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Ein Bagger schafft derzeit eine Verbindung zwischen dem Amühlbach (li.) und der Isar (re.) Vor vielen Jahrzehnten waren sie verbunden. Doch dann grub sich die Isar immer tiefer ein, und der Übergang verlandete. 

Verbindung zwischen Isar und Aumühlbach

Ein Rückzugsort für Fische entsteht

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Egling - Den Fischen in der Isar geht es nicht so gut, wie man es sich wünschen würde. Laut EU-Richtlinie ist der Zustand der Populationen „mäßig“. Das versucht das Wasserwirtschaftsamt nun zu ändern, indem es den Aumühlbach und die Isar verbindet.

Egling - In der Nähe des Bruckenfischers in Dürnstein wird derzeit ziemlich viel Erde bewegt. Etwa 200 Meter isaraufwärts machen sich ein großer Bagger und ein Radlader an großen und nicht ganz so großen Granitsteinen zu schaffen. Spaziergänger auf dem Isarkanal bekommen davon zwar wenig mit. Nichtsdestoweniger ist die Baustelle von beeindruckender Dimension. „Hier verbinden wir den Aumühlbach mit der Isar“, erklärt der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Roland Kriegsch.

Alles fing an mit dem Sylvensteinspeicher

Dass der gut einen Kilometer lange Bach und die Isar seit vielen Jahrzehnten getrennt sind, hat unter anderem mit der Eröffnung des Sylvensteinspeichers 1959 zu tun. Dort blieb seitdem viel Geschiebe hängen. Das Flussbett der Isar vertiefte sich daraufhin nach und nach, manche Mündung – wie die am Aumühlbach – verlandete. Leidtragende waren die Fische wie Forellen, Barben oder Huchen: Plötzlich war ihnen der Weg zu jenem Revier abgeschnitten, wo sie laichen, sich bei Hochwasser schützen oder wohin sie vor Fressfeinde fliehen konnten. „Die Fauna in der Isar ist verarmt“, stellt der Biologe des Wasserwirtschaftsamts, Robert Kapa, fest.

Eine Note 3 für den Zustand der Populationen

Das hat sich auch in der ökologischen Bewertung niedergeschlagen. Der chemische und physikalische Zustand der Isar ist gut bis sehr gut – was den Schulnoten eins bis zwei entspricht. Der Zustand der Fischpopulationen hingegen verdient inzwischen laut Wasserrahmenrichtlinie der EU nur noch das Prädikat „mäßig“ – also eine Drei. Der Artenreichtum ist in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen, die Bestände sind überaltert. Es galt gegenzusteuern. „Die Maßnahme am Amühlbach ist eine vielen entlang der Isar“, so Kriegsch.

Die Fische steigen auf, von Becken zu Becken

Konkret ist bei den aktuellen Arbeiten ein Höhenunterschied von 1,5 Metern zu überbrücken. Zwischen Isar und Aumühlbach errichten Bagger und Radlader zehn Becken, zwischen denen ein Abstand von je 15 Zentimeter liegt. „Genau diese Höhe können Fische in einer fließenden Welle überwinden“, so Kapa. Wenn Ende März die Arbeiten beendet sind, sollen die Tiere wieder ungehindert in den Aumühlbach gelangen können. „Dort werden sich ihnen Laich- und Jungfischhabitate ebenso bieten wie Rückzugsbereiche im Winter und bei Hochwasser“, erklärt Kriegsch.

Die Wasserbausteine sind viele Tonnen schwer

Für die Baustelle an sich zeichnet die Flussmeisterstelle Lenggries verantwortlich. Als Zufahrt dient eine mit Isarkies aufgeschüttete Durchfahrt quer durch die Isar vom westlichen Ufer her, was natürlich nur bei Niedrigwasser wie jetzt im Winter funktionieren kann. Das Isarwasser fließt derzeit durch eingebaute Rohre unter der Durchfahrt hindurch. Die gewaltigen Wasserbausteine aus Granit, die momentan verbaut werden, stammen aus dem Bayerischen Wald und wiegen mehrere Tonnen. „Sie sollen ja nicht beim ersten Hochwasser mitgerissen werden“, erzählt Helmut Henkel, Dienststellenleiter der Flussmeisterstelle in Lenggries. Und der Naturschutz wird auch bei den Bauarbeiten großgeschrieben. So dürfen die Bagger nicht vom Wald aus arbeiten, sondern müssen sich von einem Becken zum nächsten hocharbeiten. Die Natur hat eben Vorrang.

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