Käferbaum im Eglinger Wald, darunter junge Tanne
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Symbolträchtig: Diese Fichte muss weichen. Das „K“ zeigt an, dass sie vom Borkenkäfer befallen ist. Unter ihr wächst bereits die junge Tanne nach.

Weniger Fichten im Eglinger Gemeindewald

Auf dem Weg zum Wald der Zukunft

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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45 Hektar umfasst der Wald, den die Gemeinde Egling besitzt. Aufgrund eines Gutachtens wurde jetzt die Strategie für die nächsten 20 Jahre festgelegt.

Egling – „Waldumbau“ ist ein Begriff, der inzwischen in aller Munde ist. Er besagt: Damit der heimische Wald im Klima der Zukunft mit zunehmender Hitze und Dürre bestehen kann, muss er in Richtung Mischwald umgestaltet werden. Das gilt natürlich auch für den kommunalen Wald der Gemeinde Egling, der rund 45 Hektar umfasst. Der Chef des Forstamts im Holzkirchener Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), Christian Webert, und der zuständige Förster Robert Nörr fassten in der jüngsten Eglinger Ratssitzung die Ergebnisse eines unabhängigen Gutachtens zusammen.

Webert schickte voraus, dass ein solches Gutachten alle 20 Jahre angefertigt wird, „im Wald sind die Zeiträume eben etwas länger“. Die kommunale Waldpflege übernimmt das AELF, weil es für eine Gemeinde wie Egling „unverhältnismäßig“ wäre, einen eigenen Förster zu beschäftigen. Allerdings wird dafür ein Entgelt verlangt. Insgesamt, so das Fazit des Gutachtens, sei der Eglinger Wald in einem „gut gepflegten Zustand“.

Die Fichte ist anfällig für Stürme und Hitze

Auf den ersten Blick scheint in Egling das Ideal eines zukunftssicheren Mischwalds schon verwirklicht zu sein. Neben der dominierenden Fichte (52 Prozent) findet man auch Buche (18 Prozent), Erle (10 Prozent, vor allem in den Mooren) oder Kiefer (8 Prozent, Pupplinger Au). Also alles perfekt? „Leider nicht ganz“, erläuterte Robert Nörr, „der Teufel steckt im Detail.“

Das Problem besteht darin, dass es in der Altersstruktur eine Unwucht gibt. Fast alle der 80- bis 120-jährigen Bäume auf Gemeindegrund sind Fichten. Nörr war weit entfernt, die Fichte schlecht zu reden. „Sie ist nach wie vor der ertragreichste Baum.“ Aber: Ein reiner Fichtenwald hat wegen seiner Anfälligkeit für Schädlinge und Stürme „keine Zukunft“. Ihm müssen Partner an die Seite gestellt werden.

Womit man auch schon bei den Empfehlungen für die Zukunft war. Das Forstbetriebsgutachten – das übrigens nach zehn Jahren einer Revision unterzogen wird – rät, den Fichten- und Kiefernanteil sukzessive von 60 auf 35 Prozent zu reduzieren. Der Tannenanteil solle von null auf fünf Prozent erhöht werden, und der Laubholzanteil von 40 auf 60 Prozent. Es geht also darum, „unter dem bestehenden Wald einen neuen Wald zu etablieren“, der dem Klima der Zukunft standhält. Und dabei sei die richtige Mischung unabdingbar. „Wer streut, der rutscht nicht“, zitierte Webert einen Spruch von Waldbesitzern. Der jährliche Holzeinschlag soll bei 155 Kubikmetern liegen.

Anderswo in Bayern ist die Lage ein Desaster

Der Forstamtschef verdeutlichte außerdem, dass die Voraussetzungen für einen Waldumbau im Oberland relativ günstig sind. „Es pressiert zwar ein bisschen, aber wir können es schaffen“, sagte er. Ganz anders stelle sich die Lage etwa in Franken dar, wo es jetzt schon riesige Kahlflächen zu beklagen sind. „Dort stellt sich teilweise nicht mehr die Frage, welchen Wald man will, sondern nur noch, ob dort je wieder ein Wald stehen wird.“

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Rätin Sonja Galli-Krottenthaler erkundigte sich, auf welche Baumarten in Zukunft gesetzt werden soll. Webert erwiderte, dass man „mit der bestehenden Baumartenpalette relativ weit kommen kann.“ Sprich: Es braucht nicht zwingend die Anpflanzung von Exoten. Freilich werde ein wenig experimentiert, etwa mit der Baumhasel oder der Zeder. „Aber da gilt es erst einmal zu beobachten, wie sie auf unsere Verhältnisse reagieren.“

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Bürgermeister Hubert Oberhauser bedankte sich für die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit der Behörde. Für die Fichten, die weichen müssen, habe man übrigens Verwendung. Nämlich in der neuen Hackschnitzelanlage am Bauhof.

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