Die Pfarrkirche Maria Hilf stammt aus dem Jahr 1964. Architekturhistorikerin Kaija Voss (2. v. re.) und Kunsthistorikerin Elisabeth Anton (re.) erklären den Interessierten bei einem Rundgang die Besonderheiten des Gotteshauses. foto: sh

"Ein schlichter, fast grandioser Bau"

Geretsried - Mit der Maria-Hilf-Kirche und der Versöhnungskirche gibt es im Süden der Stadt zwei große Gotteshäuser. Ein Rundgang zeigt die Besonderheiten auf.

„Wenn man über Geretsried spricht, muss man immer auch auf die besondere Geschichte verweisen“, sagt Architekturhistorikerin Kaija Voss und zeigt den knapp 20 Interessierten eine Aufnahme der alten Bunkerkirche. Heute ist von ihr nichts mehr zu sehen: An jener Stelle steht das Pfarrheim Maria-Hilf, daneben lädt die stattliche Kirche die Gläubigen zum Gebet.

1962 plante der Münchner Architekt Hans Schädel die Kirche. Drei Merkmale seien ungewöhnlich und bemerkenswert für jene Zeit: Der repräsentative Vorbau mit Giebeldach und der markanten Fensterrosette (eigentlich eine Abkehr von der Moderne), der Zentralbau in seiner Zeltform, was die Gemeinschaft fördere, und drittens der Kirchturm, der etwas abgerückt sei. „Ein schlichter, fast grandios zu nennender Bau“, so Voss. Wie aus einem Guss sei der Zentralbau, nichts Neobarockes oder Neogotisches finde man dort. Wohl aber eine kleine Reminiszenz an die vorherige Notkirche: Statt Seitenschiffen findet man Seitenkapellen. Die Marienkapelle, die als Andachtsbetrachtung die sieben Schmerzen Mariens darstellt, verfügt über sieben Glasfenster. Von dem Münchner Künstler Walter Tafelmaier geschaffen, sind sie auffällig in Blau gehalten, der Farbe Marias, mit kleinen, symbolhaften Durchbrechungen der mittelalterlichen Grundfarben Gelb und Rot.

Nur ein paar Schritte sind es bis zur Versöhnungskirche am Chamalières-Platz. „Die evangelischen Gläubigen aus dem Süden von Geretsried hatten damals einen zu weiten Weg in die Petruskirche, deshalb waren sie für ihre Andacht zunächst im Keller der Bunkerkirche untergebracht“, erläutert Anton. Doch als die Notkirche abgerissen wurde, um dem Pfarrheim Platz zu machen, verloren die Evangelischen ihren Andachtsraum. Ein Grundstück für eine eigene Kirche fand sich. Doch das Geld war knapp, und der Platz neben dem Hochhaus schwierig zu bebauen. Architekt Franz Lichtblau entschied sich deshalb für eine ungewöhnliche Form, nämlich eine Wabenbauweise. 1969 genehmigte die Landeskirche den Bau, allerdings nur die Minimallösung mit sechs Zellen statt mit 22. 170 000 Mark gab es als Zuschuss, 26 000 Mark mussten die Gläubigen selbst beisteuern. (cjk)

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