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Warum Dr. Edmund Stoiber in Egling ein Heimspiel hat

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Von: Peter Borchers

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In Egling fast daheim: Beim Neujahrsempfang der Eglinger und der Kreis-CSU sprach Dr. Edmund Stoiber über den Erneuerungsprozess seiner Partei und über Europa. © sh

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber war Ehrengast beim Neujahrsempfang der Eglinger CSU.

Egling – Dr. Edmund Stoiber ist nun schon einige Jahre raus aus dem politischen Tagesgeschäft. Von seiner Leidenschaft für die Belange der Christsozialen hat der ehemalige bayerische Ministerpräsident und CSU-Ehrenvorsitzende jedoch nichts eingebüßt. Wild gestikulierend springt der 77-Jährige nach links und rechts, völlig vergessend, dass das Mikrofon am Pult fixiert ist. Macht aber nichts: Stoiber spricht laut, ist gut zu verstehen. Ein paar Werbereiter seiner Partei muss Florian Sperl allerdings zur Seite schieben, Stoibers raumgreifende Art gefährdet ihr Überleben.

Sperl ist Gastgeber an diesem Sonntag beim Aufhofener Jägerwirt. Sein Eglinger Ortsverband sowie die Kreis-CSU haben zum Neujahrsempfang geladen – mit Stoiber als Hauptredner. „Sie kommen ja zurück zu Ihren Wurzeln“, begrüßt Sperl seinen Stargast. Und der Wolfratshauser ist trotz heftigen Schneetreibens – weshalb der Saal wohl auch nicht so gut gefüllt ist wie erwartet – gerne gekommen. Seine überregionale politische Karriere hatte schließlich 1974 in Egling mit einem Anschubser durch Hans Holzer, einem Vorgänger Sperls, ihren Lauf genommen: Holzer ermunterte Stoiber damals, sich um ein Landtagsmandat zu bewerben – mit Erfolg.

Seitdem hat der 77-Jährige viel erlebt und gestaltet, und an seinen Erfahrungen lässt er die Gäste in 74 Minuten freier Rede teilhaben. Der „Erneuerungsprozess, in dem sich unsere CSU gerade befindet“, inmitten einer schwierigen nationalen und europäischen Gemengelage ist sein zentrales Thema – was Stoiber nicht davon abhält, seine Zuhörer in der ihm typischen Art auf lange historische, welt- und auch regionalpolitische Exkursionen – Stichworte Wohnungsnot, S-Bahn-Verlängerung und Bienen – mitzunehmen. Was die Erneuerung betrifft, sieht der Ehrenvorsitzende seine Partei auf einem guten Weg. „Wir haben nach langen Mühen mit Markus Söder einen starken und leidenschaftlichen neuen Ministerpräsidenten und Parteivorsitzenden“. Söder habe Kanten und – heute nicht mehr selbstverständlich – überhaupt keine Scheu „auch mal anzuecken“. Außerdem – Stoiber zeigt unter natürlich einkalkuliertem Beifall auf den anwesenden Königsdorfer Bürgermeister – „haben wir mit Toni Demmel den künftigen Landrat.“

Was Deutschland und Europa angeht, ist der frühere Ministerpräsident nicht ganz so optimistisch. Er appelliert, die Rechten, die Nationalisten und die Populisten „kleinzuhalten, denn sie wollen Europa nur zerstören“. Und er fordert die EU auf, mehr Eigeninitiative und Selbstbewusstsein an den Tag zu legen. Von den USA sei nicht mehr viel zu erwarten, mahnt Stoiber, deshalb müsse Europa, die Heimat von immerhin 500 Millionen Menschen, in der Welt selbst „ein Player werden“, was Wirtschaft, Forschung, Entwicklung und Sicherheit betrifft.

Seiner Partei gibt Stoiber abschließend mit auf den Weg, sich „breiter aufzustellen und inhaltlich mehr einzumischen in die Debatten“. Dazu gehöre, sich deutlich von den Grünen und deren Politik abzugrenzen. Die würden den Klimaschutz, ein unbestreitbar wichtiges Ziel, absolut restriktiv verfolgen, die sozialen Auswirkungen für die Menschen dabei bewusst außer Acht lassen. Die CSU als die letzte Volkspartei nach dem Absturz der SPD müsse, fordert Stoiber, „verschiedene Interessen zusammenführen und Kompromisse finden.“

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Lesen Sie auch: Kreis-CSU fordert: Vereint gegen den Nationalismus

Edmund Stoiber sprach nun im Interview mit merkur.de* über radikalen Klimaschutz und welcher Kurs nachhaltig ist.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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