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Alles wieder in Ordnung: Roland Eder hat sämtliche Orgelpfeifen gereinigt, die kleinen wie die großen. Jetzt geben sie im Gotteshaus St. Valentin im Eglinger Ortsteil Endlhausen wieder klare Töne von sich.

Ein intaktes Museumsstück

Dank Erbschaft: Endlhauser Orgel vom Holzwurm befreit

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Egling – Roland Eder hat die Orgel von St. Valentin in Endlhausen vom Holzwurm befreit. Jetzt ist sie wieder komplett spielbar - ohne den Löchern vom Holzwurm. Das ist nicht das einzige Kuriosum in Eglings Orgel-Historie.

Vorsichtig zieht Roland Eder (50) den dünnen Wattebausch aus der metallisch-glänzenden Pfeife. Gerade mal 15 Millimeter ist der kleine Klangkörper hoch, den er in seiner Hand wiegt. Eder bläst hinein und ein hoher Ton schrillt durch die Pfarrkirche St. Valentin in Endlhausen. Die Pfeife ist der kleinste Klangkörper der Kirchenorgel. Gut einen Monat lang hat Eder das Instrument restauriert und dafür jede der knapp 500 Pfeifen aus- und wieder eingebaut. Die längste war 2,5 Meter hoch, ein mächtiger, tief brummender Koloss.

Die Orgel gibt's seit 1892 - und sie ist fast noch komplett Original

Im Jahr 1892 wurde das Instrument vom Münchner Orgelbauer Franz Borgias Maerz in Endlhausen eingebaut. So ist es auf einer Bemalung an der Orgelvorderseite zu lesen. „Und sie ist zu 95 Prozent noch Original. Das ist schon besonders“, sagt Eder. Jetzt war eine Restaurierung aber dringend nötig: Vor gut zehn Jahren hatte der Holzwurm die Barockkirche aus dem Jahr 1756 befallen (wir berichteten). Besonders die Holzpfeifen hatten ihm geschmeckt.

Zunächst wurde die Kirche begast. Danach war der Wurm zwar tot. Aber die Luft beim Orgelspielen entwich nicht mehr nur durch die Pfeifen, sondern auch durch viele kleine Löcher, die der Wurm in das Holz gefressen hatte. Die Pfeifen sahen ein bisschen so aus, als hätte jemand mit dem Schrotgewehr darauf geschossen. Eder verfüllte die Löcher nun mit flüssigem Wachs, damit das Instrument künftig wieder in alter Pracht in den Gottesdiensten erklingt. Außerdem reinigte er die ganze Orgel.

In Egling warteten Siebenschläfer auf den Experten

Der Experte aus Bruckmühl ist im Landkreis kein Unbekannter. Er hat auch schon die Orgel in der Kirche St. Andreas in Wolfratshausen hergerichtet. Und in der Eglinger Kirche St. Sebald. Dort bekam er es nicht mit Holzwürmern zu tun, sondern mit Siebenschläfern. „Die hatten sich durch den Boden durchgefressen und in der Orgel gewohnt“, erinnert sich der 50-Jährige. Die Verantwortlichen setzten die nachtaktiven Nagetiere im Hofoldinger Forst aus. „Möglichst weit weg von der Kirche“, sagt Eder und lacht. Dann ging es an die Behebung der enormen Schäden.

In Endlhausen haben Eder und ein Mitarbeiter rund 300 Arbeitsstunden auf der Empore an der Orgel und in der Werkstatt verbracht. „Wie ein Bergsteiger ist er da rumgekraxelt“, sagt Kirchenpfleger Sebald Feger. Und wie ein Schwimmmeister saß er an einem Nachmittag draußen vor der Kirche. Bei schönem Frühlingswetter badete er die Pfeifen in einer Waschwanne. Das sorgte für verwunderte Blicke und viele Schmunzler.

Die Restaurierung hat das Erbe eines Endlhausers ermöglicht

Billig ist so eine Restaurierung nicht. Andere Pfarreien müssen jahrelang Spenden sammeln, ehe sie sich die Reparatur leisten können. Die Endlhauser hatten mehr Glück: Der verstorbene Gemeindebürger Dr. Gerhard Schneider hinterließ der Pfarrei viel Geld, berichtet Feger. Das Erbe soll für den Erhalt der Pfarrkirche verwendet werden. Ein Glücksfall.

Orgelbauer Eder kommt ins Schwärmen, während er mit Lumpen, feinen Flaschenbürsten und Stimmhörnern hantiert. Die Endlhauser Orgel ist eine Rarität, sagt er. Die so genannte mechanische Kegelladenorgel sei nur rund 30 Jahre lang gebaut worden. Ein großer Balg im Inneren drückt die Luft durch die Orgel. Heutzutage wird mit Stromantrieb gepumpt, aber der Blasebalg an der rechten Orgelseite könnte noch immer mit dem Fuß bedient werden. So wie früher. „Nur noch wenige solcher Orgeln sind erhalten und spielbar“, sagt Eder. „Das hier ist ein intaktes Museumsstück.“

dor

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