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In Neufahrn werden zunächst sieben Flüchtlinge erwartet.

Infoveranstaltung im Vereinsheim

Neufahrn erwartet sieben Flüchtlinge

Egling - Nun sollen auch im Eglinger Ortsteil Neufahrn Flüchtlinge unterkommen. Im Lauf der Woche werden sieben erwartet, eine Familie und zwei schwangere Frauen. Eine Infoveranstaltung verlief konstruktiv.

Die Informationsveranstaltung stand unter besonderen Vorzeichen – den Vorfällen von Köln. „Nach so etwas ist es natürlich nicht leicht, über das Thema Flüchtlinge zu diskutieren“, sagte Bürgermeister Hubert Oberhauser. „Aber wir entziehen uns dem natürlich nicht.“ Dass das Interesse groß ist, war nicht zu übersehen. Von den 450 Einwohnern, die in Neufahrn leben, hatten etwa 100 den Weg ins Vereinsheim gefunden.

Egling hinkt der Quote hinterher

Hubert Oberhauser, Bürgermeister in Egling

Zunächst machte Oberhauser die Situation und die Haltung der Gemeinde deutlich. Egling als fünftgrößte Gemeinde stehe in der Pflicht, auch die fünftgrößte Anzahl an Flüchtlingen aufzunehmen, die dem Landkreis zugewiesen werden. So sieht es die Quoten-Vereinbarung zwischen Landrat und Bürgermeistern vor. „Diesem Ziel hinken wir ein wenig hinterher“, sagte Oberhauser. 40 Flüchtlingen hätten bislang in Egling eine Bleibe gefunden, gut 60 müssten es sein. Was 2016 passieren wird, darüber wage niemand eine seriöse Prognose.
 
Priorität habe es für die Gemeinde, die Schulturnhalle von Flüchtlingen freizuhalten. „Das ist für uns das Wichtigste, wir werden sie nicht freiwillig hergeben“, erklärte er. Dafür sei die Gemeinde auch bereit, vorübergehend Flüchtlinge im Gewerbegebiet unterzubringen. Diese Möglichkeit bietet das Asylverfahrensbeschleunigungs-Gesetz. Das ist in Egling von besonderer Brisanz, weil es in der Vergangenheit um genau diese Frage einen Prozess gab, bei dem die Gemeinde bei ihrer Linie blieb, keine Wohnungen zu dulden – womit sie am Ende auch Recht behielt. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, versicherte Oberhauser. „Hier geht es nicht um Wohnen, sondern um Unterbringung.“ Und: „Wir brauchen einfach eine pragmatische Lösung.“

Im Lauf der Woche werden mehrere Flüchtlinge erwartet

Im Laufe der Woche werden in der Keltenstraße 12 mehrere Flüchtlinge erwartete, wohl sechs oder sieben Personen. Nach den Informationen, die Oberhauser vorliegen, handelt es sich um einen Familienverbund sowie zwei schwangere Frauen. Dass es eine Familie ist – und damit um eine leichter integrierbare Gruppe –, darauf habe Vermieter Sepp Oliv eigens hingewirkt. Dann eröffnete Oberhauser die Diskussion und ermunterte die Neufahrner, ihr Herz auszuschütten. „Reden wir ganz offen von unseren Ängsten, dafür wird hier niemand ins rechte Eck gestellt.“

Die erste Frage zielte auf das kursierende Gerücht, ob auch das Obergeschoss des Vereinsheims mit Flüchtlingen belegt werden soll. „Davon ist mir nichts bekannt“, erklärte der Rathauschef. Dagegen würde er sich auch aussprechen. „In der Nähe von Kindergärten halte ich das nicht für richtig.“ Dafür erhielt er Applaus.

Wird Neufahrn über Gebühr belastet?

Emotional wurde es, als eine weitere, leer stehende Immobile erwähnt wurde, das ehemalige Restaurant Mex an der Keltenstraße. „Kann es passieren, dass da auch Asylbewerber reinkommen?“, wurde nachgefragt. Oberhauser suchte zu beschwichtigen: Er habe mit dem Eigentümer geredet, und der habe kein Interesse an einer Vermietung gezeigt.

Doch die Versammlung ließ nicht locker. Es kam die Frage auf, ob Neufahrn im Vergleich mit anderen Ortsteilen nicht weit über Gebühr belastet werde, wenn ins Mex geschätzte 50 Personen einziehen würden? Und ob die Gemeinde eine Handhabe hätte, eine Belegung zu verhindern?

Oberhauser wollte sich zunächst auf das Gedankenspiel nicht recht einlassen. „Wir sollten nicht den zweiten Schritt vor den ersten machen“, sagte er. Als weiter nachgehakt wurde, erklärte er aber, dass die Quote unter den Ortsteilen nicht gelte. „Das Landratsamt steht unter Druck. Wenn es die Möglichkeit sieht, Wohnraum anzumieten, wird es das tun.“ Allerdings versprach er, im Fall der Fälle seinen Einfluss geltend zu machen. „Wir würden versuchen, das zu steuern, aber ohne jede Garantie.“

Ein Nachbar will es ganz konkret wissen

Sonja Galli-Krottenthaler, Integrationsbeauftragte der Gemeinde

Ein Nachbar aus der Keltenstraße wollte ganz konket wissen, wie sich der Kontakt mit den Neubürgern gestaltet. „Ich will freundlich sein, weiß aber nicht, wie ich mich verhalten soll.“ Integrationsbeauftragte Sonja Galli-Krottenthaler zeigte für diese Unsicherheit großes Verständnis. Sie sagte, dass man sich ganz normal verhalten solle. Die meisten Syrer sprächen englisch. Und dass ein vom Helferkreis initiiertes Treffen, etwa bei einer Tasse Kaffee, helfen könne, Barrieren zu überwinden.
 
Apropos Helferkreis: Auch in Neufahrn haben sich Bürger bereit erklärt, beim schwierigen Projekt Integration mitzuhelfen. Wie Sonja Galli-Krottenthaler mitteilt, haben sich 15 Neufahrner in die Liste eingetragen – also doppelt so viele wie es Flüchtlinge gibt. Es funktioniert, wie immer in Egling, nach dem Prinzip der Arbeitsteilung: Die einen kümmern sich um die Behördengänge, die anderen um die Medizin, wieder andere um die Versorung und so fort. Und eine Homepage gibt es mittlerweile auch.

Infos im Internet: www.asylhilfeegling.de

von Volker Ufertinger

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