+
Im Gespräch: Helena Spiegl (li.) mit Übersetzerin und Fotografin Bettina Hecke.

„Es war schön, aber auch hart“

Helena Spiegl (94) schreibt ihre Lebensgeschichte auf

  • schließen

Egling – Helena Spiegl aus Öhnböck blickt zurück auf 94 Jahre. In Buchform gewährt sie jetzt Einblick in ein bewegtes Leben.

Helena Spiegl erzählt von ihrer Kindheit und Jugend in Öhnböck in der Gemeinde Egling, die geprägt waren von landwirtschaftlicher Arbeit und dem Zweiten Weltkrieg. Möglich wurde dieses Buch durch Bettina Hecke vom Ambacher Verlag in Münsing, die sich die Zeit nahm und aus den Lebenserinnerungen der Öhnböckerin ein sehr persönliches Bild zeichnete.

Helena Spiegl möchte ihre Erfahrungen für die Nachwelt festhalten. „Ich sage, das Leben war schön, aber es war auch hart“, erzählt sie. „Arbeit, Arbeit, Arbeit. Die Arbeit bringt einen aber nicht um, der Verdruss schon.“ Die betagte Seniorin hatte im Frühjahr 2015 Kontakt zum Ambacher Verlag aufgenommen und Bettina Hecke beauftragt, ihre Lebenserinnerungen aufzuschreiben. „Sie bat mich, ihr zu helfen, ihr Buch zu schreiben. Wir haben uns mehrmals gemeinsam mit ihrer Nichte Rosemarie Huber aus Schwabbruck in Münsing zusammengesetzt, und Frau Spiegl hat erzählt.“ Den Kontakt knüpfte damals Historiker Dr. Johannes Bernwieser, der beim Verlag die Reihe „Chronik Münsing“ leitet.

Für Bettina Hecke war die Zusammenarbeit mit Helena Spiegl eine wertvolle Erfahrung, sagt sie. „Sie hat ihre Erinnerung aus ihrer ganz persönlichen Sicht erzählt.“ Das Buch solle weder ein Roman noch eine Biografie sein, die Anspruch auf Richtigkeit oder gar Vollständigkeit hat. Die Sprache habe sie als Autorin bewusst unverändert gelassen. „Mir war wichtig, dass die mündliche Erzählung von Helena Spiegl authentisch bleibt.“ Sie habe nichts hinzugedichtet oder inhaltlich verändert, betont Hecke. Auch habe sie bewusst auf eine chronologische Abfolge zugunsten einzelner Lebenskapitel verzichtet.

Spiegls Leben steht für viele Lebensläufe und Schicksale aus der damaligen Zeit. „Das Besondere ist, dass Helena Spiegl mit 94 Jahren den Mut besaß, diese mehr oder weniger alltägliche Geschichte zu erzählen. Da es persönliche Erinnerungen sind, habe ich keine Überprüfung der Fakten und Jahreszahlen vorgenommen.“ Das sei auch gar nicht möglich gewesen, da Helena Spiegls Kinder und Enkel mit Ausnahme ihrer Nichte Rosmarie Huber das Projekt nicht unterstützt haben. Den langjährigen Familienkonflikt anzuheizen, liege der Seniorin aber fern, betont Hecke in deren Name: „Sie will mit dem Buch niemanden anprangern oder verletzten. Im Gegenteil: Sie möchte damit einen gewissen Frieden schaffen, vielleicht auch über das Erzählen ihres Lebens ein gewisses Verständnis wecken.“

Die gelernte Übersetzerin und Fotografin zeigt sich nachhaltig beeindruckt vom Humor der alten Dame, der bei ihren Erzählungen durchblitzte. „Helena Spiegl ist froh, dass das Buch gemacht wurde“, sagt Hecke. „Sie bekam viele positive Rückmeldungen und hat selbst viele Bücher verkauft.“

Das Buch

„Das Leben war schön“, 60 Seiten mit historischen Fotos, 14,90 Euro. Es ist erhältlich in der Buchhandlung Rupprecht in Wolfratshausen, bei Edeka in Münsing, beim Ambacher Verlag und am Wochenende, 10. und 11. Dezember, am Stand des Verlags beim Ambacher Advent im Landhotel Huber.

von Bettina Sewald

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Erste Bewerbungen für Wolfratshauser Sicherheitswacht
Noch vor dem Weihnachtsfest soll in Wolfratshausen eine Sicherheitswacht installiert sein. „Ein sportliches Ziel“, räumt Andreas Czerweny, Leiter der örtlichen …
Erste Bewerbungen für Wolfratshauser Sicherheitswacht
Wolfratshauser (76) radelt den Jakobsweg
6639 Kilometer in 61 Tagen: Diese Strecke hat Heinz Kuhn aus Wolfratshausen kürzlich zurückgelegt. Der 76-Jährige ist auf dem Jakobsweg von Wolfratshausen bis ans Kap …
Wolfratshauser (76) radelt den Jakobsweg
Lkw übersieht Radfahrer - mit einem fleißigen Schutzengel
Beim Abbiegen hat ein Lkw-Fahrer einen Radfahrer übersehen. Der Radfahrer erlitt schwere, aber zum Glück keine lebensgefährlichen Verletzungen.
Lkw übersieht Radfahrer - mit einem fleißigen Schutzengel
Wolfratshauser Schießstättstraße nachts gesperrt
Die Schießstättstraße ist seit Jahren eine der am meisten frequentierten Strecken in der Flößerstadt. Nun muss sie bis Mittwoch, 30. August, nachts gesperrt werden.
Wolfratshauser Schießstättstraße nachts gesperrt

Kommentare