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Nicht mehr willkommen im Eglinger Gewerbegebiet: Die Mieter und Vermieter der dort unrechtmäßigen Wohnungen. Valentin Höger (4. v. li.) will sich den Bebauungsplan ansehen und entscheiden, ob er juristisch dagegen vorgeht.

Schlaflose Nächte für den Bürgermeister

Nach jahrelangem Hickhack: Eglinger Räte stimmen für Bebauungsplan Gewerbegebiet

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Einstimmig und ohne Diskussion beschlossen die Eglinger Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung die Neuaufstellung  des Bebauungsplans Gewerbegebiet. Enttäuscht reagierten einige Zuhörer.

Egling – Jahrelang wurde über den Bebauungsplan zum Eglinger Gewerbegebiet gestritten. Das Ende des Verfahrens war vergleichsweise unspektakulär: Einstimmig und ohne Diskussion beschlossen die Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung die Neuaufstellung. Ernüchtert reagierte darauf Vermieter Valentin Höger, der im Zuhörerraum saß: „Ich bin mehr als enttäuscht. Meine Stellungnahme ist nicht mal erwähnt worden.“

Eglings Bürgermeister Hubert Oberhauser machte kein Hehl daraus, wie sehr die vergangenen Monate an seinen Kräften und Nerven gezehrt haben. „Ich möchte nicht rumjammern, aber dieser Bebauungsplan hat mir die eine oder andere schlaflose Nacht bereitet, und ich habe den einen oder anderen Schlag unter die Gürtellinie bekommen.“ Dies gehöre jedoch zu seinem Job dazu: „Ich muss mich hinstellen und klare Positionen vertreten.“

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Wie bereits berichtet ist Anfang der 1980er-Jahre gegenüber dem Eglinger Sportplatz ein Gewerbegebiet entstanden. Ab 1983 wohnten dort auch Menschen. Darauf wies der damalige Rathauschef Manfred Nagler das Landratsamt hin. Passiert ist danach nichts – gut 20 Jahre lang. Alles änderte sich 2011, als ein Autohändler am westlichen Rand des Areals in seinen stattlichen Neubau, ursprünglich für Lager, Büros und Praxen vorgesehen, zahlreiche Wohnungen integrieren wollte. Der Gemeinderat spielte nicht mit – und hatte bald eine Klage des Händlers am Hals. Die begründete der mit der Wohnnutzung in der Nachbarschaft. Das Verwaltungsgericht gab ihm Recht. Das Landratsamt legte Berufung ein. In einer zweiten Verhandlung gewannen Behörde und Gemeinde. Das Verfahren zog sich über drei Jahre hin und endete mit individuellen Vergleichen – und einer Räumungsfrist für alle bis Ende April 2019.

Einer der Betroffenen ist Valentin Höger. Der ehemalige Inhaber des ortsansässigen Heizungs- und Sanitärbetriebs baute im Gewerbegebiet seinen Firmensitz inklusive sechs Wohnungen. In zwei Wohnungen leben Asylbewerber, die im Dezember ausziehen müssen. Eine will Höger als Hausmeister-Wohnung nutzen. Die Gemeinde hat zu diesen Plänen schon vor vier Monaten ihr Okay gegeben, seither liegt der Fall beim Landratsamt. Außerdem ist es Höger mittlerweile gelungen, zwei Wohnungen gewerblich zu vermieten. „Allerdings zu einem absoluten Kampfpreis von vier Euro Miete je Quadratmeter.“ 150 Quadratmeter stehen noch leer. Und daran dürfte sich seiner Einschätzung nach nichts ändern: „Wer will schon eine Gewerbefläche im ersten Stock? Dafür gibt es überhaupt keine Nachfrage.“ Ehe er noch mal Flächen zum Schleuderpreis verscherbelt, will er sie lieber leer stehen lassen.

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Höger hätte sich gewünscht, dass es zu einem Kompromiss kommt: „Ich hätte mir vorstellen können, dass von Montag bis Freitag Arbeiter in den Wohnungen leben dürfen. Aber das ging leider auch nicht.“

„Gleich ob Ämter, Gemeinde oder Baubewerber – man muss definitiv anmerken, dass da keiner fehlerfrei gehandelt hat“, sagte Oberhauser in der Gemeinderatssitzung. In dem neuen Bebauungsplan seien alle Änderungen der vergangenen 40 Jahre eingearbeitet worden. Es habe viele Überlegungen gegeben, was mit der Fläche geschehen soll: „Weder ich als Bürgermeister noch der Gemeinderat hat sich die Entscheidung leicht gemacht.“ Nicht Einzelinteressen, sondern das Interesse der Allgemeinheit sei in den Vordergrund gerückt worden: „Es ist unbestritten, dass Wohnraum wertvoll ist, aber Gewerbeflächen sind genauso wertvoll.“ Das Gewerbegebiet sei deshalb um zwei Flächen erweitert worden, betriebsbezogenes Wohnen sei weiterhin möglich. Die Gemeinde habe sich auch juristisch beraten lassen. Die Gewerbebetriebe hätten nun Sicherheit, und die Gemeinde könne sich wirtschaftlich weiterentwickeln.

An dem Bebauungsplanverfahren waren 43 Behörden beteiligt, zudem gaben vier Privatpersonen Stellungnahmen ab. Höger will sich den Bebauungsplan ansehen und dann entscheiden, ob er juristisch dagegen vorgeht.

(pr)

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