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Ein Dirndl muss sitzen: Gudrun Fischer (li.) vom gleichnamigen Trachtengeschäft in Wolfratshausen steckt bei Natascha Schurz die Bluse ab. Bei der Farbvariation sind keine Grenzen gesetzt. Ein Trend zeichnet sich aber ab: Heuer muss es hochwertig sein.

Am liebsten wieder hochgeschlossen

Das richtige Trachten-Gwand für die Wiesn

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Retro“ ist der Trend bei der Trachtenmode. Fachgeschäfte und Schneiderinnen freuen sich, dass die Kunden wieder mehr Geld für Hochwertiges ausgeben. Das gilt auch fürs Wiesn-Gwand.

Die Älteren sagen: „Das gab’s doch schon mal vor 30 Jahren“. Die Jüngeren sind entzückt über die kleinen Muster und empfinden sie als etwas ganz Neues. Der „Retro“-Stil hat die Trachtenmode erobert. Sowohl auf Dirndln als auch auf Herrenwesten findet er sich wieder. Zu bewundern gibt’s die feschen Trachten ab Samstagmittag auch wieder auf der Wiesn, wenn’s im Festzelt auf der Theresienwiese heißt: „O’zapft is“.

Das Dirndl ist bei den Damen der Klassiker. Das war schon immer so, und das wird wohl auch immer so sein. Aber es darf auch mal ein Rock mit Bluse oder T-Shirt sein, sagt Peter Fröstl vom gleichnamigen Trachtengeschäft in Egling. „Röcke mit breiter Hüftpasse und in Falten gelegt, liegen im Trend.“ Von der in letzter Zeit häufig beobachteten Variante, das Dirndl ohne Bluse zu tragen, hält er nicht viel. Im Gegenteil: Hochgeschlossen sei wieder „en vogue“, sagt der Fachmann. Bei den Farben dominieren zur Zeit blau-rot, blau-braun, grün und Beige-Töne.

Zum edlen Accessoire hat sich das Cape gemausert. „Auch breite Schals und Ponchos ersetzen schon mal die klassische Strickjacke“, bestätigt Stefan Fischer vom Wolfratshauser Trachtenmodengeschäft Fischer und Pflügl. Fischer verkauft im Moment viel Blau und Grau. Oliv sei eine tolle Herbstfarbe, müsse Frauen aber stehen. Fischer freut es, dass wertvolle Stoffe wie Loden, Samt und Taft wieder gefragt sind. Fischer hat festgestellt. „Viele Männer haben sich in den vergangenen Jahren eine günstige Lederhose gekauft“, sagt er. „Jetzt wollen sie etwas Hochwertiges aus Hirschleder oder Wildbock.“ Zur Krachledernen gehören das Pfoad (Hemd), die Loferl (Wadenstrümpfe) und die Haferlschuhe. Das Hemd dürfe neuerdings auch gestreift statt kariert daherkommen. Wird es abends kalt, empfehle sich eine Taftweste mit Stretch-Rücken. In den Fachgeschäften läuft der Wiesn-Verkauf auf Hochtouren. „Tracht ist zwar generell wieder angesagt. Ich möchte auf das Oktoberfest-Geschäft aber nicht verzichten wollen“, sagt Fischer. „Es lenkt das Augenmerk auf unsere Produkte.“

Ein maßgeschneidertes G’wand lässt man sich dagegen nicht erst anfertigen, wenn das Oktoberfest schon begonnen hat. „Zu uns kommen die Kunden meistens im Frühjahr, sobald das Wetter wärmer ist und die neuen Stoffe da sind“, sagt Schneidermeisterin Barbara Köglsperger vom Königsdorfer Meisteratelier Kirchmayr. Heuer habe sie viele Kleider in grau genäht. Beere und grün seien ebenfalls beliebt. Als ideale Rocklänge bezeichnet Köglsperger 70 bis 80 Zentimeter, also ungefähr bis zur Mitte der Wade.

Die Schneiderin bietet gerne Dirndl mit mehreren Schürzen zum Wechseln an – zum Beispiel eine rustikal- karierte fürs Weinfest und eine weiße aus Seide für besondere Anlässe. Zwei bis drei Monate müsse man einplanen für ein handgenähtes Dirndl, Trachten- oder Brautkleid, sagt Köglsperger. Die Königsdorferin zählt viele Jugendliche zu ihren Kunden: „Die jungen Leut’ investieren gern in eine schöne Tracht.“ Beim Schulabschluss, bei der Firmung oder bei Familienfeiern sei man damit immer gut angezogen – und natürlich auf dem Münchner Oktoberfest.

von Tanja Lühr

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