Frustsaufen nach der Abfuhr

Eglinger (19) steht wegen Sachbeschädigung vor Gericht

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Die diesjährige Maisfeldparty in Ascholding wird ein 19-jähriger Eglinger so schnell nicht vergessen – auch wenn er an die Nacht selbst kaum noch eine Erinnerung hat.

Ascholding/Wolfratshausen – Er habe „ordentlich was getrunken und dabei den Überblick verloren“, räumte der junge Mann ein, der sich wegen Sachbeschädigung vor Gericht verantworten musste. Irgendwann sei er auf einem Feldweg aufgewacht und habe wohl ein Straßenschild umgerissen, fuhr er fort – sichtlich bemüht, weitere Erinnerungsfetzen aus dem Gedächtnis hervorzukramen.

Vorfahrtsschild von Sockel gerissen

Jugendrichter Urs Wäckerlin füllte die Lücken, indem er aus dem Protokoll einer Polizistin vorlas, die den 19-Jährigen am 6. August dieses Jahres gegen 4 Uhr in der Früh auf der „stark frequentierten“ Staatsstraße aufgegabelt hatte. „Er hatte sich bäuchlings auf die Straße gelegt, den Kopf in die Hände gebettet“, zitierte Wäckerlin aus den Aufzeichnungen. Nachdem die Beamtin den stark alkoholisierten Burschen wieder auf die Beine gestellt hatte, habe dieser gejammert: „Niemand nimmt mich mit, nicht mal ein Taxi – ich will nach Hause.“

Als die Polizei ihm wenig später erneut begegnet war, hatte der 19-Jährige gerade seinen Frust an einem Vorfahrtsschild ausgelassen. Er riss das Schild vom Sockel und warf es den Hang hinunter. Eine Atemalkohol-Kontrolle sei in seinem Zustand nicht möglich gewesen, hatte die Polizistin zu Protokoll gegeben. „Kommt das so hin?“, fragte der Richter. „Ich denke ja“, antwortete der Angeklagte beschämt.

Sachschaden inzwischen beglichen

Den entstandenen Sachschaden in Höhe von 113 Euro hat der Student inzwischen beglichen. Staatsanwalt, Jugendrichter und Angeklagter erklärten sich schließlich einverstanden, das Verfahren einzustellen, wenn der 19-Jährige im Gegenzug den bereits begonnen FreD-Kurs (Frühintervention für erstauffällige Drogen- und Alkoholkonsumenten) bei der Caritas gewissenhaft zu Ende bringt.

Das Gericht folgte damit dem Vorschlag von Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch, der zuvor die eigentliche Ursache des nächtlichen Exzesses verraten hatte. „Der Abend hatte sich nicht ganz so erfüllt, wie gehofft. Er hat von einer weiblichen Zielperson einen Korb bekommen“, erläuterte Dlugosch, warum der junge Mann sich schließlich einem maßlosen „Frust-Bewältigungssaufen“ hingegeben hatte. „Solche Abende enden oft mit einer gebrochenen Nase eines Gegenübers.“ So gesehen war die Sache für den Eglinger in doppelter Hinsicht glimpflich ausgegangen.

Rubriklistenbild: © dpa

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