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Richter Helmut Berger hörte sich vor Gericht die verschiedenen Versionen der Geschichte an.

Jetzt landete der Fall vor Gericht

Nach Unfall: Radler und Beifahrer prügeln sich

Egling/Wolfratshausen – Ein Zusammenstoß von Pkw und Radfahrer bei der Aumühle endet in einem handfesten Streit. Jetzt trafen sich die Streithähne vor Gericht wieder.

Drei junge Männer fahren an einem sonnigen, heißen Tag mit der S-Bahn von München nach Wolfratshausen. Zurück in die Landeshauptstadt wollen sie radeln. Doch schon in der Pupplinger Au ist der Spaß vorbei. Bei der Aumühle kollidiert einer aus der Gruppe mit einem Münchner Audi A4. Nun musste sich der radelnde Bankkaufmann (22) vor dem Amtsrichter verantworten: Er soll dem Beifahrer des Pkw, einem 55 Jahre alten Diplomkaufmann, die Nase blutig geschlagen haben.

Der Angeklagte, taubengrauer Anzug, weißes Hemd, blaue Krawatte, erinnert sich noch gut an den 4. Juli vorigen Jahres, als er „quer über den Lenker ins Gras gestürzt“ ist. „Es war sauviel los, ganz München war offenbar an der Isar“, erzählt er. Die Kurve sei recht zugewachsen gewesen, das Auto sei ihm mittig auf der Straße entgegengekommen und habe ihn touchiert. „Ich bin ins Trudeln gekommen und ins Gebüsch gesteuert“, schildert der 22-Jährige den Hergang. Dann sei der Beifahrer aus dem Auto gestürmt und habe cholerisch herumgeschrien. Eine „wechselseitige Schubserei“, räumte der Angeklagte ein. Aber mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe er den Mann nicht.

Die Anhörung der weiteren Zeugen brachte wenig Klarheit. Jeder hatte die Begegnung anders wahrgenommen. Die Münchner Fahrzeuglenkerin, 47, Yogalehrerin, sagte aus: „Er kam mir auf meiner Seite entgegen, schlängelte auf der Straße und fiel hin.“ Dann habe der junge Mann ihren Freund mit der Faust auf die Nase geschlagen und sein Fahrrad samt einem Bierkasten auf dem Gepäckträger gegen den Kühlergrill ihres Wagens geschleudert.

Der Angeklagte, der nach eigener Aussage drei Tage mit Gehirnerschütterung im Krankenhaus gelegen hatte, erklärte, lediglich einen Einmal-Grill auf dem Rad transportiert zu haben. Der geschädigte Lebensgefährte der Autofahrerin hatte keinen Bierkasten wahrgenommen, erinnerte sich aber daran, dass der Beschuldigte „sehr aggressiv“ gewesen sei. „Dann schlug er ansatzlos zu“, sagte der 55-Jährige. Die zwei Freunde des Angeklagten waren ebenfalls wenig nützliche Zeugen. Während der eine gesehen haben will, wie der 22-Jährige „über der Motorhaube lehnte“, sah der andere ihn „fliegen – übers Lenkrad“.

Bei derart unterschiedlichen Aussagen, tat sich das Gericht schwer, ein Urteil zu sprechen, wenngleich der Herr im grauen Anzug in seinen jungen Jahren bereits drei Mal verurteilt worden war – zuletzt wegen Widerstands gegen Polizeibeamte, denen er bei einer Verkehrskontrolle mit etwas mehr als einem Promille Alkohol im Blut ordentlich die Meinung gesagt hatte. Stress mit der Freundin sei damals der Auslöser für seinen Zorn gewesen, so der 22-Jährige. Gegen Zahlung von 2000 Euro an einen Wolfratshauser Kindergarten stellte Richter Helmut Berger das Verfahren vorläufig ein.

von Rudi Stallein

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