dem Dach liegen. Beide Insassen konnten selbst aus dem demolierten Auto krabbeln. „Die haben Riesenglück gehabt“, stellte ein Polizist als Zeuge fest.

Restalkohol und jugendlicher Übermut

Ein Atemalkoholtest ergab, dass der BMW-Fahrer zudem mit 0,54 Promille unterwegs war – Restalkohol von einer Party in der Nacht zuvor. „Ich hatte vorgehabt, nicht viel zu trinken“, erklärte der Schüler vor Gericht. Dann sei es „doch etwas mehr geworden“. Nachdem er in der Früh mit dem Bus nach Hause gefahren sei, habe er sich jedoch nüchtern gefühlt.

Das war ein fataler Trugschluss, und nicht der einzige: Auch sein fahrerisches Können schätzte der Münchner offensichtlich völlig falsch ein. „Das Auto hatte Power, wir hatten Spaß“, berichtete der Beifahrer (18), der einräumte, sein Freund habe sich überschätzt. „Er hat gemerkt, dass die Kurve kam und gebremst, aber zu spät.“ Nach Aussage des Beifahrers habe der Tacho kurz zuvor noch 120 Stundenkilometer angezeigt.

Nur wegen Corona bleiben ihm Sozialstunden erspart

„Das war krasse Selbstüberschätzung. Sie waren viel, viel, viel zu schnell“, hielt Jugendrichterin Friederike Kirschstein-Freund dem Angeklagten in ihrer Urteilsbegründung noch einmal vor Augen, dass wohl eine ganze Schar von Schutzengeln bei dem Crash mit im Auto gesessen hatte. Die Richterin ordnete drei verkehrspsychologische Beratungsgespräche an. Der Führerschein, den die Polizei noch an der Unfallstelle einkassiert hatte, bleibt für weitere drei Monate in Gewahrsam.

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Von der Auferlegung von 80 Sozialstunden, wie sie vom Staatsanwalt gefordert worden waren, sah die Richterin ab, „weil die in der Pandemie nur sehr schwer umzusetzen sind“.

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