Simulation: Vertreter der Bürgerinitiative durften an einem Gespräch mit Bürgermeister Hubert Oberhauser und dem Investor Heiko Bonn teilnehmen. Dort zeigte Bonn erste Entwürfe des geplanten Wohnbaugebiets. Nach einem Blick auf die Pläne fertigten die Projektgegner diese Montage an.

Gegner machen mobil

Wohnbauprojekt an der Hochstraße: „Deining steht am Scheideweg“

Die Gegner des geplanten Wohnbauprojekts am Deininger Ortsrand machen mobil. Ihr Ziel ist es, dass deutlich weniger Häuser als vom Investor vorgesehen entstehen. Im Vorfeld der Informationsveranstaltung für alle Deininger Bürger am 21. September erläutern sie ihre Sorgen.

Deining – Noch liegt kein Bauantrag für das 28 000 Quadratmeter große Grundstück an der Hochstraße 4 (ehemals Fischer-Anwesen) in Deining vor. Fest steht nur, dass die „2. Frajo Immobilien GmbH“ mit Heiko Bonn aus Pullach als geschäftsführendem Gesellschafter auf dem Areal am Ortsrand, westlich des Weiherbachs, ein großes Wohnbauprojekt verwirklichen möchte. Bürgermeister Hubert Oberhauser sprach in der Bürgerversammlung im März von 20 bis 25 Häusern. Die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) gehen von rund 28 Einfamilien- und Doppelhäusern aus. „Das bedeutet einen Zuwachs von knapp 100 Neubürgern in unserem kleinen Dorf mit 900 Einwohnern“, sagte Norbert Fuchs von der BI am Mittwoch während eines Pressegesprächs.

Fünf bis acht Häuser wären in Ordnung

Die sprunghafte Bevölkerungszunahme ohne entsprechende Infrastruktur ist längst nicht die einzige Sorge der Nachbarn Professor Dr. Enno Biergans, Norbert Fuchs und Hugo Spitz, die zu dem Treffen eingeladen hatten. Das Trio wehrt sich gegen die Ausdehnung des Deininger Wohngebiets in bisher landwirtschaftliches und zur Naherholung genutztes Gebiet hinein. Denn nur etwa ein Drittel des von Bonn im Oktober 2016 erworbenen Grundstücks ist laut Flächennutzungsplan der Gemeinde Egling bebaubar. Dort dürften fünf bis acht Häuser errichtet werden. „Dagegen hätten wir nichts“, betont Spitz.

Die zwei übrigen Drittel des Grundstücks liegen im nicht bebaubaren Außenbereich. Der Gemeinderat müsste den Flächennutzungsplan erst ändern und einen Bebauungsplan aufstellen, damit die Wiesen samt Weiher Bauland werden könnten. „Wir befürchten hier einen Präzedenzfall“, erklärt Enno Biergans. Würden in allen 33 Ortsteilen Eglings landwirtschaftliche Flächen für Wohnzwecke umgewandelt, ginge der ländliche Charakter nach und nach verloren.

Überschwemmungsgefahr wegen Hanglage

Machen mobil gegen das Neubaugebiet am Deininger Ortsrand: Die Anwohner Hugo Spitz (li.) und Norbert Fuchs.

Die Wiese ist aus Sicht der Projektgegner – unter ihnen Deinings Altbürgermeister Peter Bauer – zudem wegen ihrer Hanglage und der damit verbundenen Überschwemmungsgefahr nicht für eine Bebauung geeignet. Den zirka 3500 Quadratmeter messenden Weiher bezeichnet die BI als schützenswertes Biotop. Sie habe dort Biber gesichtet. Blindschleichen, Vögel und Insekten hätten dort ihren Lebensraum. Laut Fuchs beabsichtigt der neue Eigentümer, den Weiher zuzuschütten.

Fuchs nennt die Grundstückskäufer, mutmaßlich eine Kapitalgesellschaft, „Spekulanten“. Sie hätten dem insolventen Voreigentümer das Gelände zu einem Spottpreis von 3,2 Millionen Euro abgekauft. „Es lassen sich darauf mindestens zehn Millionen Euro Gewinn erzielen“, hat der BI-Vertreter anhand der aktuellen Bodenrichtwerte ausgerechnet. Zu guter Letzt bezweifeln die Projektgegner, dass – wie von Bürgermeister Oberhauser angekündigt – in Absprache mit dem Investor auf rund 2000 Quadratmetern des Grundstücks bezahlbarer Wohnraum für Eglinger Bürger geschaffen werde. Biergans: „Es gibt aus juristischer Sicht kein Einheimischenmodell mehr. Unsere Bürger würden also nicht profitieren“.

240 Deininger gegen das Vorhaben

240 von 520 wahlberechtigten Deiningern haben sich wie berichtet in einer Unterschriftenaktion gegen das Vorhaben ausgesprochen. „Deining steht am Scheideweg. Das Schicksal des Ortes liegt in den Händen des Gemeinderats, da er allein über einen neuen Flächennutzungsplan entscheidet“, sagt Enno Biergans. Er und seine Mitstreiter hoffen, dass möglichst viele Gemeinderäte und Bürger zur Informationsveranstaltung der BI kommen. Sie findet statt am Donnerstag, 21. September, um 19.30 Uhr im Gasthof Jägerwirt in Aufhofen.

Tanja Lühr

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