“Eine gruselige Vorstellung“ 

Eglinger Familie im Urlaub: Münchner macht es sich in ihrem Haus bequem

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Das, was sich im vergangen Jahr in Egling abgespielt hat, war sogar für den Jugendrichter „eine gruselige Vorstellung“. Die Familie war im Urlaub, währenddessen nutzte ein Münchner ihr Haus - und demolierte ihren Jaguar.

Egling/Wolfratshausen Eine Mutter weilt mit ihrem Sohn im Urlaub. Währenddessen dringt ein junger Mann in ihre Wohnung ein, übernachtet dort mit Freunden. Mit denen fährt er tagsüber spazieren – im Jaguar der Urlauberin, den er beim Rangieren vor der Garage auch noch demoliert. „Das ist eine gruselige Vorstellung“, so kommentierte der Staatsanwalt die Aktion, für die sich ein 19-jähriger Münchner vor dem Jugendgericht verantworten musste.

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Dem Hilfskellner wurden Unterschlagung, Hausfriedensbruch und unbefugter Gebrauch eines Kraftfahrzeugs jeweils in mehreren Fällen sowie unerlaubtes Entfernen vom Unfallort zur Last gelegt. Die leicht skurril anmutende Geschichte ereignete sich im Sommer vorigen Jahres in der Gemeinde Egling. Der Angeklagte, der mit dem Sohn der Geschädigten befreundet war, hatte damals für etwa drei Monate im Haushalt der Familie gelebt, weil er bei seinem Vater nicht bleiben konnte.

„Ich fand es sehr nett, dass sie mich aufgenommen haben.“ Es war sogar geplant, dass er mit in den Urlaub fahre, so der Beschuldigte. Dann sei es zu „Angezicke“ mit seinem Freund gekommen. Woraufhin dessen Mutter ihn einen Tag vor der Abreise vor die Tür setzte. „Ich wusste nicht, was ich machen sollte, deshalb bin ich wieder nach Egling“, begründete der Angeklagte sein Vorgehen. Der Haustürschlüssel hing im Gartenhaus.

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Er nahm wechselnde Bekannte, männlich wie weiblich, mit ins Haus. Zum Shisha rauchen, zum Reden; außerdem habe er „total Angst gehabt, allein zu dem abgelegenen Haus zu gehen“, erklärte der zur Tatzeit 18 Jahre junge Mann.

„Ich weiß nicht, was da in mich gefahren ist“, wiederholte er im Laufe der Verhandlung mehrfach. Drei Tage ging es gut. Dann wunderte sich eine Nachbarin, warum die Garage offen stand, das Auto weg war und im Haus um 22 Uhr der Fernseher lief. Die Frau alarmierte die Polizei, die wenig später im Haus war.

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Die anwesenden Freunde des Angeklagten „wirkten völlig aufgelöst. Sie verstanden nicht, was da gerade passierte“, heißt es im Polizeibericht. Offenbar hatte der Münchner ihnen erzählt, Haus und Jaguar (den er, wie sich in der Verhandlung herausstellte, ohne gültigen Führerschein steuerte) gehörten seinen Eltern. „Ich möchte mich nochmals entschuldigen. Das war sehr unüberlegt von mir“, sagte der Angeklagte, der in jüngster Zeit mehrfach mit Gerichten Stress hatte. „Und ich möchte den entstandenen Schaden wieder gutmachen, sobald ich finanziell dazu in der Lage bin.“

Je 200 Euro als Schadenswiedergutmachung sowie 80 Stunden Sozialdienst, hielt der Staatsanwalt für angemessen, um beim Angeklagten „eine Sensibilisierung für fremdes Eigentum zu erreichen“. Jugendrichter Urs Wäckerlin erachtete 40 Stunden „begleitete Arbeitsleistung“ beim Verein „Brücke München“ für ausreichend. Vom Vorwurf der Unfallflucht sprach er den 19 Jahre alten Münchner frei. rst

Rubriklistenbild: © dpa / Bodo Marks

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