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Bereit für den großen Auftritt: Amtsinhaber Hubert Oberhauser (Freie Wähler, re.), Florian Sperl (CSU, Mitte) und Moderator Volker Ufertinger (li.)

Podiumsdiskussion des Isar-Loisachboten

Kommunalwahl 2020: Eglinger Kandidaten im Direktvergleich

Trotz unsinnigen Donnerstags fanden viele Eglinger den Weg zum Jägerwirt in Aufhofen, um die beiden Bewerber direkt vergleichen zu können. Der Besuch lohnte sich.

Egling – Riesengroß war das Interesse der Eglinger Wähler an der Podiumsdiskussion des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur: Über 300 strömten in den Gasthof Jägerwirt in Aufhofen. Bürgermeister Hubert Oberhauser und sein Herausforderer Florian Sperl nutzten die Gelegenheit, um ihre Gedanken zur Entwicklung der Gemeinde zu präsentieren. Beide grenzten sich in einigen Punkten deutlich ab. Redakteur Volker Ufertinger moderierte souverän. 

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Soziales

Der junge Herausforderer hält es für notwendig, die Betreuungszeiten in Kitas zu erweitern. Zudem müsse es eine Ferien-Betreuung der Kinder geben. Sperl spricht sich zudem dafür aus, in Egling einen Rufbus für ältere Menschen einzurichten. „Ein Großteil der Vorschläge ist bereits verwirklicht“, entgegnete Oberhauser. Betreuungszeiten bis 17 Uhr gebe es schon, allerdings nutzen nur zwei Kinder dieses Angebot. „Man muss sehen, wie man das fortsetzen kann.“ Im Kindergarten Egling habe es kürzlich eine Eltern-Befragung zum Thema Öffnungszeiten gegeben. Ergebnis: „Die Betreuungszeiten wurden verkürzt, weil es keinen Bedarf gab.“ Wenn es Bedarf gäbe, müsse man sich damit auseinandersetzen.

Großes Interesse hatten die Eglinger an der Podiumsdiskussion unserer Zeitung, veranstaltet beim Jägerwirt in Aufhofen.

Umwelt

Sperl, der relativ forsch auftrat, will mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen den Naturschutz stärken. Er plädiert dafür, bei Bauvorhaben einheimische Hölzer zu verwenden, das Radwegenetz und die Fotovoltaik-Anlagen auszubauen. Zudem könne man Kreisverkehre und Grünstreifen bepflanzen. Hubert Oberhauser merkte an, an Sperls Ausführungen sei „nicht viel falsch“. Der Umweltschutz müsse einen viel, viel höheren Stellenwert bekommen. Das Anlegen von Blühflächen sei sicher nicht falsch. Notwendig sei auch eine Verkehrswende. Schon vor zweieinhalb Jahren habe Oberhauser gemeinsam mit dem Deisenhofener Bürgermeister den Antrag gestellt, eine Schnellbuslinie einzurichten. Dies habe der Kreistag damals abgelehnt. „Aber steter Tropfen höhlt den Stein.“ Sprich: Zum Fahrplanwechsel Ende 2021 startet die Expressbuslinie Wolfratshausen – Egling – Oberhaching im 20-Minuten-Takt.

Beim Thema Energiewende kristallisierten sich Unterschiede zwischen den beiden Kandidaten heraus. Wenn man das Thema Energiewende ernst nehme, müsse man Kompromisse eingehen, sagte Oberhauser: „Windräder dürfen keine No-Go sein.“ Jeder wisse, dass es im Regionalplan in der Gemeinde Egling zwei Vorrangflächen für Windenergie eingezeichnet sind: „Das Thema ist heikel, aber damit müssen wir uns intensiv auseinandersetzen.“ Auch über Solarparks müsse man diskutieren: „Da darf es keine Denkverbote geben.“ Sperl gibt der Solarenergie den Vorrang, „Windräder müssen hinten anstehen.“

Wirtschaft

Unterschiedliche Ansichten gab es zum Thema Wirtschaftsreferent. Herausforderer Sperl plädierte dafür, einen ehrenamtlichen Wirtschaftsreferenten zu installieren, der das Bindeglied ist zwischen Bürgermeister, Gemeinderat und Gewerbetreibenden. Diesen hält Oberhauser nicht für notwendig: „Wenn irgendein Gewerbetreibender ein Problem hat, weiß er, wo er hingehen muss. Aus meiner Sicht ist es Aufgabe eines Bürgermeisters, dass er nahe dran ist.“ Zudem brauche man viele Referenten im Gemeinderat. Es sei nicht einfach, Kandidaten zu finden. Sperl will sich zudem für ein Ärztehaus mit Apotheke einsetzen. „Das ist ein Thema, auch wenn es nicht einfach ist“. Ein solches Haus wünscht sich auch Oberhauser. „Aber man weiß, dass die Ärzte-Zulassungen im Süden von München sehr begrenzt sind.“ Einen klassischen Arzt anzulocken, sei nicht einfach. Und wo es keinen Arzt gibt, lässt sich auch kein Apotheker nieder.“

Wohnraum

Die Gemeinde müsse bezahlbaren Wohnraum schaffen und den Dorfcharakter erhalten, forderte Sperl. Notwendig seien darüber hinaus Gespräche mit Genossenschaften und eine behutsame Nachverdichtung der Gemeinde. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sei ein „Mega-Thema“, bestätigte Oberhauser. Die Gemeinde habe zuletzt viele Fläche erworben, die aber noch nicht baureif sind. Man müsse sich alles genau überlegen, „denn das ist unser Tafelsilber“. Man müsse auch mal Gebäude mit sechs oder acht Wohnung bauen, „auch wenn es nicht dorftypisch ist“.

Die Fragen der Bürger

Johann Pertold vom gleichnamigen Heizungs- und Sanitärbetrieb merkte an, dass der Austausch von alten Ölheizungen unwahrscheinlich gut für die Umwelt sei. Er wollte wissen, ob es vorstellbar sei, dass die Gemeinde dafür einen Zuschuss gibt. „Das ist sehr, sehr überlegenswert“, entgegnete Hubert Oberhauser. „Wenn sich der Gemeinderat dazu durchringen kann, finde ich das einen interessanten Gedanken.“ Solch eine Förderung sei nicht explizit Aufgabe der Gemeinde, „ich sage aber nicht, dass das nicht in Frage kommt“. Oberhauser gab aber auch zu bedenken, dass es auch „ganz viele tolle Förderprogramme“ vom Bund gebe.

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Da war es passiert: Nach dem Ende der Debatte schnitt eine der Bedienungen Florian Sperl die Krawatte ab. Der guten Laune tat das keinen Abbruch – im Gegenteil.

Der Ergertshausener Jürgen Fischer sagte mit Blick auf Florian Sperl, dass sechs Jahre kommunale Erfahrung in Allach sicher respektabel seien. „Aber wäre es nicht besser, wenn man erstmal im Gemeinderat anfängt, ehe man sich als Bürgermeister-Kandidat aufstellen lässt?“ Die Arbeit in einem Bezirksausschuss sei vergleichbar mit der Arbeit im Gemeinderat, entgegnete Sperl. „Ich bin sicher, dass ein frischer Wind nicht schadet.“

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Benedikt Spindler aus Deining merkte an, dass man ständig über die Digitalisierung und die Ansiedlung von neuen Firmen rede. Wenn man ehrlich sei, müsse man feststellen, dass der Mobilfunk im ganzen Eglinger Gemeindegebiet überhaupt noch nicht ausgebaut sei. „Man braucht Sendemasten, aber wo stellen wir sie hin?“ Man müsse das Thema Digitalisierung vorantreiben, entgegnete Sperl. Man müsse auch prüfen, wo Sendemasten erforderlich sind: „Wir müssen behutsamen schauen, dass wir da einen Standort finden.“ Mobilfunk sei ein Thema mit Sprengstoff, entgegnete Oberhauser. Die Jugend schimpfe über das schlechte Netz. Zugleich hielten viele Bürger das bestehende Netz für ausreichend. „Für die Zukunft brauchen wir aber mehr – auch wenn es einigen nicht gefallen wird“, sagte Oberhauser. Gerade in Thanning sei das Netz „unwahrscheinlich schlecht“. Der Gemeinderat habe gerade eine Mobilfunk-Bedarfsanalyse in Auftrag gegeben, die einige tausend Euro kostet. 

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