Eine Herzensangelegenheit: Bürgermeister Hubert Oberhauser an der Bautafel am ehemaligen Springer-Anwesen. Dort entsteht eine Senioren-Tagespflege. foto: Archiv

Vorfreude in der Kieswüste

Kommunalwahl 2020: Eglings Bürgermeister Hubert Oberhauser im Porträt

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Hubert Oberhauser will Bürgermeister von Egling bleiben. Er ist Kandidat der Freien Wähler. Warum eine Kieswüste seine Herzensangelegenheit ist.

Egling– Das ehemalige Springer-Grundstück in der Ortsmitte von Egling ist eigentlich kein Ort, um ins Schwärmen zu geraten. Es ist eine Kieswüste, umgeben von Aushubhügeln, wuchernden Sträuchern und verdorrten Grashalmen. Und doch kann Bürgermeister Hubert Oberhauser (Freie Wähler) seine Begeisterung nicht verbergen, wenn er über das Grundstück blickt.

Er sieht nicht das, was ist. Sondern das, was entstehen wird. Das vielleicht ungewöhnlichste Projekt seiner Amtszeit. Ein Gebäude, in dem nicht nur Platz ist für das Rathaus-Archiv und für Sozialwohnungen. Sondern ein Gebäude, in dem tagsüber ältere Menschen betreut werden. In dem vielleicht mal die Senioren den Mädchen und Buben aus dem benachbarten Kindergarten Geschichten vorlesen. „Das Haus“, ist sich Oberhauser sicher, „wird viele Berührungspunkte schaffen und die Generationen zusammenbringen.“

Während Oberhauser das Senioren-Tagespflege-Projekt aus innerer Überzeugung vorantreibt, steht der Bürgermeister anderen Großprojekten leidenschaftsloser gegenüber. Beispielsweise dem Bau eines Horts an der Eglinger Grundschule. Sicher, solch ein Hort sei gesetzlich vorgegeben und ein Zukunftsprojekt, das vielen Familien nützt, „und dieser Aufgabe stellen wir uns“. Er persönlich findet aber, dass die Kinder im geborgenen Umfeld der Familie besser aufgehoben wären. Letztlich nimmt er es pragmatisch: „Der Zeitgeist verlangt es so.“

Als seine Tochter und sein Sohn – beide längst volljährig – im schulpflichtigen Alter waren, war solch ein Hort noch kein Thema. „Natürlich“ seien seine beiden Kinder bis 13 oder 14 Uhr in den Kindergarten gegangen. Aber dann war Feierabend. Was danach kam, war vor allem Aufgabe seiner Frau, die einen großen Teil der Erziehungsarbeit geleistet habe. Was aber nicht bedeuten soll, dass die ersten Lebensjahre seiner Kinder an ihm vorbei gingen. Ganz im Gegenteil: „Ich hab’ das schon intensiv mitbegleitet“, erinnert sich der heute 52-Jährige. Papa Oberhauser war beispielsweise fürs Vorlesen zuständig. In Erinnerung geblieben sind ihm auch das stundenlange Studium von Landkarten und die Gespräche über Länder und Hauptstädte: „Es ist wichtig, dass man sich da auskennt.“

Er selbst habe eine „wunderbare Kindheit“ gehabt. Mit riesengroßer Begeisterung spielte er einst Fußball, allerdings eher „mehr oder weniger erfolgreich“. Für den FC Bayern sei er einfach „zu wenig gut gewesen“, sagt Oberhauser schmunzelnd, für die Erste Mannschaft der SF Egling leider ebenfalls.

Karriere machte er nicht im Sport, sondern im Beruf und in der Politik. Hilfreich waren vielleicht seine Erfahrungen im familieneigenen Gasthof. „Dort habe ich früh gelernt, wie man mit Menschen umgeht. Oberhauser absolvierte eine Lehre als Metzger, dann – im renommierten Alten Fährhaus in Bad Tölz – eine Ausbildung zum Koch. Er legte die Meisterprüfung im Metzgereihandwerk ab, bestand die Prüfung zum Betriebswirt und spielte mit dem Gedanken, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Diesen verwarf er, als sich sein Vater aus dem heimischen Betrieb zurückzog.

Parallel sammelte Oberhauser Erfahrung in der Lokalpolitik. Ein Weg, der für ihn vorgezeichnet war. Bereits sein Großvater war Bürgermeister, auch sein Vater gehörte lange Jahre dem Gemeinderat an. In seiner ersten Amtszeit wurde Oberhauser zum Jugendreferenten gewählt (1996), in seiner zweiten zum Seniorenreferenten (2004). Zwölf Jahre arbeitete er als Zweiter Bürgermeister, seit sechs Jahren ist er nun selbst der Chef.

Trotz aller beruflicher Verpflichtungen ist Oberhauser beim Trachtenverein voll ins Vereinsleben integriert. 18 Jahre lang war er Fahnenträger. Generell liegen ihm die Vereine ganz besonders am Herzen. „Es gibt nicht viele in Egling, in denen ich nicht dabei bin.“ Der Hauptgrund: „Das sind auch Begegnungsstätten für junge und ältere Menschen.“

Oberhauser selbst sieht sich als sehr natur- und heimatverbunden. In seiner Freizeit geht er am liebsten auf den Berg, ist mit Langlaufskiern oder dem Rad unterwegs. Seine große Leidenschaft ist die Jagd, seit 25 Jahren ist er Jagdpächter. Zudem besitzt er ein kleines Waldstück.

Umweltschutz ist für ihn auch in der täglichen Arbeit ein wichtiges Thema. Für äußerst sinnvoll hält er es, die über zehn gemeindlichen Gebäude energetisch zu sanieren: „Wir haben da schon immens viel gemacht, aber wir sind da noch längst nicht am Ende des Wegs.“ Jeder einzelne müsse in diesem Bereich etwas unternehmen: „Wir müssen von vielen gewohnten Bequemlichkeiten Abstand nehmen“, sagt Oberhauser. „Jeder sagt: Das bringt nichts, und das bringt nichts, und das ist zu wenig. Aber mit vielen Kleinigkeiten kann man auch was bewegen.“ Er wolle nicht als Apostel dastehen und ihm sei bewusst, dass vieles leichter gesagt ist als getan. „Aber es muss ein Umdenken stattfinden.“

pr

Fragen über Fragen

Lieblingsplatz in Ihrer Gemeinde? 

Im Wald und in meinem Jagdrevier in der Gemeinde. 

Blasmusik oder Rock/Pop? 

Je nach Anlass höre ich beides sehr gerne. 

Wann waren Sie zuletzt in Tracht? 

Als aktiver Trachtler sehr oft und zu vielen Gelegenheiten. 

Mögen Sie Haustiere? 

Ich hätte gerne einen Jagdhund. 

Ordnungsfan oder locker drauf? 

Auf jeden Fall ein Ordnungsliebhaber. 

Bierfreund oder Weinliebhaber? 

Bierfan. 

Strandurlaub oder Städtetrip? 

Am liebsten in den Bergen, sonst auch gerne aktiv in einer Stadt. 

Nachtragend oder verzeihend? 

Verzeihend. 

Drei Dinge für die Insel? 

Meine Frau und meine beiden Kinder. 

Schweinshaxn oder Gemüseauflauf? 

Als Wirtssohn natürlich die Schweinshaxn. 

Als Chef oder Vater streng oder gutmütig? 

Eher gutmütig, aber Strenge gehört dazu. 

Haben Sie ein Vorbild? 

Mein Großvater und Richard von Weizsäcker. 

Ihr Motto?

Leben und leben lassen.

Eglings Bürgermeister hat einen Herausforderer: Florian Sperl will Hubert Oberhauser den Chefsessel streitig machen.

Alle Infos zur Kommunalwahl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen finden Sie auf unserer Themenseite.

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