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Eglingerin (55) vor Amtsgericht

Viel Ärger um gefälschte Luxus-Tasche

Egling -  Erst freute sich eine Münchnerin (22) über das Luxus-Schnäppchen. Dann kam heraus: Die Tasche ist eine Fälschung. Nun musste sich die Vorbesitzerin aus Egling  vor Gericht verantworten.

Das Angebot klang nach Schnäppchen: eine Handtasche aus der Luxuskollektion von Louis Vuitton für 850 Euro statt 1350 Euro. Als eine Sekretärin (22) aus München im Internet die Offerte einer flüchtigen Bekannten sah, musste sie nicht lange überlegen. Am 29. Dezember vorigen Jahres gehörte das edle Stück ihr. Wenig später stellte sich allerdings heraus: Die Tasche ist eine Fälschung. Wegen Betrugs musste sich nun die Vorbesitzerin vor Gericht verantworten.

Die in der Gemeinde Egling lebende Geschäftsführerin (55) soll die Freundin ihres Sohnes beauftragt haben, die Tasche online zu verkaufen. „Ich habe keinen Auftrag zum Verkauf gegeben. Ich wollte ihr die Tasche schenken“, ließ die Angeklagte das Gericht wissen. Und dass es sich um eine Fälschung handelte, habe sie nicht gewusst. Die Tasche sei das Geschenk eines Verehrers gewesen. Der Mann habe ihr sogar einen Heiratsantrag gemacht, erklärte die verheiratete Frau. Deshalb habe sie die Tasche als „sehr wertvolles Geschenk“ angesehen und sei davon ausgegangen, dass sie echt sei. „Sie hat nicht ausgeschaut, wie eine billige Kopie aus der Türkei“, so die Beschuldigte.

Nachdem sie den Kontakt zu dem Verehrer beendet hatte, habe sie auch die Tasche nicht mehr gewollt und sie der Freundin ihres Sohnes überlassen. Dass diese die Tasche verkaufen würde, habe sie nicht geahnt. „Sie sagte, vielleicht finde sie eine Freundin, die sie haben will. Aber mir war’s auch egal“ beteuerte die Eglingerin. Auch als sie von der Partnerin des Sohnes 400 Euro erhielt, will sie sich nicht gewundert haben. „Ich wusste nicht, woher das Geld kam. Wir waren vorher zusammen shoppen. Ich dachte, sie gibt es mir dafür.“

Tatsächlich hatte die – inzwischen vom Sohn getrennte – Frau das teure Accessoire in Anwesenheit der Angeklagten an die geschädigte Sekretärin verkauft. Jedenfalls behauptete das die 22-Jährige vor dem Wolfratshauser Amtsgericht. „Sie hat mir sogar erzählt, dass sie die Tasche von ihrem Mann bekommen habe“, beteuerte die Zeugin. Die Angeklagte hingegen hatte erzählt, seinerzeit die jungen Frauen allein gelassen und den Hund ausgeführt zu haben. Ein paar Tage später wollte die Käuferin ihre Initialen in die Tasche einarbeiten lassen, dabei kam die Fälschung ans Tageslicht. Als sie daraufhin erneut bei den Damen vorstellig wurde, habe es geheißen: „Geld gibt’s nicht zurück“, sagte die Geschädigte.

Richter Helmut Berger legte daraufhin der Verteidigung nahe, die Sache nochmal zu überdenken. Nach einer kurzen Unterbrechung, ging die Verhandlung dann rasch zu Ende. „Meine Mandantin ist nach wie vor der Meinung, dass sie damals im Haus nicht dabei war und dass sie nichts von einer Fälschung wusste“, so der Verteidiger. „Aber sie möchte dazu beitragen, dass die Sache gerade gerückt wird.“ Die Angeklagte erklärte sich bereit, der Sekretärin den entstandenen Schaden von 850 Euro zu begleichen. Zudem zahlt sie 800 Euro an die Lebenshilfe Bad Tölz. Im Gegenzug stellt das Gericht das Verfahren ein.

Von Rudi Stallein

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