Herr über die Fernbedienung: Mario Sonneck steuert hier einen Quadkopter vom Typ DJI Inspire. Foto: sabine Hermsdorf-Hiss

Mario Sonneck steuert Drohnen

Pilot im Haifischbecken

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Mario Sonneck hat ein Faible für kleine Modelle: er ist ein versierter Drohnenpilot, und er nutzt das mit seiner Firma Burning Bulls zum Geldverdienen.

Egling – Ein wenig erinnert Mario Sonneck an den Schmidt Max: Wie der BR-Moderator und Schauspieler trägt er Backenbart, redet Dialekt, gibt sich angenehm gelassen und hat ein Faible für kleine Modelle, auch wenn er sie nicht – wie Schmidt – selbst in einer eigenen Firma baut, sondern nur steuert. Sonneck ist ein versierter Drohnenpilot, und er nutzt das mit seiner Firma Burning Bulls zum Geldverdienen. Im Juli erst ließ der 41-Jährige seine Phantom 4 über die behüteten Köpfe feiernder Trachtler kreisen, hielt das Gaufest in Egling mit der hochauflösenden Kamera seines Quadrokopters fest. Wobei – falsch: Sonneck fliegt seine Vögel nicht direkt über Menschenansammlungen. Nicht mehr. „Das ist tabu, zu gefährlich. In den Anfangsjahren war das noch anders.“

Der gebürtige Niederösterreicher hat die klassische Karriere durchlaufen: Inspiriert vom modellfliegenden Vater ließ er im heimischen Ybbsitz Ende der 1980er-Jahre erste Segler und Hubschrauber aufsteigen. Die Modelle pimpte er bald auf, schnallte Kompaktkameras mit Kabelbindern an die Helis und erkannte schnell: „Das ist ein super Werkzeug.“

Knapp 20 Jahre war Sonneck damit seiner Zeit voraus. Die Drohnenfliegerei und -filmerei kam erst in den 2000ern auf und erlebt aktuell mit immer kleiner werdenden Modellen einen Boom. Geschätzt eine halbe Million Kopter schwirren in Deutschland umher, Tendenz steigend, Dunkelziffer hoch. Und nicht wenige Piloten machen daraus ein Geschäft: Gegen Bezahlung nehmen sie Familienfeiern aus der Luft auf, verfolgen Actionsportler, filmen Firmengelände und Gebäude. Drohnenbilder sind längst Bestandteil nahezu jeder Film- und Fernsehproduktion. Der Markt ist „ein Haifischbecken“, sagt Sonneck, „aber wenn man wie ich 30 Jahre fliegt, kann man sich von der Masse abheben“: Wo es eng und brenzlig wird, wo es um heikle Innenaufnahmen geht – „kurz: Wo andere sagen, da kann ich nicht fliegen, da fliege halt ich“.

Ein weiterer Vorteil: Der gelernte Einzelhandelskaufmann hat einen Hauptberuf. Er baut Rasenmäher-Roboter für eine Eglinger Firma. In den Landkreis hatte es ihn 2002 aus Liebe zu einer Wolfratshauserin verschlagen. Die Dame hatte Sonneck auf Mallorca kennen gelernt, wo er damals lebte. Frau und Wolfratshausen sind Vergangenheit: Mittlerweile arbeitet und wohnt er mit neuer Freundin in Egling. Grundsätzlich arbeitet der Österreicher alleine, „das ist die günstigste Variante“. Flug, Schnitt – alles kommt aus einer Hand. Sogar die Musik. Die produziert er selbst, die Gema-Gebühren würden ihn sonst auffressen.

Das Paket erhält der Kunde für 1000 Euro am Tag, dafür kriegt er eine SD-Karte mit dem fertigen Produkt. Geht es „um Hochglanz-Geschichten und große Werbe-Projekte“, bedient sich der Wahl-Eglinger eines Netzwerks. „Ich habe Regisseure an der Hand, Spezialisten, die 3D-Animationen können. Ich kann jedem alles bieten, bis hin zur Hollywood-Qualität“ – was natürlich entsprechend kostet.

Das Geschäft mit der Filmerei von oben ist teuer. 60 000 Euro hat Mario Sonneck 2014 in sein Equipment investiert, „und das Geld muss man erst einmal reinholen“. Als einer, der – wie er über sich selbst sagt – „gadget dicted“ ist, der also technische Gimmicks liebt, hatte er zwischenzeitlich neun Drohnen in seinem Hangar. „Als ich gemerkt habe, dass einige eher Sammelobjekt als Arbeitsgerät waren, habe ich mich reduziert. Die Verschlankung schont die Nerven. Bisweilen nämlich schweben mehrere 1000 Euro durch die Lüfte – auf Gedeih und Verderb abhängig vom Können des Piloten und der Zuverlässigkeit der Technik. Sonneck braucht „nach wie vor eine Zigarette, wenn’s wirklich eng und anstrengend wird. Du wirst gebucht als Profi. Deshalb darf da einfach nichts passieren.“

Gusto auf eine beruhigende Dosis Nikotin bekommt der 41-Jährige auch, wenn er über die neue Drohnen-Verordnung spricht. Gut gemeint, schlecht ausgeführt, schimpft er. Denn genau die, die keine Ahnung hätten, dürften mit leichten Consumer-Drohnen drauflos fliegen. „Drohnen ab zwei Kilo Gewicht sind teuer, damit sind eher die Profis am Werk. Und die benötigen, so wie ich, einen Führerschein.“ Verkehrsminister Dobrindts Gesetz komme einem Berufsverbot gleich. „Will ich über Wohngrundstücke fliege, brauche ich von jedem Eigentümer eine Genehmigung.“

Auf dem Land sei das kein Problem, „da klappere ich halt drei Nachbarn ab“. In der Stadt ist das anders. Dort muss er Dutzende Adressen und Rufnummern ausforschen, Genehmigungen einholen. Eine Stunde Flug setze viele Wochen der Vorbereitung voraus. „Das geht einfach nicht, das zahlt dir auch keiner mehr.“ Und für einen Moment verschwindet die Schmidtsche Gelassenheit aus Sonnecks Gesicht.

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