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Der 77-Jährige war ziemlich aufgebracht

Rentner beleidigt Nachbarn – und trifft auf milden Richter

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Das, was ein 77-Jähriger zu seinem Nachbarn gesagt hat, rutscht einem schnell mal raus. Seine Beleidigung führte ihn jüngst vor Gericht.

Egling/Wolfratshausen – Es rutscht einem leicht mal über die Lippen, wenn man sich massiv über jemanden geärgert hat: A….loch. Aber das gilt in Deutschland als Beleidigung. Deshalb musste sich ein Rentner (77) aus der Gemeinde Egling vor dem Amtsgericht verantworten. Er hatte sich dazu hinreißen lassen, seinen Nachbarn allzu deutlich zu sagen, wofür er sie hält.

Der Zorn war auch ein halbes Jahr später noch nicht verflogen. Aufgebracht schilderte der Mann, wie er am Abend des 5. Mai 2018 feststellen musste, das in seiner Abwesenheit ohne sein Wissen und ohne sein Einverständnis auf seinem Grundstück eine Sichtblende aufgestellt worden war. „Verschönerung haben sie das genannt“, raunte der Angeklagte. Als er seinen Unmut über die Blende geäußert habe, sei er von dem jungen Nachbarn „blöd angeredet“ worden. „Ich bin ja blöd, dass ich ihn nicht angezeigt habe“, polterte der Rentner. „Der andere macht den Schaden, und ich werde bestraft.“

„Was haben Sie denn gesagt“, fragte vorsichtig der Richter – bemüht, den emotional aufgeheizten Mann auf der Anklagebank ein wenig abzukühlen. „Na A….loch, steht ja drin in ihrem Schreiben“, antwortete dieser und offenbarte eine spezielle Logik. „Aber ich hab’ den nicht beleidigt, weil er’s ja gar nicht versteht“, spielte er auf die ausländischen Wurzeln des Geschädigten an. Dessen Lebensgefährtin, zugleich eine Verwandte des Angeklagten, habe den Mann angestachelt, zur Polizei zu gehen. „Da fehlt’s doch weit“, schimpfte der 77-Jährige. „Und was sollen wir jetzt machen“, fragte der Richter. „Na ja, freisprechen“, antwortete der Angeklagte. „Das geht nicht“, erwiderte der Richter schmunzelnd. „Ach, freilich geht das“, widersprach der Angeklagte und lachte. „Irgendwo schleift’s doch da. Wenigstens fragen hätten ‘s können. Das haben wir noch gelernt von der Mutter.“

Nach kurzer Diskussion regte der Richter an, das Verfahren einzustellen. Damit konnten sich auch der Staatsanwalt und der Angeklagte arrangieren. Im Gegenzug erklärte der Rentner sich bereit, 600 Euro – die Summe, die ihm auch im Strafbefehl als Geldstrafe auferlegt worden war – an die Organisation „Brücke Oberland“ zu zahlen. Auf diese Weise bleibt sein Vorstrafenregister so weiß, wie es vor der Verhandlung war.  rst

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