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Biber am Werk: Die beiden durchgenagten Bäume bei Öhnböck sind eindeutig das Werk des Nagers. 

Fünf ehrenamtliche Berater im Landkreis

Wie Mensch und Biber miteinander auskommen können

Der Biber ist seit einigen Jahren wieder fester Bestandteil der hiesigen Tierwelt. Nicht jeder freut sich darüber. Umso wichtiger sind die fünf Biberberater im Landkreis. 

Egling– „Das ist der Rest einer Biberbrotzeit“, sagt Bernhard März und hält einen Ast in die Höhe. Die Rinde ist vollständig angeknabbert, die Spuren der kräftigen Zähne des Nagers sichtbar. Der Biberberater ist mit seinem Kollegen Nikolaus Schöfmann an einem kleinen Bachlauf in Öhnböck unterwegs. Dort haben sich die beiden mit Paul Heinritzi getroffen, der in der Nähe wohnt und den Bach regelmäßig pflegt.

Der Biber wurde im 19. Jahrhundert in fast ganz Europa ausgerottet. „Die Menschen waren auf den dichten Pelz aus“, erklärt März. Das Fleisch des Bibers aßen die Geistlichen während der Fastenzeit – wegen seines Schuppenschwanzes erklärten sie das Tier zum Fisch. 1966 brachte der Bund Naturschutz die ersten Biber zurück nach Bayern. Heute leben etwa 18 000 Exemplare im Freistaat.

An den Ufern des Bachs deuten die Biberexperten auf die Spuren, die die nachtaktiven Vegetarier hinterlassen haben. Ihre Burg konnten die Experten bisher nicht ausfindig machen. Die Löcher in der Wiese unweit des Bachbetts sind sogenannte Biberröhren, die eingebrochen sind. „Der Eingang befindet sich unter Wasser, der Biber kann in diese kleine Höhle fliehen, wenn er sich bedroht fühlt“, erläutert März. Problematisch wird es, wenn Menschen oder Weidetiere auf die dünne Decke treten und einbrechen. Unverwechselbar sind die angenagten Bäume. Zwei Bäume haben die bis zu 1,3 Meter langen Tiere an der Böschung bearbeitet. „Denen wird der Sturm den Rest geben“, vermuten die Biberberater. Ein kleines Stück Strom abwärts zeigt sich das wohl bekannteste Werk des Nagers: Ein Damm staut das Wasser auf. „Ich baue ihn regelmäßig ab, damit der Bach nicht irgendwann über die Ufer tritt“, berichtet Heinritzi. Daher rühren die beiden Asthaufen zu beiden Seiten des Ufers.

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Viele Landwirte und Grundstücksbesitzer sind nicht gut auf den Biber zu sprechen. Der Verbiss schadet wertvollen Nutzhölzern und gefährdet Straßen, Stromleitungen und Gebäude. Wenn die Nutzflächen durch aufgestautes Wasser vernässen, werden sie für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung unbrauchbar. „In solchen Fällen müssen sich die Betroffenen an die Untere Naturschutzbehörde wenden“, sagt März, der im Landkreis auch als Isar-Ranger im Einsatz ist. Diese vermittelt den Kontakt zum Biberberater, der für einen Interessensausgleich zwischen Mensch und Biber sorgen soll. „In unserem Landkreis gibt es fünf ehrenamtliche Berater, davon sind zwei speziell für Probleme an Kläranlagen zuständig“, so der Ascholdinger. Er und Schöfmann fahren im Schnitt einmal pro Woche zu einem Einsatz, oft zusammen. „So können wir besser beschwichtigen und auch Arbeiten am Bach sicherer durchführen“, schildert Schöfmann.

Rauf mit dem Ast: Nikolaus Schöfmann (li.) und Bernhard März (re.) unterstützen Anwohner Paul Heinritzi.

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Für die Biodiversität ist der Biber ein Segen. „Er ist eine Schlüsselart, durch sein Vorkommen erschafft er Lebensraum für andere Arten“, erklärt März. Die Biberteiche kommen vor allem Fischen, Insekten und Fröschen zugute. „Bei uns ist alles so streng festgelegt, Parkplätze grenzen an Äcker, der Übergang von Wald zu Wiese ist abgemessen und abrupt“, klagt der Naturschützer. „Aber dann kommt dieses Nagetier und zeigt uns, wie Vielfalt aussieht.“ Ein Lösungsansatz ist seiner Meinung nach ein Uferschutzstreifen, in dem sich der Biber ausleben kann. So bleibe dem Nager genug Platz zur natürlichen Entwicklung, und er dringt nicht in bis in die Nutzflächen vor. Auch andere Gründe sprechen laut Isar-Ranger März dafür: „Düngemittel werden vom Wasser ferngehalten, Hochwasser kann versickern und zerstört keine Feldfrüchte oder Weideflächen.“ Die Schutzstreifen werden vom Staat subventioniert.

Die beiden Biberberater und Anwohner Paul Heinritzi sind überzeugt davon, dass sich Biber und Mensch miteinander arrangieren können. In ihren Augen gibt es für jedes Problem auch eine Lösung. Leonora Mitreuter

Am Staffelsee könnten wir den Biber bald auf den Speisenkarten sehen.

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