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Mit dem Minister im Moor: Vertreter von Politik und Kirche sowie die Gebietsbetreuer trafen sich mit Thorsten Glauber (Bildmitte) im Eglinger Filz. Der Minister entschuldigte sich dafür, dass er im feinen Zwirn erschien. Er hatte einige Anschlusstermine. 

Umweltminister Thorsten Glauber vor Ort

Wie das Eglinger Filz dabei hilft, die Welt zu retten

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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In Egling wird schon lange Pionierarbeit geleistet: Durch die Renaturierung des Mooses wurde viel Kohlendioxid gebunden. Umweltminister Thorsten Glauber war beeindruckt. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Klimaschutz und Artenvielfalt sind Themen, die die Menschen derzeit so stark bewegen wie nie zuvor. Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hat Ende vergangener Woche das Eglinger Filz besucht, durch dessen Renaturierung auf einer Fläche von 37 Hektar in den vergangenen Jahrzehnten unglaublich viel für die Natur getan wurde – lange, bevor die Themen ins allgemeine Bewusstsein drangen.

„Moorschutz ist Klimaschutz, und hier wird er mustergültig umgesetzt“, erklärte der Minister vor großer Runde mit Vertretern von Politik, Behörden und Landesverbänden. Nicht zu vergessen natürlich die Dutzenden von Gebietsbetreuern, in der braunen Moorlandschaft leicht an den grünen Westen zu erkennen. Sie praktizieren Umweltschutz in ganz Bayern – und hielten ihr Jahrestreffen zum ersten Mal in Egling ab.

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat mit elf Prozent so viel Moorfläche wie kaum ein anderer in Bayern. Das Eglinger Filz, das sich im Besitz des Klosters Schäftlarn befindet und ganz nebenbei das Jagdgebiet von Bürgermeister Hubert Oberhauser ist, teilte lange das Schicksal vieler anderer sumpfiger Parzellen. Von 1960 bis 1977 – also zu einer Zeit, als die Welt noch andere Sorgen hatte – wurde es zwecks Torfgewinnung trockengelegt. Als 2003 die Tölzer Moorachse gegründet wurde, nahm man sich sogleich des Eglinger Filzes an. „Dadurch, dass es nur einen Eigentümer gab, waren die Voraussetzungen gut“, erklärte Gebietsbetreuerin Birgit Weis. Es wurde eine Erfolgsgeschichte. Abt Petrus Höhensteiger vom Kloster begrüßte den Minister mit den Worten: „Ich bin sehr froh, dass die Renaturierung so gut geklappt hat.“ 

Tatsächlich ist das Eglinger Filz bayernweit ein Vorzeigeprojekt. Nasse oder wiedervernässte Moore sind Klimaschützer, weil sie in der Lage sind, der Atmosphäre Kohlendioxid zu entziehen: Global sind es jährlich 150 bis 250 Millionen Tonnen, in Bayern sind es 70 000 Tonnen seit dem Jahr 2008. Dr. Norbert Schäffer, Erster Vorsitzender des Landesbund für Vogelschutz, erklärte sogar: „Ohne die Moore kann man Klimaschutz vergessen.“

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Außerdem bieten die Moore Arten eine Heimat, die nirgendwo anders eine Chance hätten – ein Eldorado der Biodiversität. Prominentestes Beispiel dürfte die Bekassine sein, ein Schnepfenvogel, der im weichen Moorboden leicht nach Kleintieren stochern kann. Weitere exklusive Moorbewohner heißen Hochmoorgelbling, Zwerglibelle oder fleischfressender Sonnentau. Die Zahl dieser Spezialisten ist kaum zu überschauen. „Allein in einem Wasserloch siedeln sich an die 250 Arten an Käfern, Wanzen und Libellen an“, berichtete Gebietsbetreuerin Elisabeth Pleyl.

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Gerade weil der Umweltschutz derzeit eine so wichtige Rolle spielt, wurde auch politisiert. Landrat Josef Niedermaier wies darauf hin, dass es nicht leicht werden wird, in Hinsicht auf Naturschutz einen gesellschaftlichen Konsens herzustellen. „Das wird mühsam“, prophezeite er. Man solle sich hüten, so zu tun, als ob früher alles verkehrt gewesen wäre. „Wir müssen die Herausforderungen mit kühlem Kopf angehen.“ Und an seinen Parteifreund, den Minister, wandte er sich mit einer klaren Forderung: „Wir brauchen endlich mehr Personal, um die ganzen Vorgaben umsetzen zu können“, sagte er. Worauf Glauber versicherte: „Wir haben 70 neue Stellen beantragt.“ Der Minister übte sich in Bescheidenheit: „Die Bürger sind oft viel weiter als wir politisch Handelnden.“ Im Fall der Tölzer Moorachse gilt das ganz gewiss.

Die Tölzer Moorachse

Im Landkreis haben der Landesbund für Vogelschutz (LBV), der Bund Naturschutz, die Untere Naturschutzbehörde, die Regierung von Oberbayern sowie der Bayerische Bauernverband die Tölzer Moorachse gegründet, um die Renaturierung der entwässerten Moorflächen entlang Isar und Loisach voranzutreiben. In den vergangenen 25 Jahren wurden in 20 Hochmooren auf rund 825 Hektar Wiedervernässungsmaßnahmen geplant. Seit 2003 tritt die Lenkungsgruppe regelmäßig zusammen. Träger der Gebietsbetreuungen sind der LBV und das Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern (ZUK).

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