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Fremdartig und schön: Die Moorlandschaft - hier die Blüte des Scheidigen Wollgrases - ist den meisten Menschen unbekannt. Doch sie steckt voller faszinierender Geheimnisse. 

Managmentplan soll Flora und Fauna erfassen

Wie Brüssel die Eglinger Moore bewahren will

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Die EU wünscht, dass die Moore zwischen Dietramszell und Deining so unberührt bleiben, wie sie sind. Deshalb erstellt die Regierung von Oberbayern in den nächsten zwei Jahren einen Managementplan. Bei der Auftaktveranstaltung im Landratsamt war mancher Eigentümer misstrauisch.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Momentan blüht es wieder, das Scheidige Wollgras. Früher wurden damit Kissen gestopft, heute geht es eher um die Bedeutsamkeit für das Ökosystem. Die Pflanze ist eines von vielen Beispielen, die belegen, welcher immense biologische Reichtum in den Mooren verborgen liegt. Wer kennt schon eine Libellenart mit dem Namen Helm-Azurjungfer, eine Amphibie namens Gelbbauchunke oder die Bachmuschel, die nur in glasklarem Wasser überleben kann? Als Laie weiß man davon wenig. Und trotzdem ist es so.

Thomas Eberherr von der Regierung von Oberbayern moderierte die Auftaktveranstaltung. 

Die Europäische Union mit Sitz in Brüssel ist sehr darauf bedacht, dass diese biologische Vielfalt erhalten bleibt, mit gleichen Standards für alle Mitgliedsländer. Der Name des Programms: Natura 2000. Da der Landkreis mit Moorgebieten reich gesegnet ist, wurden schon einige Managementpläne erstellt, die das Ziel verfolgen, Flora und Fauna zu erfassen und Maßnahmen zu deren Erhalt zu ergreifen. Jetzt ist das Gebiet zwischen Dietramszell und Deining an der Reihe. Es geht um insgesamt 941 Hektar. Davon liegen 499 auf Dietramszeller, 397 auf Eglinger Flur und etwa 45 in Straßlach-Dingharting. Es handelt sich um kein zusammenhängendes Gebiet, sondern um zwölf Teilflächen, darunter Deining, Oberegling, Sachsenhausen, Humbach und Bairawies.

Das Landratsamt hatte sich die Mühe gemacht, alle 450 Eigentümer einzeln einzuladen. Eine Tatsche, der der Chef der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen, Johann Killer, Respekt zollte: „Das ist bayernweit einmalig, mehr Transparenz geht nicht“, sagte er. So kamen etwa 70 Landwirte am Dienstag im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes zusammen, um sich das von der Regierung das weitere Prozedere erläutern zu lassen. Auch viele Behördenvertreter waren vor Ort.

Die Maßnahmen sind nur für Behörden rechtsverbindlich

Thomas Eberherr von der Regierung wiederholte mehrfach, dass die Maßnahmen, die sich aus dem Managementplan ergeben, lediglich für die Behörden rechtsverbindlich sind. „Für alle anderen Eigentümer und Bewirtschafter haben sie nur Hinweischarakter.“ Freilich stehe es jedem Privatmann offen, seinen Teil zum Erhalt des Ökosystems beizutragen, etwa, indem er auf Düngung verzichtet. In diesem Fall winke ein finanzieller Ausgleich. Doch niemand werde zu irgendetwas gezwungen, eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung sei nach wie vor möglich. Allerdings gelte das „Verschlechterungsverbot“, das es unter Strafe stellt, aktiv den biologischen Wert der Moorlandschaft zu schmälern, etwa durch das Aufforsten von Streuwiesen oder das Entwässern von Moos-Arealen. „Das war aber immer schon so und ist daher nichts Neues“, so Eberherr.

Stefan Rührgartner, Zellerar des Klosters Schäftlarn, fragte nach, ob man nicht einem der Kartierer der Regierung ins Gelände folgen könne. Das Kloster verfüge über 37 Hektar im Eglinger Filz, man sei durchaus interessiert. Eberherr dämpfte die Erwartung: „Bei so vielen Grundbesitzern wird das kaum zu leisten sein. Dann werden wir in zehn Jahren nicht fertig.“ Franz Steger von der Unteren Naturschutzbehörde plädierte eher für eine „exemplarische Veranstaltung.“ Die Dietramszeller Bürgermeisterin Leni Gröbmaier und Eglings Bürgermeister Hubert Oberhauser sprachen sich für maximale Transparenz aus, etwa über das Gemeindeblatt.

Eine Rolle spielten auch die schlechten Erfahrungen, die Landwirte kurz nach der Jahrtausendwende mit der Einführung der Flora-Fauna-Habitat Gebiete (FFH) machten, die ebenfalls von Brüssel ausging. Damals wurde vieles über die Köpfe der Eigentümer hinweg entschieden, der Unmut war groß. „Das hier ist doch eine reine Alibi-Veranstaltung“, schimpfte ein Landwirt aus Moosham. „Wir sind nur noch Landschaftspfleger.“ Wenn auch nur zwei Prozent einer Waldfläche als FFH-Fläche ausgewiesen sei, sei das Grundstück nur noch die Hälfte wert.

Das wollte Eberherr so nicht stehen lassen. Bei der Einführung der FFH-Flächen sei es keineswegs so undemokratisch zugegangen, wie immer getan würde. „40 Prozent der Einwendungen ist im Dialogverfahren stattgegeben worden.“ An die behauptete Wertminderung durch eine FFH-Belegung mochte er nicht glauben: „Geben Sie mir das schriftlich, dann könnte ich der Sache einmal konkret nachgehen.“ Im Übrigen verwies er erneut darauf, dass der Managementplan für Privatleute nicht verbindlich sei.

In zwei Jahren soll der Entwurf für den Managementplan stehen. Dann werden Behördenvertreter und Eigentümer erneut zu einem Runden Tisch zusammenkommen und die Ergebnisse besprechen. Eberherr forderte das Auditorium auf, sich den Termin auf jeden Fall vorzumerken, die Eigentümer würden der Sache damit einen guten Dienst erweisen. „Mit der praktischen Sicht der Landwirte lässt sich immer noch viel verbessern.“

Exkursion

Der Landesbund für Vogelschutz lädt am Samstag, 9. Juni, zu einer Exkursion ins Spatenbräufilz bei Egling. Birgit Weis, Gebietsbetreuerin für Moore und Isar im Tölzer Land, stellt den Lebensraum Moor vor, Christine Fischer wird die moortypischen Libellenarten zeigen, etwa die vom Aussterben bedrohte Große Moosjunger. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Wegkreuzung Thanning/Egling/Moosham.

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