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SPD-Ortsvorsitzende Angelika Kassner hätte sich Kanzlerkandidat Martin Schulz kämpferischer gewünscht.

Analyse der Bundestagswahl

SPD muss „raus aus dem Dunst von Frau Merkel“

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Angelika Kassner ist Chefin des SPD-Ortsvereins Dietramszell-Egling, stellvertretende Kreisvorsitzende und sitzt für die Genossen im Eglinger Gemeinderat. Das Abschneiden ihrer Partei bei der Bundestagswahl hat die Deiningerin geschockt.

Egling/Dietramszell – Doch im Gespräch mit Redakteur Peter Borchers gibt sie sich kämpferisch.

Frau Kassner, Ihr Bundesvorsitzender und Kanzlerkandidat führte einen ziemlich zahmen Wahlkampf. Erst nachdem die Wahllokale geschlossen hatten, polterte Martin Schulz gegen die Kanzlerin. Wie bewerten Sie das?

In der Fernsehrunde, da wurde er kämpferisch – leider kam das ein paar Tage zu spät. Ich hätte mir das von ihm früher gewünscht. Wir sind als Partei nie aus dem Dunst von Frau Merkel herausgekommen und dafür haben wir vom Wähler die Quittung bekommen.

Finden Sie die Ankündigung der Parteispitze richtig, von der Regierungsbank in die Opposition wechseln zu wollen?

Angelika Kassner ist Chefin des SPD-Ortsvereins Dietramszell-Egling.  

Ja, das tragen meine Kollegen und ich mit. Wir haben schon im Vorfeld hier im Ortsverein darüber gesprochen, und alle waren dafür. Wir müssen uns als SPD auf unsere Identität und unsere ureigenen Themen zurückbesinnen. Sonst zieht diese Wahl einen Rattenschwanz nach sich, der sich auch auf kommende Wahlen auswirkt.

Sie spielen damit auf den Erfolg der AfD an.

Auch. Unsere Demokratie steht vor einer großen Herausforderung. Die AfD ist keine Piratenpartei, die kommt und wieder geht. Beide kann man nicht miteinander vergleichen. Wir müssen aufpassen.

In Egling kam die SPD auf 10,4 Prozent, in Dietramszell, von wo aus ein Fabian von Xylander einst sozialdemokratische Themen und Ideen sehr vehement und eloquent nach außen vertrat, gar nur auf 7,1 Prozent. Ist Ihr Ortsverein ein Auslaufmodell?

Ich gebe zu: Hier auf dem Land ist es einfach schwierig, weil wir nicht mehr überall vertreten sind. Mit dem Tod von Karl Vogt aus Bairawies ist uns beispielsweise in Dietramszell ein Urgestein weggebrochen. Er hat immer wieder Menschen für die sozialdemokratischen Ideale begeistert. Aber wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich wegen Sonntag frustriert bin, sage ich: Nö, im Gegenteil. Wir werden jetzt kämpfen und noch mehr arbeiten.

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