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Hochgeschätzt in der Boxszene: Athletik-Trainer Alfred Segerer (Mi.) mit Robert Stieglitz (li.) und Robin Krasniqi.

Porträt der Woche

Ein Leben für den Sport

Wolfratshausen - Alfred Segerer vom TSV Wolfratshausen gilt als einer der besten Athletiktrainer Deutschlands.

Neben seiner Familie und seinen Freunden kennt Alfred Segerer nur eines: Sport. Dafür lebt er. Und das schon immer. Bereits im frühen Schulalter begann der heute 55-Jährige mit dem Training. Erst unbewusst, dafür aber ausgiebig. „Meine Familie stammt aus Lauterhofen in der Oberpfalz, das in einem Kessel liegt. Wir wohnten im steilsten Teil des Dorfes, 400 Höhenmeter waren es von der Ortsmitte bis nach Hause, und als Ministrant musste ich morgens und abends zur Kirche und zurück“, erinnert sich Segerer.

Die Schule lag sogar sechs Kilometer entfernt, und von Bussen konnte er damals nur träumen. So nahm er das Fahrrad und im Winter die Skier. Weitere Kilometer kamen hinzu, wenn er ins von ihm so geschätzte Freibad wollte – es lag zwölf Kilometer entfernt. Wenn er denn mal frei hatte, gab es für ihn nur eines: Kicken mit seinen sechs Brüdern, mit denen er – der Zweitjüngste – später auch in einer Mannschaft spielte. Diese „Grundausbildung“, so nennt Segerer das, machte ihn so fit, dass er während der damals noch 18 Monate währenden Wehrpflicht auffiel. „Ein älterer Stabsarzt hat mich für den Sanitätsdienst angeworben. Er meinte, dass ich dort etwas werden könnte.“

So kam es. Im Alter von 23 Jahren wechselte er als Ausbildungsfeldwebel für Sport nach München. Nun fuhr er jeden Tag von Freising aus die einfache Strecke von 35 Kilometern bis zur Sanitätsakademie an der Ingolstädter Straße – natürlich mit dem Fahrrad. Zudem spielte Segerer weiterhin Fußball. Die fünf Jahre, in denen er jeweils Torschützenkönig war, machten ihn noch bekannter. Spätestens alle zwei Jahre musste Segerer eine neue Lizenz in einer sportlichen Disziplin nachweisen, „damit ich Spitzensportler aus allen Bereichen betreuen durfte“. So machte er in den 35 Jahren Dienstzeit 18 Trainerscheine, und zwar in den Disziplinen Ski alpin und Langlauf, Fußball, Schwimmen, Volleyball, Bergführer, Beachvolleyball, Yoga, Pilates, Skigymnastik, Kraft, Aerobic, Spinning und allen Bereichen der Leichtathletik.

Segerer betreute als Athletik- und Konditionstrainer unter anderem prominente wie erfolgreiche Sportler wie Eisschnellläuferin Anni Friesinger, die Biathletinnen Kati Wilhelm und Andrea Henkel, Rennrodlerin Silke Otto und die Fußballprofis Alexander Zickler und Didi Hamann. Überdies arbeitete er als Verbandsskilehrer und machte den A-Trainer-Schein im Boxen, womit er sogar die Klitschko-Brüder trainieren dürfte. Die aufstrebenden Talente im Ring, Toni und James Kraft sowie Vartan Avetisyan, halten große Stücke auf ihren Coach: „Alfred ist in Sachen Kondition einfach der Beste.“

„Ich selbst bin Läufer, Triathlet und habe auch gerne Biathlon gemacht“, sagt der 55-Jährige, der Mitglied des TSV Wolfratshausen ist. Auch vertrat der Münchner die Bundeswehr im Ausland bei Ski- und Langlaufrennen. Mit 28 Jahren gewann er die Deutsch-Österreichische Berglaufmeisterschaft. Zwei Jahre später lief er in München seinen ersten Marathon. Seine Zeit von 2:48 Stunden war für einen Debütanten phänomenal. Wieder fünf Jahre später war er wesentlich schneller. In Schwerin beendete er die 42 Kilometer in 2:30:11 Stunden. „Nur einer war schneller, der damalige DDR-Meister“, erinnert er sich. Den Ironman in Roth legte er als 38-Jähriger in 9:45 Stunden zurück.

43 Jahre alt, übernahm Alfred Segerer den Job als Athletik- und Konditionstrainer bei der deutschen Box-Nationalmannschaft. Später fungierte er als Teamkapitän bei der der Militär-Olympiade in Indien. „Dort habe ich die Disziplin-Trainer und 237 Sportler betreut.“ Namhafte Bundesligaschiedsrichter wie Günter Perl und Dr. Franz Xaver Wack haben sich von Segerer fit machen lassen. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst betreut Segerer derzeit 15 Berufssportler, darunter sieben Tennisspieler, fünf Boxer und drei Golfer, die alle in der Weltspitze vertreten sind.

In seiner langen Zeit an der Sanitätsakademie der Bundeswehr lernte er Alfred Barth kennen. Der Chef des TSV Wolfratshausen diente dort als Lehr- und Sportoffizier. „Das hat uns natürlich auch privat zusammengeschweißt“, sagt Segerer. Deshalb kam er 2014 gerne der Bitte seines Spezls nach, die damals marode Erste Fußball-Mannschaft der Wölfe vor dem totalen Niedergang zu bewahren. Segerer stabilisierte das Team, bis Guido Herberth, der aktuelle Trainer, es nach der Winterpause übernahm und zu einem Aufstiegskandidaten in der B-Klasse 3 formte. Segerer freut sich, „dass ich den TSV und seine Abteilungen näher kennen gelernt habe und ihnen aufgrund meiner guten Verbindungen im Sport- und Fitness-Bereich mit Rat, Tat und mit Sportgeräten unter die Arme greifen kann“. Sein Einsatz blieb nicht unbemerkt: Die Stadt Wolfratshausen ehrte Segerer vor knapp zwei Wochen als „Förderer des Sports 2016“.

Gabriele Mayer

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