Im Zickzack über die Planken: Fahrtechniktrainer Andreas Grimm zeigt einem seiner Schüler, wie’s geht. Foto: sh

Rampen statt Raketen

In Deining lernen Kids spielerisch ihr Fahrrad zu beherrschen

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Wo im kalten Krieg einst Soldaten den Himmel beobachteten, lehrt der Straßlacher Andreas Grimm heute Kindern die richtige Fahrtechnik mit dem Mountainbike.

Deining – An Krieg erinnert auf dem Deininger Schönberg nichts mehr – schon gar nicht an den kalten. Heiß brennt an diesem Sonntagmittag die Sonne auf die im Jahr 2002 aufgelassene Flugabwehrraketen-Station. Ein paar bunkerähnliche Betonreste lassen die einstige militärische Nutzung höchstens erahnen. Geradezu friedlich ist das Bild, das sich auf einer Wiese inmitten des nun landwirtschaftlich genutzten Anwesens bietet: Bunt behelmte und bekleidete Kinder fahren – aufmerksam beobachtet von ihren Eltern – mit Mountainbikes über Holzrampen, einige noch etwas wackelig, andere schon ziemlich versiert.

Den Parcours ausgelegt hat Andreas Grimm. Vor etwa 20 Jahren ließ ein schadhafter Knorpel im Knie den Straßlacher vom Marathonläufer zum Mountainbiker werden. Seither ist er auf dem Rad oft in den Bergen unterwegs. Geht’s hinunter, zieht der 50-Jährige, im Hauptberuf Elektrotechniker, Schwierigkeit der Geschwindigkeit vor. „Ich bin kein Downhiller. Ich mag technisch anspruchsvolles Gelände, fahre aber langsam und kontrolliert.“ In einem seiner Lieblingsreviere, im italienischen Santa Caterina, beobachtete Grimm eines Tages, wie Fahrtechnik-Coaches auf einem Parcours Kinder von Hotelgästen auf eben diese technischen Herausforderungen im Bikesport vorbereiten. Also ließen Grimm und seine Frau Christine ihre beiden Söhne Max und Felix, heute neun und sieben Jahre alt, dort selbst mitfahren – und erlebten, „dass die Kinder einen Riesenspaß haben, total schnell lernen und ein gesundes Körpergefühl und Selbstbewusstsein entwickeln“. Für den 50-Jährigen „war das die Motivation zu sagen: Warum machen wir so etwas nicht bei uns zu Hause?“

Vor rund zwei Jahren erfuhr Grimm zufällig von einem ambitionierten, handwerklich begabten Mountainbiker, der seine selbst gefertigte Anlage aus Rampen, Steilkurven, Wippen, Stufen und Wellenbahn verkaufen wollte. Der modulare Kurs war verschieden kombinier- und in der Höhe veränderbar. Grimm schlug für einen fünfstelligen Betrag zu. Ein Gelände, um die Geräte zu lagern und aufzubauen, war bald gefunden: Die Grimms kennen die Eigentümer des Schönberger Anwesens über den gemeinsamen Kindergarten ihrer Sprösslinge.

Seitdem bietet der 50-Jährige an Wochenenden und innerhalb von Ferienprogrammen Kurse an – meistens in Deining, weil der Transport der Holzelemente „eine ziemliche Wuchterei“ ist. Wenn’s nicht allzu weit entfernt liegt, baut er seine Bahn auswärts auf – so in Grünwald.

An diesem Sonntagmittag radeln fünf Kids mit Hingabe und Ausdauer über den Parcours. Grimm erklärt ihnen, worauf es ankommt: „die richtige Position auf dem Rad, wo der Körperschwerpunkt liegen sollte, die exakte Fußstellung – Grundlagen des Mountainbikens halt“. An kniffligen Hindernissen leisten er und seine Frau – „wir machen das mit Herzblut“, betont sie – Hilfestellung.

Ein Vater steht mit verschränkten Armen im Schatten und verfolgt aufmerksam die Fahrt seines Sohnes, des fünfjährigen Louis. Er selbst sei kein großer Mountainbiker, räumt Sven Caspers ein, seine Familie unternehme eher kleine Fahrradtouren in und um München. „Aber Louis fährt gern Radl. Ich find’s super, dass er hier das Gefühl dafür kriegt. Umso besser, wenn das mit Spaß kombiniert ist.“ Als Kind, ergänzt der 37-Jährige, „hätte ich so etwas auch gerne gemacht, wenn es das damals gegeben hätte“. Caspers Frau hatte das Angebot der Grimms im Internet gefunden. Sie sieht das Training für Louis pragmatischer: „Er lernt hier viel, auch für die Sicherheit im Straßenverkehr.“

Infos

im Internet unter:

www.radlos.net

peb

Lesen Sie auch: Ex-Fußballerin (21) gewinnt Bronze bei Mountainbike-EM - Tanja Priller im Porträt

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