Zu Ehren von Pfarrer Franz Seraph Bierprigl: Bürgermeister Hubert Oberhauser (re.), Schirmherr des Loisachgaufests, stiftete dem Trachtenverein St. Sebald den Gedenkstein. Vorsitzender Peter Fischhaber (li.) nahm das Geschenk hocherfreut entgegen. An diesem Sonntag wird der Stein am Dorfplatz eingeweiht.

Ein Barockmensch in Lederhosn

Gedenkstein zu Ehren von Pfarrer Franz Seraph Bierprigl

„Er war ein Unikum“, sagt Josef Neumeier über Pfarrer Franz Seraph Bierprigl. Neumeier war Ministrant bei dem überaus beliebten Seelsorger und ist heute Mitglied des Trachtenvereins St. Sebald Egling. Dieser verdankt Bierprigl sein Entstehen und widmet dem Ehrenbüger der Gemeinde jetzt einen Gedenkstein.

Egling – Neumeier war neun oder zehn Jahre alt, als er – wie es sich damals für einen braven katholischen Bub auf dem Land gehörte – zu ministrieren begann. „Wir sollten immer unsere Lederhosen unter dem Messdienergewand tragen“, erinnert er sich. In der Chronik des Trachtenvereins St. Sebald heißt: „Wenn Pfarrer Franz Seraph Bierprigl seinerzeit mit seinen Buben zum Ministrantenausflug startete, sah man sie alle in der Kurzn, einschließlich des Geistlichen.“

Ein Trachtenverein muss her

Seine Liebe zur Tracht brachte den gebürtigen Partenkirchener Bierprigl dazu, in seiner neuen Heimatgemeinde die Gründung eines Trachtenvereins anzustoßen. „Überall im Landkreis gab es Trachtenvereine. Da sei es doch höchste Zeit für Egling, dachte sich der Pfarrer“, so Josef Neumeier, späterer langjähriger Vereinskassier. Auf Betreiben Bierprigls und des Gastwirts Hans Oberhauser brachte Walter Geiger aus Deining zunächst den Ministranten das Schuhplatteln bei. Die Burschen zeigten sich dabei so talentiert, dass sie beim ersten Jugendwettbewerb auf Gauebene auf Anhieb die Plätze Eins und Zwei belegten. Das ermutigte die Initiatoren und so entschied man sich zur Vereinsgründung.

Am 26. März 1969 trugen sich laut Chronik insgesamt 77 Anwesende im Gasthof Oberhauser in die Gründungsliste für einen eigenständigen Trachtenverein ein. Die Werdenfelser Tracht sollte als Vorbild für die eigene dienen. Die weiteren Erfolge der Buben und Dirndl beim Jugendwertungsplatteln, die Aufnahme in den Loisachgau im gleichen Jahr sowie die Fahnenweihe 1971 konnte Pfarrer Bierprigl leider nicht mehr miterleben. Er starb am 24. April 1969 mit nur 56 Jahren an einem Herzinfarkt.

Pfarrer „Bier“ war immer locker drauf

Pfarrer „Bier“, wie er auch gerne liebevoll genannt wurde, war ein Kirchenmann von echtem Schrot und Korn. „Er war immer locker drauf und hat gerne Witze erzählt“, sagt Neumeier. „Er spielte Schafkopf und war insgesamt sehr weltoffen.“ Der Geistliche sei über die Grenzen Eglings hinaus bekannt und beliebt gewesen.

Am 27. Juni 1913 in Partenkirchen geboren, erhielt Franz Seraph Bierprigl 1938 im Dom zu Freising die Priesterweihe. Sein beruflicher Weg führte ihn von Traunstein über Olching und Kiefersfelden schließlich nach Egling, wo er seine Lebensaufgabe fand. Ohne persönliches Hab und Gut traf der junge Kurat 1943 in Egling ein, nachdem sein Gepäck einem Fliegerangriff zum Opfer gefallen war. Hilfsbereite Dorfbewohner sorgten spontan für das Nötigste im Pfarrhaus.

Ein dreifaches Jubiläum

Pfarrer Bierprigls besonderer Einsatz galt der Erhaltung der Kirchen und der Gründung und Wiederbelebung der Traditionsvereine. Gar ein dreifaches Jubiläum feierte der Seelsorger 1963 mit seiner geliebten Gemeinde. Er vollendete sein 50. Lebensjahr, beging sein 25-jähriges Priesterjubiläum und war zudem 20 Jahre für die Pfarrei Egling, Neufahrn und Ergertshausen tätig. 1968 zeichnete der damalige Bürgermeister Balthasar Thalhammer Pfarrer Bierprigl für dessen unbestrittene Verdienste mit der Ehrenbürgerwürde aus.

Weihbischof Matthias Defregger übergab seinen langjährigen Freund Bierprigl ausgerechnet an dessen 56. Geburtstag der geweihten Erde des Eglinger Friedhofs. Treffend charakterisierte Defregger Pfarrer Bierprigl als „Barockmenschen, für den Gottesfreundschaft und Menschenfreundlichkeit unlösbar miteinander verbunden waren“.

Den Gedenkstein für den Ehrenbürger hat Bürgermeister Hubert Oberhauser, Sohn des Gründungsmitglieds und ersten Vorsitzenden des Trachtenvereins St. Sebald, Hans Oberhauser, gestiftet. Der mächtige Felsbrocken stammt aus dem Wettersteingebirge – eine Referenz an die Heimat des Pfarrers. In den Fels ist eine Bronzeplatte mit Inschrift eingearbeitet sowie zwei Fotos aus dem Oberhauser’schen Familienarchiv. Eins zeigt Bierprigl als Priester, auf dem anderen steht er in der Lederhosn da. Der Stein soll auf dem Dorfplatz aufgestellt werden.

Info

Die Mitglieder aller Eglinger Dorfvereine treffen sich am Sonntag, 20. August, um 9 Uhr auf dem Eglinger Dorfplatz. Nach der Einweihung des Gedenksteins startet ein Bittgang zur Sebaldskapelle, wo um 10 Uhr der Festgottesdienst beginnt.

Tanja Lühr

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