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Amüsiert lauscht der Eglinger CSU-Ortsvorsitzende Florian Sperl (li.) dem Rebell Peter Gauweiler.  

Neujahrsempfang mit Peter Gauweiler

Eglinger CSU: Ein Querdenker zum Auftakt

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Zu ihrem ersten Neujahrsempfang hatte die Eglinger CSU einen Spezialisten für Klartext eingeladen. Der als unbequem geltende Peter Gauweiler wurde seinem Ruf absolut gerecht.

Egling – Eigentlich ist es von Berg, dem Wohnort von Peter Gauweiler (68), nicht weit bis nach Egling. Dennoch war der Mann, der in seinem Leben schon so viele Ämter bekleidet hat und der mit seiner Meinung schon so viele zur Weißglut gebracht hat, spät dran. CSU-Ortschef Florian Sperl musste ihn telefonisch nach Egling lotsen. Das Navi hatte versagt.

Doch das Warten lohnte sich. Nicht nur wegen Gauweiler, auf dessen Rede man im Saal gespannt wartete. Auch wegen der launigen Ansprache des CSU-Landtagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden Martin Bachhuber. Mit Blick auf die etwa 50 Zuhörer stellte er fest, dass der Zuspruch ordentlich war. „Ich sehe: Die geballte Kraft der Kommunalpolitik ist vertreten.“ Tatsächlich waren viele Ortsvorsitzende der Nachbargemeinden und viele Kreisräte der CSU gekommen.

Gauweiler warnte davor, sich auszuruhen 

Dann wandte sich Bachhuber aus aktuellem Anlass an den Eglinger Bürgermeister Hubert Oberhauser, seines Zeichens ein Freier Wähler. „Ein Kollege von Ihnen hatte ja die Weitsicht, sich uns anzuschließen. Wollen Sie es sich überlegen? Ist nur ein Angebot.“ Eine Anspielung auf den Königsdorfer Bürgermeister Anton Demmel, lange Zeit ebenfalls Freier Wähler, der vor Kurzem zur CSU gewechselt ist. Gelächter im Saal.

Klar, dass Gauweiler die Verdienste der CSU herausstrich. Der allgemeine Wohlstand, die funktionierende Infrastruktur, ein notwendiges Mammutprojekt wie den Sylvensteinspeicher: All das habe die CSU nach dem Krieg in Rekordzeit möglich gemacht. Doch warnte er davor, sich auszuruhen. „Mein Vater, ein Eisenbahnbeamter, hat immer gesagt: ,Wir in Bayern haben die Landschaft, die an der Ruhr haben das Geld.’“ Das würde vom heutigen Nordrhein-Westfalen niemand mehr behaupten. Dort hat man viel verspielt. Das könnte Bayern auch passieren.

Wenig übrig für Berlin? 

Für den Berliner Politikbetrieb hat Gauweiler offenbar wenig übrig. „Dort gibt es die Unart, sich in Dinge einzumischen, die uns nichts angehen“, sagte er. „Über den Völkermord an den Armeniern oder die Annexion der Krim gibt es tränennasse Ansprachen.“ Das sollte nach seiner Meinung aufhören. „Wer die ganze Welt umarmen will und die eigenen Leute vergisst, handelt inhuman.“

Auch die aktuelle CSU verschonte Querdenker Gauweiler nicht. Er trauerte den „wilden, fürchterlichen Debatten“ am Kabinettstisch von Franz-Josef Strauß nach. Lebhaft erinnerte er sich, wie eine Frau, Mathilde Berghofer-Weichner, dem Chef gnadenlos Kontra gab, während sie gelbe Rüben schälte. „Wir sind eine lebendige Partei gewesen, und wir müssen es wieder werden.“ Ebenso nötig sei das bestmögliche Ergebnis bei der Landtagswahl, sprich: die absolute Mehrheit. „Opposition braucht es in Bayern nicht. Das machen wir selbst.“ Tosender Applaus. Florian Sperl stellte fest: „Wie man am Applaus erkennen kann, haben Sie Herz und Nerven getroffen.“ Dann erhob sich alles zum Singen der Bayern-Hymne.

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