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Erwin A. Bleymaiers Gemälde basieren oft auf historischen Vorlagen. Eines davon, dass die alte Floßlände in Wolfratshausen zeigt, ziert das Heimatmuseum und wird immer wieder als Plakatmotiv der Johanni-Floßfahrt verwendet. Die Briefmarke mit den Lebensdaten 1933-2013 wurde in vielen Ländern problemlos abgestempelt.

Heimatmaler Erwin A. Bleymaier

Kunstprojekt: Eine echte Bleymaier-Mauritius

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Egling – Dieser Gag entwickelte sich vor 33 Jahren zu einem beispiellosen Kunstprojekt: die Postkartensammlung des Eglinger Heimatmalers Erwin A. Bleymaier. Alles fing unauffällig an.

An sich ist ja eine Postkartensammlung aus der ganzen Welt nichts Besonderes. Die des Eglinger Heimatmalers Erwin A. Bleymaier aber schon. Was mit einem Gag vor 33 Jahren begann, entwickelte sich zu einem beispiellosen Kunstprojekt.

Zu seinem 50. Geburtstag schenkte ihm ein befreundeter Drucker eine nachgebildete Briefmarke mit Bleymaiers Konterfei darauf, wie er auf einer Blumenwiese sitzt und malt. Dieser Freund reiste damals nach Rom und schickte eine Ansichtskarte mit einer Bleymaier-Marke anstatt eines landesspezifischen Postwertzeichens an die Heimatadresse des Künstlers – und die Grüße aus Rom kamen doch tatsächlich ordnungsgemäß abgestempelt und ohne Strafgebühr an.

Eigentlich war dieses Klebebild als Signatur für die Rückseite seiner Ölgemälde gedacht, erinnert sich Bleymaier. „Damit der Käufer weiß, wer der Maler überhaupt ist.“ Doch dann habe sein Freund daraus ein Briefmarkenformat mit gezacktem Rand gemacht und der Angabe des Geburtsjahres 1933 sowie seinem damals erwünschten Sterbejahr 2013. „80 Jahre wollt‘ i scho wern“, sagt der agile Bleymaier resolut, der sich heute noch bester Gesundheit erfreut.

Stolz zeigt der Eglinger die Sammlung der rund 400 Postkarten, die er akkurat in Alben sortiert hat. Aus Alaska bis vom südlichsten Postamt der Welt aus Punta Arena (Chile) haben ihn Ansichtskarten von Kunden und Freunden erreicht. Sogar ein richtiges Schätzchen ist darunter: eine echte Bleymaier-Mauritius sozusagen.

Der gebürtige Münchner lernte kurz nach Kriegsende in der renommierten Manufaktur Nymphenburg die Kunst der Porzellanmalerei. Er war ein Quertreiber, der sich eher als Künstler sah, denn als Arbeitnehmer im Akkorddienst mit Gewerkschaftszugehörigkeit. Deshalb beschloss er schon mit 21 Jahren sich als Kachel- und Porzellanmaler selbstständig auf den Weg zu machen, zog von München aufs Land und eröffnete 1971 einen kleinen Kunsthandel in Wolfratshausen. „Das Geschäft lief seinerzeit super, aber es blieb keine Zeit mehr zum Malen.“ Bleymaier restaurierte historische Gemälde fürs Rathaus, bemalte Bauernschränke und Porzellanvasen und überarbeitete das goldene Buch der Stadt. Nach zehn Jahren gab er das Geschäft auf, um sich gänzlich seiner Kunst zu widmen.

Seine Landschafts- und Blumenbilder aus Öl sind mit feinstem Pinsel bis ins Detail ausgeführt. Seine Gemälde basieren oft auf historischen Vorlagen. Eines davon, dass die alte Floßlände in Wolfratshausen zeigt, ziert das Heimatmuseum und wird immer wieder als Plakatmotiv der Johannis-Floßfahrt verwendet. Traurig macht den versierten Kunstmaler nur eines: „Dass heute keiner mehr gutes Handwerk zu schätzen weiß.“ Dennoch bleibt er seinem Stil treu und malt weiter. Nur Postkarten mit Bleymaier-Marken, die bekommt er nicht mehr – die 500 Bögen sind längst aufgebraucht.

von Andrea Weber

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